DEN LETZTEN BEISSEN DIE SCHWEINE

von Jacqueline Gillespie

Ein neuer Fall für die Miss Marple vom Schneeberg

 

Stadt, Land, Fluss, haben wir als Kinder oft gespielt und die Zeit verging dabei immer wie im Flug. Viel zu schnell verging auch die Zeit, die ich mit Jacqueline Gillespies Schneeberg Krimi verbringen durfte, der in mir, dank Frau Apollonia, auch Erinnerungen an Kinder- und Jugendtage zur Vorweihnachtszeit wachrief.

 

Großartig fand ich, wie die Autorin die Erzählstimme wechselt, wie Sie Szenen in meinen Kopf malte und so ein komplexes Bild der Umgebung erstellte. Egal ob Sie mit der Stimme der Städter, des Adels oder des einfachen Landmannes spricht, Gillespie ist dabei absolut glaubwürdig. Manchmal habe ich bei Ihren Schilderungen aufgeblickt und aus dem Fenster geschaut, die gelben Blätter der Haselnussbüsche bewundert und mich gefragt, wann es heuer wohl das erste Mal schneien wird.

 

Der Mord an einem geizigen Jagdpächter ist die Ausgangslage, der das Bemühen des Ermittler-Triumvirats Sander, Müller und Singer, diese unschöne Tat aufzuklären, folgt. Doch dieser Krimi von Jacqueline Gillespie ist irgendwie anders, nicht so blutrünstig, weniger technisch, dafür mit viel Herz und Verstand. Die zwischenmenschlichen Töne der Protagonisten, seien es Liebe, ihre Neugierde im Beruf, die Hoffnungen in verfahrenen Beziehungen die Kurve zu kriegen oder die Lasten des Älterwerdens mit Gelassenheit zu sehen, waren es, die mich als Leser bis zum Ende gefangen hielten.

 

Die Schneeberger Miss Marple vulgo Frau Apollonia, die ich schon in „Schindeln am Dach“ kennenlernen durfte, strahlte wieder ihre Ruhe, Güte, Herzlichkeit und Wärme aus, dass ich in vielen ihrer Lebensweisheiten die Stimmen meiner Großmütter hörte.

 

„Es ist, wie es ist. Im Leben, da braucht man nur genau hinschauen und nicht ums Eck denken“, ist einer dieser wohlgemeinten Ratschläge. Und seien wir uns ehrlich, wer macht das heutzutage?

 

Dass Apollonia dem Ermittlertrio den entscheidenden Tipp zur Lösung des Falles gibt, während sie Sektionschef Sander, Kriminalinspektor Müller und Revierinspektor Singer in ihrer Küche mit köstlichem Schweinebraten bewirtet, ist ein weiterer Bonuspunkt für diese außergewöhnliche „Krimi-Oma“ aus Neiselbach.

 

„Zwei Tote haben wir gehabt im Tal und nur einen zu Grabe getragen. Da kann man sagen, was man will, ohne Begräbnis heißt das Sterben nichts“, ist die abschließende Lebensweisheit der rüstigen Apollonia, die einem zu denken geben soll.

 

Für alle, die einen Krimi mit Herz und Tiefgang suchen, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.