DER LETZTE ROCK HAT KEINE TASCHEN

von Wilhelm Kuehs

Das Geld anderer Leute

 

Kärnten, glasklare Seen, Trachtenvereine und Sangesrunden, herzhafte Schmankerln und die steinreiche Wörthersee Schickeria. Über dieses sonnige Land wacht allzeit der Klagenfurter Lindwurm – so denken viele. Der scheint aber zu schlafen, denn sonst würde er längst Feuer speien und manch korrupten Politiker zu Asche verbrannt haben.

 

Vielleicht ist er ja nach der Lektüre von Wilhelm Kuehs Buch „Der letzte Rock hat keine Taschen“ aufgewacht, denn Kuehs Protagonist, der Journalist Ernesto Valenti, offenbart im Zuge seiner Recherchen zu einem Unfall mit Todesfolge in Hüttenberg, wie gierig manche Herrschaften im sonnigen Kärnten das Geld braver Steuerzahler in ihre Taschen wirtschaften.

 

Mit dem Tod eines tibetischen Mönchs in Hüttenberg, wo Valenti von Anfang an überzeugt ist, dass es ein Mord war, beginnt die Neugier des Journalisten zu wachsen und er stößt peu à peu auf dubiose Kärntner Machenschaften. Dank seines investigativen Journalismus wird Valenti schnell klar, dass es in diesem Fall eine Vielzahl an Tatverdächtigen gibt. Da wäre ein Deutscher, der als Biobauer nach Hüttenberg emigriert ist, ein russischer Oligarch und Bordellbesitzer und nicht zuletzt die Pfarrersköchin, die dem toten Mönch als „Karma Mudra“ diente.

 

Valenti deckt auf, dass der tibetanische Buddhismus auch nicht das Gelbe vom Ei ist und diese Religionsform seit jeher von den Lamas diktiert wurde, worunter so mancher Tibeter zu leiden hatte. Wie in allen Weltreligionen gibt es auch im Buddhismus Gut und Böse. Als Valenti schließlich einem dubiosen Firmengeflecht auf die Spur kommt, das der Veruntreuung von zig Millionen an Investitionsgeldern, gedacht für das Tibetische Zentrum in Hüttenberg, dienen soll, wird der Widerstand der regionalen Politiker und vor allem der Ton des Landeshauptmann-Pressesprechers plötzlich rauer. Valenti weiß nun, er ist auf der richtigen Spur, die Wespen schwärmen aus.

 

Ein mordsmäßig interessanter Krimi, den Wilhelm Kuehs geschrieben hat. Nicht nur, dass man ein wenig über den tibetischen Buddhismus erfährt, stößt der Autor seine spitze Feder auch tief ins darbende Fleisch seines insolvenzbedrohten Bundeslandes. Man könnte sagen, aufgrund der Aktualität der Kärntner Finanzlage, dass Kuehs mit seinem Roman eine Punktlandung hingelegt hat.

 

Chapeau, Herr Kuehs, ein mutiges und sehr unterhaltsames Buch.