A schöne Leich

von Hilde Schmölzer

Der Tod muss ein Wiener sein

 

Mit ihrem Buch „A schöne Leich“ schuf die Autorin Hilde Schmölzer ein hochinteressantes Werk über die Wiener Begräbniskultur im Laufe der Jahrhunderte. Akribisch recherchiert, mit zahlreichen Bildern aus früheren Tagen versehen, offenbart sich dem Leser die zerrissenen Wiener Seele, wenn es um das Sterben und die Inszenierung danach geht. Dass der Tod seit jeher ein Geschäft ist, wussten nicht nur die konkurrierenden Wiener Bestattungsunternehmen jener Tage.

Aufzeichnungen schildern eindrucksvoll den Pomp bei Begräbnissen hochrangiger Vertreter aus Adel und Kirche, bei deren Trauerzügen Tausende in verschiedensten Rängen die „schöne Leich“ vor und hinter dem Sarg begleitet haben. Aber auch die Not des einfachen Volkes, das sich mehr vor den finanziellen Aufwendungen eines Begräbnisses fürchtete, als vor dem Tod selbst. Arme Bürger befiel zudem psychisches Leid, da ihre Verstorbenen klamm und heimlich (meist in der Nacht) in Schachtgräbern, in denen schon Tote lagen, begraben wurden.

Wussten Sie, dass auch Mozart in so einem Schachtgrab „abgelegt“ wurde. Erst zu seinem hundertsten Todestag bekam er posthum ein Denkmal auf dem Wiener Zentralfriedhof – seine Gebeine jedoch liegen heute noch irgendwo unter Wiener Erde. Oder auch nicht, weil Gebein  bekanntlich vergänglich ist.

Lesenswert fand ich auch die schriftlichen Aufzeichnungen im Originaltext, in denen Kaiser und Kirche Erlässe tätigten, wie und wer, je nach Stand, zu beerdigen sei. Ein Kapitel, bei dem ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte, schildert den Schriftverkehr mehrerer Personen verschiedenen Standes zu einem damals brandheißen Thema, indem ein Autor die Kirche dafür verantwortlich machte, dass sie, durch zu hohe Taxen, ganze Familien in den finanziellen Ruin treiben würde. Ja, ja, das liebe Geld und die Kirchenfürsten, eine endlose Geschichte!

Die Autorin beschreibt diesen Schriftverkehr so: „Es ist interessant und ungemein ergötzlich, sich diese alte Streitschrift durchzulesen; sie führt mitten hinein in die religiöse und politische Auseinandersetzung im Jahre 1781 und zeigt mehr über die Sitten- und Kulturgeschichte der damaligen Zeit, als manch lange Abhandlungen es vermögen.“

Dem kann ich nur beipflichten.

Der Wiener, an und für sich ja ein melancholischer Menschenschlag  – man denke an die Wiener- und Heurigenlieder, zelebriert in Hilde Schmölzers Buch über Jahrhunderte den Tod und die damit einhergehenden Verpflichtungen, das Gesicht zu wahren und auch im Verlust zu zeigen, was man hat und wer der Verstorbene war.

Unter den vielen Wiener Kirchen liegt ein weitverzweigtes Netz Katakomben, doch weiß niemand so genau, wie viele Verstorbene unter den Straßen und Plätzen Wiens ihre letzte Ruhe gefunden haben. In der heutigen Zeit hat sich die Affinität der Wiener zum Tod wohl etwas gewandelt, so wie auch die Begräbniskultur und die leichtere Erreichbarkeit des „Zentral“, wie die Wiener ihren riesigen Zentralfriedhof nennen. Dass der Tod noch immer ein Geschäft ist, daran wird sich nie etwas ändern.

So will ich an dieser Stelle auch mein persönliches Verhältnis zum Tod und dem Sterben kundtun:

 

Kein Geld für eine schöne Leich,

bringt näher mich dem Himmelreich.

Tragt stets mein Bild in euren Herzen,

so lässt mein Tod sich bald verschmerzen.

 

Dieses Buch kann ich allen ans Herz legen, die sich für Zeitgeschichtliches zum Thema Wiener Begräbniskultur im Wandel der Zeit interessieren. Es ist leicht und verständlich zu lesen, mitunter auch mit etwas schwarzem Humor und zeitgenössischen Anekdoten geschmückt.