Das Irrenhaus

von Michael Krüger

Langeweile in einem Irrenhaus?

 

Kann man sich zur Langeweile entschließen? Ein Leergelassensein von Welt, wollte der Protagonist in Michael Krügers faszinierenden Roman erreichen.

 

Diese Hauptperson in Krügers Roman erbt ein Haus in bester Lage in München. Der Mann, Archivar bei einer Zeitung und nicht mehr zufrieden mit seiner Tätigkeit, zieht in eine leer stehende Wohnung seines neuen Hauses, die zuvor von einem Schriftsteller bewohnt worden war und will sich fortan der Leere widmen. Das Leben war ihm zu nahe gekommen, hatte ihn bedrängt und so entschloss er sich, in seiner neuen Wohnung dem Nichtstun zu widmen. Was so aber nicht ganz stimmt, da er sich zunehmend mit den Mietern des Hauses, die er aber nicht wissen lässt, dass er der Hausherr ist, auseinandersetzen muss und beginnt sich in den Vormieter seiner Wohnung, den Dichter Georg Faust, hineinzuversetzen. Er stülpt sich quasi dessen Leben über und wird dabei mit einer abgefahrenen Familie und einer hochgradig verrückten Geliebten konfrontiert.

 

Sehr feinsinnig und hochgradig wortgewandt, zum Teil auch berückend komisch, beschreibt Michael Krüger die Verwandlung seines Protagonisten und dessen Versuch, aus der Routine seines Lebens auszubrechen. Dabei ist der Mann anfangs etwas schwermütig, gilt es doch ein Leergelassensein von der Welt zu erreichen. Doch mit jeder Partei, die er in seinem „IRRENHAUS“ näher kennenlernt, vermischt sich sein Leben, mit dem des Anderen. Er beobachtet und denkt, schweigt und spricht, und schließt Freundschaften mit einem Sizilianer, der ein Restaurant und einem Türken, der einen Obststand betreibt. Von Letzterem stammt auch der bedeutungsvolle Satz in diesem Buch: „Du musst lernen, aufzugeben, sonst wird dir der Rest deines Lebens zur Last.“ Diese Lebensweisheit hat nicht nur den Archivar, sondern auch mich schwer beeindruckt.

 

DAS IRRENHAUS von Michael Krüger ist wie ein Einwegspiegel, durch den man unerkannt blicken und ein paar skurrile Menschen beobachten kann, wie sie versuchen, ihre Leben so gut als möglich zu leben.

 

 

Ob das gelingt und ob der Archivar sein Leergelassensein von der Welt erreicht, lesen Sie am besten selbst. Ich fand dieses Buch tiefsinnig, zum Teil auch humorig, auf jeden Fall wortgewandt, und somit lesenswert.