Mordkapelle

von Carla Berling

Spannend, rätselhaft und famos geschrieben.

 

Mordkapelle aus der Feder von Carla Berling lässt einen nicht mehr los. Von der ersten bis zur letzten Zeile identifiziert man sich mit der tragenden Figur dieses Krimis, mit der Tag 7 Journalistin Ira Wittekind, und wird wie sie, von allerhand Fragen geplagt.

 

Bizarre Tötungsarten hatte die Autorin schon in vorangegangenen Krimis. Auch diesmal zieht sie ihre Leser mittels eines gruseligen Dahinscheidens des Opfers blitzschnell in die Geschichte hinein. Danach spannt Carla Berling aber ein subtiles, engmaschiges Netz aus Fragen, das die Neugierde der Leser zwangsläufig anfacht und einen nicht mehr loslässt. Und Kriminalfall lösen beginnt diesmal mit der scheinbar simplen Frage: Wer hat, den von seinen Mitarbeitern und Kunden geschätzten und verehrten Apotheker, Ludwig Hahnwald auf dem Gewissen?

 

Und dieser alles entscheidenden Frage geht auch Ira Wittekind vom Auffinden der Leiche bis zur Lösung mit Akribie nach. Dazu befragt sie in erster Linie die Familie des „schönen Ludwig“, wie der verstorbene Apotheker zu Lebzeiten genannt wurde. Und es sind viele Fragen, die Ira Wittekind und ihrem Freundeskreis Kopfzerbrechen bereiten. Unter anderem auch jene: Wie kommt ein knapp 80-jähriger, mit Beckenbruch, der im Rollstuhl sitzt, in diese Kapelle auf den Friedhof?

 

Mit zunehmender Fortdauer der Recherchen rücken immer mehr Verdächtige in den Fokus des Lesers. Doch nicht nur der macht sich Gedanken, wer den der oder die Täter sein könnten. Auch das „Mordsgesindel“ wittert bald, dass von der neugierigen Journalistin, ihrem Freund Andy ihrer besten Freundin Coco, einer umtriebigen Taxifahrerin, Gefahr droht. Denn Ira und ihr „Team“ finden immer mehr rätselhafte und kriminelle Begebenheiten, in dem scheinbar so makellosen Leben des toten Apothekers. Ein unbekannter Blogger heizt zudem die Stimmung an, indem er bestens informiert, immer vor Iras Zeitung Tag 7, in reißerischen Schlagzeilen über das Verbrechen berichtet. Nächste Frage: Wer ist dieser Mann, dessen Blog sich Der Steinhauer nennt und woher bekommt er seine Informationen?

 

Ein Mädchen namens Rosie, das der Apotheker in jüngeren Jahren adoptiert hatte und nach einigen Jahren diese Adoption vor Gericht wieder rückgängig machte, ist eine weitere schwerwiegende Frage, die es zu klären gilt. Und warum hatte er seine gesamte Familie videotechnisch über Jahre hinweg überwacht, eine weitere. Je mehr Ira Wittekind in immer dunkler werdenden Wassern fischt, desto wortkarger stehen ihr die Familienangehörigen gegenüber. Speziell die aktuelle und sehr junge Frau von Hahnwald zeigt ihr bald die kalte Schulter. Hahnwalds Tochter Betty verschwindet und ihr Mann Wim Klettenberg ist ein ganz spezieller Vogel, der bei jedem Gespräch Ira verführen möchte. Bis nach Frankreich führen Ira schließlich ihre Recherchen, wo sie eine ehemalige Frau Ludwig Hahnwalds über ihn befragen möchte. Dabei kommt ein französischer Maler ins Spiel, der eine Liaison mit dem Mädchen Rosie zu haben schien und der seit langem verschwunden ist. Und deshalb von mir sofort in den Kreis der Verdächtigen aufgenommen wurde.

 

Je mehr Antworten Ira findet, umso nervöser werden der oder die Täter. Und so kommt es schließlich, dass Ira Wittekind auf Hof Eskendor, wo sie mit Pudeldame Erna, Freund Andy und dessen Familie zusammenlebt, nicht von Anschlägen verschont bleibt. Letztendlich wird es verdammt eng für Ira, aber mehr will ich aus Spannungsgründen hier nicht verraten.

 

Mich persönlich würde interessieren, wie Carla Berling in Mordkapelle beim Schreiben die Übersicht bewahren konnte. Denn eine Flut an Fragen bewegen den aufmerksamen Leser, dem die Autorin aber an den richtigen Stellen die dazugehörigen Antworten liefert. Mitunter wurde ich beim Täter raten ganz wuschig, was der Spannung aber keinen Abbruch tat. Genial, wie in allen Krimis mit Ira Wittekind, fand ich auch diesmal wieder die Zusammenkünfte mit Tante Sophie und Tante Friedchen. Dieses friedvolle und humorvolle Miteinander, diese heimelige Atmosphäre auf Hof Eskendor, die liebevoll beherrschten Bemühungen von Andy, Ira von seiner unbändigen Lust auf Hochzeit mit ihr zu überzeugen, und die über alle wachende (teils auch schlafende) Königspudeldame Tante Erna, ergaben für mich wieder ein stimmiges Bad Oeynhausener Bild von ostwestfälischer Gelassenheit. Da wurde ich fast zornig, als dieses idyllische Bild attackiert wurde und die Tanten Angst bekamen. Doch diese Tanten sind nicht so einfach unterzukriegen. Egal ob es lustig, gemütlich oder auch mal heftig kommt, Tante Friedchen füllt Brackenschnaps in Gläser und schon hallt Tante Sophie´s „Nich´ lang schnacken, Kopp in´n Nacken“ durch die gute Stube.

 

„Gratulation, Frau Berling, ihr rätselhafter, mitreißender, spannender und zum Teil auch humorvoller Krimi hat mir einige Stunden Lesevergnügen beschert.“