Der König der Schweine

von Manfred Rebhandl

Ein Ermittlerduo wie Hund und Katz

 

Leicht hat sie es ja nicht, die Kitty Muhr, ich mein so als einzige Frau auf der Dienststelle. Noch dazu wo sie figürlich nicht ganz dem 90-60-90 Denken ihrer männlichen Kollegen entspricht. Auch ihr Chef lässt sie das bei fast jedem Vieraugengespräch mit anzüglichen Witzen deutlich spüren. Doch Kitty Muhr, in jahrelangen kollegialen Grabenkämpfen abgehärtet, lässt sich davon nicht unterkriegen und ihr loses Mundwerk ist ständig im Angriffsmodus. Außerdem kann sie Judo, nicht Yoga.

 

Dennoch verbringt sie nach Dienst oft ihre Abende in der Bingobongo Bar mit ihrer besten Freundin Susi, gibt sich dem Alkohol- und Zigarettenkonsum hin und träumt davon, dass es ihr der Barmann Johnny mal so richtig besorgen würde. Doch der poliert lieber akribisch seine Gläser.

 

Ihr sehnlichster Wunsch: Ein Mordfall, der ihr zur Bearbeitung zugeteilt wird, den sie dann bravourös in Rekordzeit löst. Damit würde sie den Eierträgern im Revier mal so richtig zeigen, was in ihr steckt. Denn neben ihrem manchmal trostspendenden Ghetto-Boy steckt so einiges in Kitty, das aber dringend raus muss. Man könnte vielleicht sagen: sie ist beziehungstechnisch ein wenig unaufgeräumt.

 

Als dann nacheinander drei junge Afrikaner auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, schlägt die Stunde der Kitty Muhr. Sie wird überraschend befördert, ihr wird dieser Fall zugeteilt, sie bekommt ein eigenes Büro, das sie sich allerdings ... mit einem Zwerg teilen muss. Kitty fällt aus allen Wolken, als in ihrem Büro ein kleinwüchsiger Türke namens Ali Khan Kurtalan sitzt (der eigentlich Kurde ist) und ihr als neuer Partner vorgestellt wird.

 

Und jetzt geht es so richtig los. Autor Manfred Rebhandl lässt zwei unterschiedliche Kulturkreise aufeinander los und sie zudem in einem Asylwerberfall ermitteln. Eine derzeit hochbrisante Angelegenheit, in der er die Protagonistin aber mit brachialem Wortwitz und mitunter vulgärem Wortschatz brilliert.

 

»Der König der Schweine ist der Auftakt zu einer brandneuen Krimireihe rund um die sympathisch grob gestrickte Ermittlerin Kitty Muhr«, steht auf der Buchrückseite. Das kann ich nur unterschreiben.

 

Doch gerade diese liebenswürdige Grobheit, der tief im Innersten doch auch verletzlichen Kitty Muhr, machte für mich diesen Krimi zu einem Besonderen. Die zu Anfang so aggressive Stimmung gegen IHREN Ali wechselt schließlich und Kitty versucht am Ende sogar seine (auch körperliche) Zuneigung zu gewinnen. Kitty Muhr im Wandel des Falles könnte man meinen. Dazwischen gibt es zahlreiche wortwitzige Scharmützel mit Verdächtigen, mit ihrer Mutter, mit ihrer Schwester, mit ihrem Vorgesetzten und natürlich mit Ali Khan Kurtalan. Und so sehr Kitty Muhr auch die schnelle Aufklärung des Falles versucht, irgendwie kommt ihr doch immer die Suche nach einem erfüllenden, sie ganz ausfüllenden und megapotenten Bettgenossen dazwischen. Was nicht immer so einfach ist, wenn man nicht die Maße 90-60-90 hat.

 

 

Manfred Rebhandl ist meiner Meinung nach ein toller Auftaktkrimi für sein neues Ermittlerduo gelungen und ich hoffe, bald mehr von Kitty Muhr und IHREM Ali lesen zu dürfen. Die Kombination Asylwerber Thematik und die zwei so gegensätzlichen Ermittler, die im Wiener Vorstadtweiber-Milieu recherchieren, um ihren Fall zu lösen, kommen humorvoll, leicht lesbar und gut verständlich beim Leser an.