Schindeln am Dach

von Jacqueline Gillespie

Wenn das Zinnglöckerl sechzig Mal läutet

 

… dann ist ein Mannsbild verstorben im idyllischen Neiselbach am Schneeberg. Und diesmal hat es den Goldbacher – Leonhard erwischt, den feschen Verwalter von Schloss Fürstenbert. Zu Gott berufen wurde er durch einen Schuss aus einem Jagdgewehr, dort wo normalerweise Hirschen und Rehe gefüttert werden. Und da er sich, wie´s Jägern ja schon passiert ist, nicht selber erschossen hat, sein Gewehr hing noch auf seiner Schulter, als man ihn fand, wird rasch ein Mordfall daraus.

 

Irgendwie ist der smarte Sektionschef Patrick Sandor sogar froh darüber, er hat momentan ein wengerl den Blues auf Wien, dass er zu den Ermittlungen nach Neiselbach gerufen wird. Dort hat er ein Haus und kann in die Jagdkleider seines Großvaters schlüpfen, sich sozusagen vom adeligen Städter in einen gemütlichen Dörfler verwandeln. Sein Schatten, Kriminalinspektor Müller, folgt ihm auf den Fuß, um der Enge der Wiener Zweizimmerwohnung zu entfliehen und über seine Beziehung zu Freundin Lisi nachzudenken.

 

„No, das ist ja nicht verkehrt, wenn ein Mannsbild über etwas nachdenkt, obwohl selten was Gescheites dabei rauskommt, wie die Großmutter allerweil gesagt hat“.

 

Womit ich bei meiner Lieblingsfigur, der alteingesessenen Dorfbewohnerin wäre, die die drei Kriminaler (Revierinspektor Simon Singer ist noch mit von der Partie) bei ihren Ermittlungen mit „Einheimischeninfos“ versorgt. Weil aktiv an der Mörderhatz teilnehmen, dafür ist sie schon zu alt und die Krankenkassenschuhe, die ihr der Sohn morgens immer anzieht, sind dafür ja nicht geeignet. Da sitzt sie lieber mit dem Fernglas bei ihrer geliebten Haselstauden, passt auf ihren Wolfi auf oder werkelt in der Küche herum, wo sie Zwetschken-Marmelade einkocht und gegebenenfalls dem Besuch Auskunft über die Dörfler gibt. Weil sie kennt die Leut`, die Gegend und wie wer tickt in Neiselbach. Was jetzt nicht heißt, dass sie tratscht, nein, tratschen interessiert sie nicht. Eher ein Informationsaustausch von Lebensweisheiten, die zielführend eingesetzt zum Mörder führen könnten oder der Lisi ihre Romanze mit dm Müller wiederbelebt.

 

Autorin Jacqueline Gillespie hat mich mit der Figur der „alteingesessenen Dorfbewohnerin“ verblüfft. Hat sie doch eine Namenlose zum Dreh- und Angelpunkt in ihre hervorragende Geschichte gesetzt, die mit viel Liebenswürdigkeit, Hausverstand und dem Charme und Wissen des Alters eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Jetztzeit baut. Die Charaktere in „Schindeln am Dach“ sind wunderbar herausgearbeitet und die Spannung, wer denn nun wen erschossen hat, bleibt bis zu den letzten Seiten aufrecht.

 

Weil das Zinnglöckerl läutet noch einmal sechzig Mal! Wobei es dem Grafen Hanno Fürstenbert da bestimmt lieber gewesen wäre, es hätte nur dreißig Mal geschlagen, für seine Tante Adele. Aber das ist jetzt die subjektive Meinung eines hochzufriedenen Lesers. Tolles Buch!