MÖRDERKÜSTE

von Eva Gründel

Ein geheimnisvolles Madonnenbild und ein Mord

 

Elena Martells Reisegruppe besichtigt gerade die griechische Tempelanlage von Selinunte, als die Reiseleiterin bei ihrem Rückmarsch zum Ausgang über die Leiche eines Gruppenmitglieds stolpert. Sie fragt sich sofort, wie später noch viele andere aus der Gruppe, wer Sigismund Eck ums Eck gebracht hat. Oder ist der schwere Stein etwa zufällig auf das kahle Haupt des streitsüchtigen und immer rechthaberischen Oberstudienrats gefallen. Das macht die weitere Reise bestimmt nicht einfach, sinniert Elena, obwohl die Witwe Eck den Verlust sehr gefasst aufnimmt. Am Abend entdeckt Elena Martell dann noch ein geheimnisvolles Ölgemälde im Hotel in Selinunte, das ihr auf Anhieb bekannt vorkommt. Dasselbe Portrait, einer unbekannten jungen Frau, hat sie schon im Palazzo ihrer Freunde, Conte Gabriele und Amalia Villadicani, zwischen weiteren Gemälden hängen sehn. Sie nimmt es von der Wand und hängt kurzerhand ein anderes Bild auf seinen Platz, das sie auf dem Markt für zehn Euro gekauft hat.

 

Und schon beginnt eine aufregende Reise durch Sizilien. Ist es anfangs die Suche nach dem Mörder von Sigismund Eck, gewinnt bei Elena immer mehr die Recherche nach der Identität der schönen Unbekannten auf dem Gemälde die Oberhand. Im Zuge der Ermittlungen lernt Elena Martell dabei den schneidigen Sizilianer Commisario Giorgio Valentino kennen und lieben. Um aber eine fachkundige Expertise für das Gemälde zu erhalten, müssen Elena und Amalia nach Wien fliegen, wo Martell der integre Kunstexperten Norbert Cordes zur Seite steht, den sie noch aus ihrer Wiener Jugendzeit kennt. Cordes brennt darauf, die geheimnisvollen Gemälde genauestens zu untersuchen, denn die beiden Frauen haben sowohl das Original aus dem Palazzo Villadicani, als auch die vermeintliche Kopie aus dem Hotel in Selinunte im Handgebäck. Wird sie die Erkenntnis über das Bild auch zum Mörder von Sigismund Eck führen?

 

Eva Gründels „Mörderküste“ ist ein leicht lesbarer, spannender und unterhaltsamer Krimi, der einen mitnimmt auf eine bildhaft beschriebene Reise durch das sonnige Sizilien. Man riecht, fühlt, sieht und schmeckt förmlich das Land, hört das südländische Flair in und vor den Trattorias und spürt die Hitze der Mittagssonne auf den Dächern und Terrassen der Häuser. Man spürt auch, dass die Autorin heute auf Sizilien lebt. Sie versteht es nämlich hervorragend, den Spannungsbogen ihrer Geschichte mit den landestypischen und geschichtlichen Details von Sizilien zu verknüpfen, ohne das beim Lesen Langeweile aufkommt. Ich selber bin ja für bildende Kunst nicht empfänglich, aber die Fragen, wer diese schöne Unbekannte auf dem Gemälde ist, wer es gemalt hat und ob es viel Wert ist, haben mich schon bald gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Irgendwann habe ich mich sogar ertappt, dass mich diese Rätsel um das Gemälde mehr interessierten, als die Lösung des Mordfalls.

 

Wer etwas über Sizilien, seine schönsten Ecken und Bewohner erfahren möchte, wer wissen möchte, wer die schöne Unbekannte auf dem geheimnisvollen Gemälde ist und ob das Bild auch wertvoll ist, und wer letztendlich erfahren möchte, wer den Eck ums Eck gebracht hat, für den ist Eva Gründels Krimi „Mörderhitze“ die richtige Lektüre.

 

 

Ich würde sagen: „Ein sehr gelungener erster Fall für Elena Martell - mit Mehrwert. Wer ihn gelesen hat, kann das Buch als Reiseführer oder Nachschlagewerk für seinen Sizilien Besuch verwenden.“