Der Metzger holt den Teufel

von Thomas Raab

Wer wird denn weinen?


In den letzten fünf Jahren habe ich etwa zweihundert Bücher gelesen, aber geweint hatte ich bis dato bei keinem.


Relativ untypisch kaufte ich mir von Thomas Raab seinen damals letzten und aktuellsten Metzger Krimi – Der Metzger bricht das Eis. Ich war sofort begeistert und ein paar Tage später befanden sich die restlichen vier Bände in meinem Besitz. Ein Buch nach dem anderen wurde gelesen und wie Raupen, die sich in Schmetterlinge verwandeln, war es auch den Protagonisten von Thomas Raab bestimmt, sich in einer Metamorphose in meinem Hirn zu wunderbaren Faltern zu entwickeln. Ich wurde praktisch Teil dieser Familie und mein Herz klopfte jedes Mal schneller, wenn einer von ihnen sich in Gefahr begab. Das in der literarischen Welt, so wie im wahren Leben, nicht immer alles so ausgeht wie man es sich wünscht, brauche ich hier nicht gesondert zu beschreiben. Und im Buch – Der Metzger holt den Teufel – wurde diese Tatsache von Thomas Raab so umgesetzt, dass es mir am Ende die Tränen in die Augen getrieben hat. Verdammt, ein Mann der weint, der ist doch kein Mann. Oder gerade deswegen?


Was mich an der Schreibweise von Thomas Raab so fasziniert, es gibt keine langwierigen Ortsbeschreibungen, keine Straßennamen (die sich ohnedies keiner merken kann), keine ausführlichen Wetterdarstellungen, nur kurze und prägnante Erläuterungen zu Schauplätzen, so als würde man mit einem Freund an einer schönen Windmühle vorbeifahren und eine Momentaufnahme machen, während man sich über Erlebnisse aus der Kindheit unterhält. Eine schöne Windmühle braucht nicht vieler Wort, sie brennt sich ins Gedächtnis, so wie der Willibald Adrian Metzger, seine Danjela, die Sophie, Irene, Eduard und Trixi und …, noch viele weitere Charaktere, die Thomas Raab hoffentlich noch zum Leben erwecken wird.