Letzter Applaus

von Herbert Dutzler

Trachtenblasphemie im Ausseerland

 

Oder wie sonst sollte man es nennen, wenn der Gasperlmaier zu einer Demonstration wegen der Neueröffnung vom „Trachtenparadies“ gerufen wird. Einem Lederhosen- und Dirndl-Ramschladen, der das Ausseerland, quasi das Mutterland der handwerklich hochstehenden Trachtenproduktion, mit Billigtrachten aus Pakistan überschwemmen will. Das wäre ja so, als ob man den Stephansdom oder den Kölner Dom zu einer Moschee umbauen würde.

 

Sakrament! Und der ganze Wirbel während des Narzissenfestes, das in aller Welt bekannt ist und jedes Jahr Zigtausende Besucher anlockt.

 

Die Demo bekommen sie schnell in den Griff, der Gasperlmaier und seine junge, sehr engagierte Kollegin Manuela. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, die Narzissenkönigin stürzt vom Balkon, der Verdacht auf Mord erhärtet sich bald. Gasperlmaiers Tochter Katharina folgt der toten Königin auf den Thron, was Papa Gasperlmaier und Mutter Christine einerseits mit Stolz erfüllt, anderseits aber auch für Unbehagen sorgt, denn irgendwie wird bald ein Zusammenhang mit dem Trachtenparadies klar.

 

Bei den folgenden Taten sind die Todesursachen schon augenscheinlicher. Doch dem aufgeregten Gasperlmaier und Kollegin wird von Oberst Resch untersagt, in den Mordfällen zu ermitteln. Zum Leidwesen Gasperlmaiers ist sein ehemaliger Postenkommandant in Pension, zudem war der ein Aktivist bei der Trachtenparadies-Demo, Frau Doktor Kohlross ist gerade in Karenz und Gasperlmaier und Manuela müssen sich mit diesem präpotenten Oberst Resch herumschlagen.

 

Aber wer im Ausseerland ermitteln will, der braucht auch die Unterstützung der Bevölkerung, die ganz klar auf Gasperlmaiers Seite steht, so wie in weitere Folge auch wieder der pensionierte Postenkommandant und die karenzierte Frau Doktor samt Baby Sophie – das natürlich nur in Gasperlmaiers Haus logiert. Es beginnt ein spannender Ermittlungswirbel rund um diese Textilmafia, wie die Damen und Herren vom „Trachtenparadies“ liebevoll von den Ausseern genannt werden. Als letztlich die Katharina entführt wird, reist dem sonst gutmütige Gasperlmaier der Geduldsfaden und eine aufreibende Verfolgungsjagd in der Dunkelheit der Blaa-Alm ringt Franz Gasperlmaier physisch und psychisch alles ab.

 

Gewohnt liebenswürdig und familiär, zum Ende als hektisch agierender Familienvater, agiert Herbert Dutzlers Gasperlmaier wieder Mal in einem hervorragenden Altaussee-Krimi. Dutzler präsentiert dem Leser diesmal auch einige Informationen zum Narzissenfest, die nur die wenigsten Besucher kennen dürften. Wie viel Arbeit bei diesem Fest dahintersteckt, sowohl in der Vorbereitung als auch in der Organisation und Durchführung. Und auch die Herstellung dieser Billigtrachten wird hinterfragt – nicht nur von Gasperlmaier und den Bewohnern des Ausseerland.

 

Wer den Gasperlmaier kennengelernt hat, muss alle Abenteuer dieses leutseligen Altausseer Polizisten lesen, oder wie ich, schon gelesen haben. Immer wieder ein spannendes Lesevergnügen. Danke, Herr Dutzler.