BLACKOUT

Science-Thriller von Marc Elsberg

BLACKOUT – ein beklemmendes Buch

 

Ich rieche förmlich den abgestandenen Urin und diese andere, körperliche Ausscheidung, friere mit den bedauernswerten Menschen, bekomme auch Hunger und Durst, blicke zur Leseleuchte hoch und bin dankbar, dass noch Licht brennt. Dass ich noch STROM habe. Je mehr ich in dieses Buch abgleite, desto inständiger hoffe ich, dass der Science Thriller BLACKOUT vom Wiener Autor Mark Elsberg niemals Realität wird. Denn dann …, würden wir sorg- und ahnungslosen Wohlstandsliebhaber in tiefster Dunkelheit versinken und müssten ums nackte Überleben kämpfen.

 

BLACKOUT behandelt das furchterregende Szenario einer mehrere Wochen andauernden Stromlosigkeit. Eine Gruppe „Cyberterroristen“ legt mittels einer Hackerattacke auf italienische und schwedische Stromzähler, sogenannte „Smart Meter“ (die ja derzeit überall installiert werden), die Stromversorgung EUROPAS lahm. Nach und nach gehen dabei die Kraftwerke wegen Überlastung vom Netz. Noch in Betrieb befindliche Atomreaktoren werden heruntergefahren und mittels Notstromaggregaten wird versucht, die Kühlung ihrer Brennstäbe aufrecht zu erhalten. Als vielerorts in Europa das Licht ausgeht, Heizungen und Kühlungen ausfallen, kein Wasser mehr durch die Leitungen transportiert wird, um sich zu Waschen, etwas zu Trinken oder seine Notdurft im Klo hinunterzuspülen, sind Bürger, verantwortliche Krisenmanager und Politiker zuerst ratlos. Während man anfangs noch relativ gelassen bei Kerzenlicht darauf wartet, dass der Strom wiederkommt, wird die Lage mit jedem weiteren Tag, bald mit jeder weiteren Stunde dramatischer.

 

Nach dem er einen seltsamen Code auf seinem Smart Meter entdeckt, vermutet der Italiener Piero Manzano bald einen Hackerangriff. Er arbeitet als IT-Spezialist und war selbst viele Jahre Hacker, der Sicherheitslücken in Firmenprogrammen aufspürte. Mithilfe seines Nachbarn und dessen Tochter stellt er einen Kontakt zur Europol und Kommissar Ballard her, der sich mit seinem Team der Sache annimmt. Er lässt Manzano freiberuflich im Team mitwirken, da er dem Italiener nicht traut – einmal Hacker, immer Hacker. Als dann eine ihn belastende E-Mail auf Manzanos Laptop gefunden wird, geht eine wilde Jagd durch Europa los. Während Europol versucht Manzano zu schnappen, versucht dieser über ein auf seinem Rechner gefundenes Schadprogramm die Urheber dieses Stromchaos zu infiltrieren und überführen – sich sozusagen aus der Schusslinie zu nehmen.

 

Chaos ist das richtige Wort, das man auf den 800 Seiten dieses großartigen, aber wie schon erwähnt auch etwas beklemmenden Romans zu lesen bekommt. Man kann sich als Leser sehr rasch in die Lage der verzweifelten Menschen versetzen, die in dem Buch versuchen, zu überleben. Kinder denen kalt ist, die hungrig und durstig sind, Eltern die verzweifelt versuchen an Lebensmittel und Heizmaterial zu kommen und alte Menschen, die unbedingt ihre Medikamente benötigen und die auch massiv unter der Kälte leiden. Denn es ist Februar und empfindlich kalt. Was anfangs der Krise sogar als positiv empfunden wird, da die wenigen Lebensmittel in den stromlosen Kühlschränken und Gefriertruhen nicht sofort verderben. Je weiter diese Stromkrise fortschreitet, desto prekärer wird aber die Situation für Bewohner Europas und den USA. Auch dort haben die Hacker mittlerweile zugeschlagen und so eine bereits zugebilligte Hilfslieferung für Europa unterbunden.

 

Furchterregend aber gleichzeitig hochinteressant, wie minutiös und detailliert der Autor die verschiedenen Stufen des BLACKOUTS in seinem Buch abarbeitet und einem unbedarften Stromkonsumenten und Wohlstandsbürger vor Augen hält, was passieren könnte, wenn der Strom über Wochen ausfällt. Alleine die Vorstellung, in einem großem Mehrparteienhaus in der Stadt die Klospülung nicht mehr betätigen zu können – was für eine …

 

Und ohne Bargeldreserven gäbe es auch keine Einkäufe mehr. Wobei, die Geschäfte würden aufgrund mangelnder Logistik und Kassamöglichkeiten ohnehin schließen und die Lebensmittel hinter den Glasscheiben rasch verderben. Infolge fehlendem Strom für die Computerlogistik und in Ermangelung an Treibstoff für die Transporter könnte auch nichts mehr nachgeliefert werden. Fabriken stünden still und die gesamte Produktion käme zum erliegen. Bald wären die Straßen verwaist und einzig der Gestank und Plünderer omnipräsent in den Straßen, Gassen und Notlagern der großen Städte.

 

Die Politik in diesem Thriller ist total überfordert, denn ein Szenario mit diesen Ausmaßen wurde nicht ansatzweise überdacht oder durchgespielt. Und als dann ein Atomkraftwerk in Frankreich hochgeht (Gott sei Dank eine Fiktion) und einige andere AKW´s am Rande des GAU´s stehen, sieht es nicht mehr gut aus, für EUROPA und seine Bewohner.

 

Nicht umsonst wurde dieses Buch zu einem Bestseller! Großartig geschriebene, spannende und die Augen öffnende Literatur.