SISSIS GIFT

von Bernhard Barta

Gift und Galle am schönen Traunsee

 

Eben erst die Angelleine durch das offene Fenster seines Dienstzimmers im Schlosshotel Orth in den Traunsee ausgeworfen, schon hängt ein neuer Fall an Gustl Brandner. Statt eines kapitalen Saiblings angelt sich der Inspektor eine Frauenleiche, und schon geht der Wirbel los, im idyllischen Gmunden und Brandner muss mit dem Birngruber Seppi im Schlagermilieu ermitteln. Rasch wird ihnen dabei klar, dass im Schlagerbusiness Neid und Gehässigkeit an der Tagesordnung stehen und mit Drohungen nicht gespart wird.

 

Das Mordopfer ist die allseits bekannte und beliebte und über die Grenzen des Landes hinaus berühmte „Schlager-Sissi“ vulgo Lisa Vogelhuber, die am Vortag den „Singer-Contest“ in Gmunden gewonnen hat. Der Brandner, unsanft aus seiner vorsommerlichen Ruhe im Büro gerissen, will gerade mit den Ermittlungen beginnen, als eine Frau Oberst Karl aus Linz resolut den Fall an sich reißt, Brandners Büro okkupiert und ihn zu ihrem Laufburschen tituliert. „Ihre Buben“, so nennt die Frau Oberst ihre Kollegen aus Linz, werden sich um die Spuren kümmern, die der Brandner und der Birngruber herbeischaffen sollen. Also ab an den Stammtisch zum „Spies“, wo man mehr erfährt als bei jedem offiziellen Verhör. Dort trifft Brandner auf zahlreiche illustre Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Adel, denen er den einen oder anderen Hinweis zur weiteren Vorgehensweise entlocken kann. Der Aufstand seiner Haushälterin, sein zart aufflammendes Begehren zur Gerichtsmedizinerin und zu einer Tatverdächtigen, bringen Brandner in wilde Turbulenzen. Während der „Leberkäs-Seppi“, also der Birngruber, trotz mehrerer Fehler beim Personenschutz, bei der Frau Oberst einen Stein im Brett zu haben scheint, wird Inspektor Brandner immer wieder zur Zielscheibe, wenn wieder mal was Unvorhergesehenes passiert. Zum Beispiel, wenn ein Finger, ein Ohr oder ein Fuß samt Erpresserbrief auftauchen und der Erpresser bei der ersten Geldübergabe nicht erwischt wird, dann ist natürlich der Brandner schuld.

 

Autor Bernhard Barta zeichnet humorvoll und spannend ein Bild seines Inspektors, der hin und her gerissen ist zwischen aufreibender Ermittlungsarbeit im Salzkammergut und dem Wunsch, dieser nervigen „Weiberwirtschaft“ im Büro, bei den Ermittlungen Backstage und in seinem Haus zu entkommen. Geschickt verwebt der Autor die zahlreichen Verdächtigen, dramatischen Wendungen und herzerfrischende Dialoge zu einem rätselhaften und spannenden Lesevergnügen, bei dem sich Inspektor Brandner letztlich selbst in Todesgefahr bringt.

 

Mir hat die locker, humorige Erzählweise ausnehmend gut gefallen und meinerseits ist dies der beste Barta, denn ich bis jetzt gelesen habe. Der Autor hatte mich stets an der Angel. Freue mich schon auf den nächsten „SISSI-Fall“ von Bernhard Barta.