Das hundsgewöhnliche Leben

von Christian Biesenbach

Heb deinen Arsch und lebe weiter, Thomas E.

 

Mitunter kann das Leben ja wirklich „hundsgewöhnlich“ sein. Im Falle von Thomas E. wird es schon zu beginn „hundsgemein“. Er lebt in einem geschützten Biotop der Liebe, der Zuneigung und des gegenseitigen Vertrauens. Teilt sich mit Langzeitfreundin Jenny eine Wohnung, die täglichen Aufgaben, geht ihr zur Hand und plant die gemeinsame Zukunft, deren Höhepunkt im Kindersegen gipfeln sollte.

 

Und aus heiterem Himmel … AUS und VORBEI – Trennung! Jenny verlässt Thomas E. und hier beginnt der neue Roman von Christian Biesenbach. Dieses Ereignis wirft seinen Protagonisten Thomas so aus der Bahn, dass er aufrecht stehend unter dem Türschlitz durchmarschieren könnte. Aber Thomas E. marschiert nicht, er gibt sich dem Trennungsschmerz hin, suhlt sich in Selbstmitleid und breitet sein Innenleben vor dem geneigten Leser aus.

 

Gut, dachte ich, sehr gut und einfühlsam geschrieben. Wie viele Menschen (mich eingeschlossen) haben schon Trennungen erlebt, sind aber irgendwann wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht, haben die Fenster geöffnet, die Bude durchgelüftet und sind ins Licht eines Neuanfangs hinausgetreten. Was also macht Thomas E.?

 

Er wird von seinen Geschwistern und Eltern aus seiner Wohnung abgeholt und in die gewohnte Umgebung seines Heimathauses verpflanzt. Dort wird vom Familienrat eine Lösung gesucht und schließlich hat Toms Bruder eine Idee: Er will den kleinen Bruder, als Begleitperson für Maschinenbauteile seiner Firma auf ein Containerschiff schicken, das über den Atlantik nach Mexiko fährt. Dabei soll Thomas wieder zu sich selbst finden und dann für einen Neuanfang gerüstet sein. Was macht nun Thomas E.?

 

Nach einiger Überlegung schifft er sich ein und trifft an Bord auf interessante Leute. Tina, eine junge Frau, ein liebenswertes pensioniertes Ehepaar, zwei Kollegen seines Bruders, die die Bauteile während der mehrwöchigen Reise überprüfen sollen und auf die Mannschaft der Atlanticwave. Als jemand versucht, den Container mit den Bauteilen, der im Bauch der Atlanticwave gelagert wird, aufzubrechen, wird die Reise mühsam und letztendlich sogar stürmisch und lebensgefährlich für Thomas und Tina.

 

Autor Christian Biesenbach erfreute mich mit gepflegtem Schreibstil und sorgte so für kurzweiliges Lesevergnügen. Schritt für Schritt begleitete ich bei der Lektüre Thomas E., sah seinen Tränenfluss versiegen, sah ihn neuen Lebensmut gewinnen und durfte neben ihm auf einem Containerschiff (sehr interessant beschrieben) den Atlantik überqueren. Übrigens: Wer so etwas einmal vorhaben sollte, dem kann ich die Lektüre nur wärmsten empfehlen.

 

 

Dieses Buch zeigt sehr gut, dass Lesestoff für 0,99 Euro großes Lesevergnügen bieten kann.