Rattenkinder

von B. C. Schiller

Rattenscharfer Schiller-Thriller

 

Ich sag nur - Spannung pur, von der ersten bis zur letzten Silbe. So muss ein Thriller geschrieben sein, da bleibt dem Leser die Luft weg.

 

Die Dunkelheit war plötzlich ein Problem, ein Zweites die Geräusche: knistern, knacken, trippeln von Füßchen unter dem Sofa. Es war weit nach Mitternacht, vielleicht hätte ich mit dem Lesen aufhören sollen, als noch Zeit war. Aber kurz zuvor strömte diese eigenartige Kälte aus meinem E-Book-Reader und nun saß ich da wie erstarrt. Nur meine Augen tasteten fahrig über die mir entgegen leuchtenden Silben, saugten weiter eine nach der anderen auf, als wären sie Wasser, das ich zum Überleben brauche.

 

Nein, es krabbelten keine Ratten bei mir unterm Sofa hervor. Und die eisige Kälte, die mich über weite Strecken des Thrillers gefangen hielt, verdanke ich dem genialen Autorenduo B.C. (Thriller) Schiller und ihrer Gabe, Szenen so genial anschaulich zu transportieren. Da hört man schon mal Ratten über den Boden laufen, da pfeift auch mal ein eisiger Wind durch das Wohnzimmer und man legt gerne die Beine hoch, um nicht im Blut und Schlamm des Romaarmenviertels Sputnik III zu versinken.

 

Und Inspektor Tony Braun? Ja, der hat auch wieder alle Gedanken voll zu tun, würde ich sagen. Denn wenn man Zettel mit Koordinaten und Blutspuren zu Mordopfern von einem geistig verwirrten Insassen der Geschlossenen Psychiatrischen Abteilung erhält, das gibt einem schon zu denken. Doch Tony Braun ist ja nicht alleine, sein Team läuft rund, gut geschmiert und heftet sich sofort auf die Spur … ja von wem eigentlich? Schon sehr bald bemerken Tony Braun und sein Team nämlich, dass in ihrem Fall etwas von höchster Stelle manipuliert wird. Der Staatsanwalt will unbedingt einen Verdächtigen als Mörder präsentieren, von dem Braun bald überzeugt ist, dass er es nicht gewesen ist. Der Druck von oben wächst, der Irre ist keine Hilfe und Braun bemerkt, dass ein Teammitglied ein Geheimnis nicht lüften will und scheinbar von den Mächtigen kontrolliert wird.

 

Bald kristallisiert sich heraus, dass die Mordopfer sterben mussten, weil sie über ein dubioses Adoptionsbüro in Wien Kinder gekauft haben. Roma Kinder aus Tschechien, sogenannte Rattenkinder und irgendwer hat etwas dagegen, wie es scheint. Jemand, der sich einer Garrotte als Mordwerkzeug bedient und keine Spuren hinterlässt, außer das Mordwerkzeug und blank polierte Rattenschädel. Die Schlinge in Brauns brisanten Fall zieht sich immer enger, der Irre, der an retrograder Amnesie leidende Viktor Maly, findet Stück für Stück seine Erinnerungen wieder, das Konglomerat der Mächtigen muss also handeln und als sich die Schlinge letztlich um Tony Brauns Hals legt …,

 

Nein, ich verrat nix, lesen Sie selber. Nur so viel:

 

B.C. Schiller haben es wieder mal geschafft und mich mit „Rattenkinder“ atemlos auf die Bank gefesselt. Es war wie bei diesen Dominospielen im Fernsehen, als ich die erste Silbe gelesen hatte, begannen die Steine zu fallen und wurden immer schneller, rasten mit mir durch Zeit und Raum, Hitze, Angst und Kälte nahmen mich abwechselnd gefangen, bis ich am Ende der Geschichte ermattet meinen E-Reader abschaltete und dankbar murmelte: „Unglaublich, was dieses geniale Autorenpaar wieder für einen Thriller in die Tasten geklopft hat.“

 

Ich würde gerne 6 Sterne und mehr vergeben, wenn ich könnte. J