Mord heilt alle Wunden

von Peter Wehle

Ein Wien-Krimi mit Rätselspannung

 

Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich: „Ein Krimischauplatz in einem Wiener Kunstmuseum? Ein Nachtwächter, der von einem Bild angesprochen und traktiert wird?“ Als Kunstbanause fragte ich mich noch vor den ersten Zeilen: „Was soll da spannend sein?“

 

Doch ich hatte schon einen Krimi von Peter Wehle "Teufelskoller" gelesen, und jede Zeile war des Lesens wert gewesen. Also legte ich meine Beine hoch und machte einen Ausflug nach Wien, schloss mich dort dem Ermittlerteam des berühmten (das hört er gar nicht gern) Hofrat Magister Ludwig Halb an und kriminalisierte gedanklich mit.

 

Und der Autor enttäuschte mich nicht. Es wurde eine Schnitzeljagd, frei nach Sherlock Holmes, die Hofrat Halb, wenn auch um seiner Kollegin Verena Planner und ihrem Opa einen Gefallen zu tun, auf sich nimmt. Und das anfangs im Geheimen, weil sein direkter Vorgesetzter im Bundeskriminalamt, seines Zeichens auch Hofrat, der auf den Namen Ernst Straka hört, natürlich nichts davon halten würde, wenn seine Abteilung zu okkulten Geisterjägern mutiert, nur um einem sprechenden Bild, das Museumswärter Kandler, einen Freund von Verenas Opa, jede Nacht in Angst und Schrecken versetzt, sein Geheimnis zu entlocken.

 

Großartig, wie Peter Wehle seine Protagonisten zu einem Team zusammengestellt, ihre Eigenheiten herausgearbeitet hat und sie mit gepflegtem Wiener Charme agieren lässt. Die Teamsitzungen, man könnte sie auch Rätselraten oder Puzzleteilsammeln nennen, sind wahrlich ein Lesegenuss. Auch die nicht ausbleibenden verbalen Scharmützel der beiden Hofräte verfolgte ich amüsiert in meiner Leseecke.

 

Als dann der ermittelnde Hofrat Halb ins Visier eines Taxifahrers gerät und nur knapp dem Sensenmann von der Motorhaube springt, nimmt der Krimi so richtig Fahrt auf, wenn man das so sagen will. Die Medien stürzen sich auf den Geisterjäger Halb, der Hofrat Straka sieht sein Image zerstört und noch immer gibt es keine greifbaren Anhaltspunkte, warum „Die Flucht des Orest“ und die auf diesem Bild befindlichen Rachegöttinnen, die Erinnyen, den armen Museumswärter Kandler in den Wahnsinn treiben wollen. Irgendwie denkt Hofrat Halb, dass der Schlüssel im Sparverein liegen muss. Auch wenn das kein Sparverein im wörtlichen Sinn, sondern mehr ein Männerverein mit Hang zum gemütlichen Beisammensein ist. Plötzlich passieren die ersten Unglücksfälle und Mitglieder aus dem Sparverein kommen ums Leben. Ob es sich dabei um Mord handelt, müssen Hofrat Halb und sein Team klären, wobei der Hofrat und sein Teamkücken Verena dabei selbst in höchste Gefahr geraten.

 

Mein Fazit: Mord heilt alle Wunden ist ein weiterer grandioser Peter Wehle Krimi, der es wert ist, bis zur letzten Zeile gelesen zu werden. Und auch der Titel ist stimmig!

Mehr als: „Bis zum Heiraten wird alles wieder gut.“