Mord unterm Hirschgeweih

von Peter Natter

Wenn´s Büchserl kracht im Ländle ...

 

Wortreich zeichnet Autor Peter Natter ein ungünstiges Bild von der Art und Weise, wie im Tal der Vonderleus mit Konflikten umgegangen wird. Dabei scheint die Enge des Voralberger Brunnenthals dem Horziont seiner Bewohner nicht sonderlich zu bekommen. Mit Klauen und Zähnen verteidigt jeder den eigenen Standpunkt, was es Chefinspektor Isidor Ibele nicht leichter macht, den Mörder des Bauern, Jägers und Sammerls Adolf Gottlieb Vonderleu aus seinem Versteck zu locken.

 

Die Brunnenthaler TBC-Fälle und deren zwar umfassende, aber wenig sachkundige Bekämpfung, der Denkmalstreit in Silberberg und der Appenzeller Großbauer Andermatt bieten jede Menge Zündstoff in Ibeles Mordermittlungen. Aber wie hängen sie zusammen? Ibele schweift in seinen gedanklichen Mordstheorien bald grenzübergreifend auch in die Schweiz ab, denn irgendwie scheint der Ermordete Bauer Vonderleu, bei dem in der Hosentasche 25.000 Euro gefunden werden, geschäftlich mit dem Großbauern Andermatt verbunden gewesen zu sein.

 

Mitten in den Ermittlungen kracht erneut ein Schuss auf der Alm und dem pensionierten Banker Besenböck fehlt plötzlich das Gesicht. Was hatte der Besenböck mit dem Vonderleu zu tun, und wer hat einen dermaßen Hass auf die beiden, dass er dem einen von hinten zwischen die Schulterblätter und dem anderen das Gesicht wegschießt?

 

„Ah da schau her“, murmle ich auf Seite 138 und ein spitzbübisch wissendes Lächeln legt sich auf meine Lippen. Doch Pustekuchen, noch ist die Mörderhatz von Ibele und seinem Kollegen Baldreich nicht zu Ende. Die Pfarrersköchin weiß einiges und hält damit nicht hinter dem Berg, auch der alte Lehrer Loretz sammelt penibel Zeitungsausschnitte aus längst vergangenen Tagen, die Licht in das Gedankendunkel von Ibele bringen sollen.

 

„Neid, Missgunst und Gehässigkeit sind ein Fass ohne Boden, ein Fluss ohne Ufer. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn hinter den beiden jüngsten Morden nicht ein und derselbe Täter steht“, erzählt Lehrer Loretz dem verdutzten Chefinspektor, dem sich gegen Ende des Falles ein Vorarlberger Sodom und Gomorra  an Kleinbürgerlichkeit und entsagter Nächstenliebe präsentiert.

 

Liegt er richtig, der Lehrer Loretz?

 

Ich wüsste es, aber ich verrat´s nicht, denn dann würde ich Ihnen ja die Spannung für einen mit viel trockenem Humor und Wortwitz gewürzten Krimi vermiesen. Und das wäre schade, denn „Mord unterm Hirschgeweih“ ist ein famos geschriebener Krimi – absolut lesenswert.