Die Einsamkeit des Bösen

von Herbert Dutzler

Unverhoffter Geldsegen ist nur schwer zu verkraften.

 

Sehr gespannt war ich auf den neuen Dutzler Krimi. Und wie ich den Vorankündigungen entnehmen konnte, soll er nichts mit dem liebenswert schrulligen Altausseer Polizisten seiner letzten Krimis zu tun haben. Das stimmt!

 

Als ich das Buch dann in Händen hielt, dachte ich: „Da schau her, schaut ganz anders aus, wie gemeinhin Bücher ausschauen. Von außen eher wie eine Schachtel Pralinen, mit diesen lila Seiten. Interessant, gar nicht böse, wie einem der Titel suggerieren will.“ Und genau so liest es sich auch, am Anfang.

 

In zwei unabhängig voneinander agierenden Handlungssträngen erzählt der Autor das Leben der blitzgescheiten Alexandra Heidegger. In einem beleuchtet er ihre Kindheit, wie sie in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, mit einer Mutter die oft überfordert ist, mit zwei Brüdern und mit einem Vater der gern mal einen trinkt und der ihr, als sie schon etwas reifer ist, an die Wäsche will und dafür bestraft wird.

 

Im anderen schildert Dutzler das Leben der Lektorin Alexandra, verheiratet mit dem Architekten Anton, Mutter von Max und Annika, eine Frau die mit beiden Beinen im Leben steht und von allen geschätzt und geliebt wird, man könnte glauben, eine Vorzeigeehefrau.

 

Und dann passiert das Unfassbare. Anton gewinnt bei Euromillionenlotto eine unglaubliche Summe. Wer schon mal mit dem Gedanken eines Millionengewinns geliebäugelt hat (und wer hat das nicht), der sollte unbedingt dieses Buch lesen. Mit dieser Lektüre bekommt man einen äußerst realistischen Einblick, wie eine intakte Familie vom Gewinn zersetzt wird, bis nur mehr Lug, Trug und Schmerz übrigbleibt. Mit dem Reichtum verändern sich Anton und die Kinder, bis Alexandra, die das Geld nicht will und es am liebsten verschenken würde, sich nicht mehr zu helfen weiß. Streitereien und die Last den Gewinn zu verheimlichen macht ihr schwer zu schaffen. Zudem hegt sie den Verdacht, dass Anton sich auf eine Liaison mit einer Kundin eingelassen hat.

 

Und bald legt sich anstelle einer sorgenfreien Zukunft, der Hauch des Todes über das Heim der Familie Heidegger.

 

Herbert Dutzler hat mit diesem Buch völlig neue Seiten von sich gezeigt. Minutiös getimt, steigert er das Tempo seiner Erzählung und zeigt seinen Lesern wie schwer das Leben für einen Neureichen, der mit einer sparsamen Frau, die mit Geheimnissen aus der Jugendzeit kämpft, verheiratet ist, werden kann. Dabei lässt er uns in die dunkle Seele einer liebevollen Mutter blicken, die, wenn es sein muss, für ihren Seelenfrieden auch mal über Leichen geht. Und je weiter man durch die anfangs so harmlos scheinenden lila Seiten blättert, umso intensiver wird diese spannende Geschichte. Die Darstellung der Charaktere, ihre Veränderung, die Wortwahl, die Dialoge, einfach toll. Man lebt und fühlt mit, spürt förmlich die Belastung der Protagonisten.

 

Die Einsamkeit des Bösen ist ein großartiges Buch, bei dem ich anfangs dachte, es könnte auch ein Sachbuch sein. Eines das den Gedanken des Neureichen nährt: Was kann ich alles falsch machen, mit einem Millionengewinn!