Die Prinzessin von Arborio

von Bettina Balàka

Psychogramm einer Schwarzen Witwe

 

Die schwarzen Zeichen auf weißem Zellstoff formten sich zu fremden Welten, die dann wieder in sich zusammenstürzten.

 

Diese Zeile von Autorin Bettina Balàka beschreibt anschaulich, was ich am Ende ihres großartigen Romans empfand. Ich war verwirrt und fasziniert zugleich, hatte bis dato nichts Vergleichbares gelesen und wünschte mir, dass sich nochmal 262 Seiten an die bisherigen anfügen.

 

Sehr plastisch hatten sich im Laufe der Geschichte die beiden Hauptprotagonisten Elisabetta Zorzi und Arnold Körber aus dem Buch erhoben, mit all ihren Vorzügen und Fehlern. Auf Seite 262 kannte ich die dreifache Mörderin Zorzi beinahe so gut wie der Kriminalpsychologe Körber. Und genau wie er, war ich ihrem Charme erlegen und dachte, vielleicht hat sie doch sehr unter ihren drei Männern gelitten und sie mussten deshalb …, na ja, jetzt mal nicht übertreiben.

 

Silbe für Silbe, Zeile für Zeile nimmt einen Bettina Balàka mit ihrer Prinzessin von Arborio mit auf eine hochinteressante Ermittlungsreise, bei der man die hübsche, männermordende, Restaurantbesitzerin Zorzi und ein gut eingespieltes Ermittlerteam kennenlernt. Und man lernt sie sehr detailliert kennen, ihre familiären Hintergründe, ihre Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Motive und leidet mit bei ihrer substanzfordernden Suche nach dem Wie und Warum und dem verdunkeln selbiger Fragen.

 

Denn Zorzi ist Profi, wenn es darum geht, den Verhörtechniken der ermittelnden Beamten zu widerstehen und ihnen die eigene Wahrheit zu präsentieren. Jedes noch so erdrückende Indiz vermag sie abzuschwächen und teilweise zu ihren Gunsten umzudrehen. Fast schafft sie es, sich aus der Umklammerung von Körber und Co zu winden, als schließlich die Geliebte eines ihrer Verflossenen mit einer DNA-Probe die Mauer ihrer Unschuld zum Einsturz und die Prinzessin von Arborio hinter Gitter bringt.

 

Im Frauengefängnis Weißenach lebt sich Zorzi rasch ein. Trotz lebenslänglicher Haftstrafe verfällt sie nicht in eine Depression, benimmt sich mustergültig und es gelingt ihr sogar, mit dem Kriminalpsychologen Körber eine intime Liaison zu beginnen. Als Leser fragt man sich, ob Körber der nächste auf Zorzis Liste ist. Immerhin hat er sie ja, nach dem fragwürdigen Unfalltod ihres letzten Mannes, in die Untersuchungshaft gebracht. Die Geschichte nimmt jedoch eine dramatische Wendung und … wird nicht verraten.

 

Ich bin noch immer begeistert, wie die Autorin mit scharfer Beobachtungsgabe eine Brücke zwischen Verbrechen und Gesetz spannt. Der Roman ist ausgezeichnet recherchiert und man bekommt als Außenstehender einen spannenden Einblick, wie mühsam es für einen Ermittler sein muss, aus Indizien eine belastende Anklage zu formulieren. Interessant fand ich auch, wie die Autorin hinter die Mauern eines Frauengefängnisses blickt und die dortigen Abläufe und Möglichkeiten für die Insassinnen erzählt. Besser nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, die Möglichkeiten in Freiheit sind ungleich vielfältiger und bunter.

 

 

Bettina Balàka ist mit ihrer Prinzessin von Arboria, meiner Meinung nach, ein außergewöhnliches und absolut lesenswertes Buch gelungen.