Nie wieder sollst du lügen

von Lena Avanzini

Und ich lüge nicht, wenn ich behaupte: Dieses Buch ist großartig!

 

Den Gedanken, dass sich in jedem Ende ein Anfang verbirgt, finde ich tröstlich. Dieser Gedanke sagt mir, dass ich Carla Bukowski wieder treffen werde, in Zeilenform, in Buchform, in Form eines neuen Falles, denn dies war Carla Bukowskis erster Fall. Und der hatte es in sich, packend geschrieben, von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Autorin Lena Avanzini hat mit Carla Bukowski eine charismatische „Kripotante“ mit Ecken und Kanten geschaffen und ihr eine schwere Bürde auferlegt, die sich niemand wünschen würde. Gleich im ersten Einsatz schickt sie die Wiener Gruppeninspektorin in die Hölle, um zu sehen, ob sie es wieder rausschafft.

 

Bukowski und ein Kollege werden zu einem mysteriösen Autounfall, es gibt keine Bremsspuren, gerufen, bei dem alle Insassen den Tod finden. Als Bukowski die verbrannte Leiche eines Kindes am Rücksitz sieht, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch, steigt in ihren Wagen, startet eine Amokfahrt durch Wien und wird von ihrem Chef beurlaubt. Sie fährt zu ihrer „esoterischen“ Freundin Kim ins Burgenland, wo wenig später ein zweiter Autounfall passiert. Ebenfalls ein Toter, wieder keine Bremsspuren. Bukowski hält herumsitzen nicht aus, sie beginnt zu ermitteln. Sie untersucht die beiden Unfälle und stößt bald auf Zusammenhänge, womit sie einen geplanten Suizid der beiden Lenker so gut wie ausschließen kann. Die Frau aus dem Wiener Unfallauto und der Mann aus dem Unfallauto in Burgenland gingen gemeinsam zur Schule und bildeten mit zwei Mitschülern ein unzertrennliches Quartett, dass damals einem Lehrer übel mitgespielt hatte.

 

Trotz Ermittlungsverbot und der Beaufsichtigung durch ihre Freundin Kim, die jede Aktivität von Carla sofort an Major Nowak in Wien melden soll, fängt Bukowski an, die noch lebenden Mitschüler zu suchen und zu befragen. Sie geht dabei bis an ihre psychischen Grenzen und stößt auf ein düsteres Geheimnis aus der Schulzeit, für das sich scheinbar jemand rächen will. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und für die beiden ehemaligen Schüler ein Kampf auf Leben und Tod.

 

Spannend und akribisch aufgebaut, breitet Lena Avanzini Stück für Stück die Schicksale ihrer Protagonisten vor dem Leser aus. Mit jeder Seite dringt man tiefer in die Geschichten und Seelen jener, deren Leben durch „nur eine“ Lüge zerstört werden. Aber was weiß man mit Siebzehn schon von Grenzen, die, wenn man sie überschreitet, einen ein Leben lang verfolgen können. Unaufhaltsam zieht sich die Schlinge der Rache um die noch Lebenden und ihre Familien immer enger. Wer wird überleben? Wer wird sterben?

 

 

Finden Sie es heraus und lesen Sie den ersten Fall von Gruppeninspektorin Carla Bukowski. Es war eine spannende Lektüre. Ich meine, Frau Bukowski wird bald fester Bestandteil der internationalen Krimiszene sein.