BEI ZUGABE MORD!

von Tatjana Kruse

Mörderische Mozartstadt

 

Oper?, das ist nicht so mein Ding, dachte ich, als ich den Klappentext in Augenschein nahm. Doch es sollte in diesem Krimi ja auch gestorben werden und dabei ein Sänger nach dem anderen verstummen.

 

Na dann, hinein ins Salzburger Festspielleben …, backstage, hautnah, sozusagen. Tatjana Kruse fing mich mit der ersten Zeile und machte mich neugierig auf mehr. Ich muss gestehen, ich bin ein glühender Verehrer stilvollen schwarzen Humors und was Frau Kruse – neben den bizarren Morden – in ihre Zeilen packte, ließ mich mehrmals heftig auflachen.

 

Ein Krimi zum Lachen? Ja, auch. Aber die Frage, wer die Opernstars reihenweise über die Klinge springen lässt, hält einen bis zum Ende gefangen.

 

Grenzgenial und sehr plastisch herausgearbeitet sind die Protagonisten dieses Krimis. Einzelne hier aufzuzählen würde Ihnen das Lesevergnügen stehlen. Nur so viel, an der Erzählstimme der Diva kann man sofort ein Bild festmachen. Sie ist kurz gesagt: eine pummelige, von sich Eingenommene, sich meist in den Vordergrund drängelnde, aber auch eine einsame, angstvolle, durch die Opernwelt tourende, in der Liebe zurückgewiesene, der Schokolade hörige Sopranistin.

 

Ihre kleinwüchsige Agentin Bröcki (auch ein sensationeller Charakter), der Countertenor Yves Du Bois und der von Außenstehenden oft mit einer Ratte verglichene Radames, ein von Narkolepsie gezeichneter Boston Terrier, helfen der fülligen Diva durch die Tage ihres harten Opernbusiness. Und die Tage als schillernde Operndiva bei den Salzburger Festspielen, wo Pauline Miller die Konstanze in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ singen soll, haben es wahrlich in sich.

 

Sie muss täglich proben, sich mit schweren Kostümen abmühen, sich stimmlich gegen die Konkurrenz (die weltweit auf ein Engagement in Salzburg brennt) behaupten, ein Mittel gegen ihren Liebeskummer finden, darf dabei aber dies und das nicht, wegen ihrer Stimme, soll sich bei hitzigen Spaziergängen den Fans zeigen, jedoch vor den Paparazzi verbergen, und dann …, beginnt auch noch das große Sterben im Namen der Kunst.

 

Da „Kunst“ im wahrsten Sinne des Wortes närrisch werden. Und humorvoll bis närrisch ist auch der tolle Schreibstil von Tatjana Kruse. Für meine Begriffe ein äußerst unterhaltsamer Krimi, welchen man gerne auch ein zweites Mal lesen wird.