Sissis Gold

von Bernhard Barta

Ja hört das denn nie auf?

 

Inspektor Gustl Brandner hat´s wahrlich nicht leicht, hat man ihm eine Bürde auferlegt, wo er zwischen Welten wandeln und in Bad Ischl einen Mord aufklären muss. Dieses Welten wandeln hat jetzt nichts mit Science Fiction zu tun, sondern mit Jägern, Wilderern, und  alteingesessenen Bürgern von Ischl und Gmunden. Brandner muss in seinem Mordfall sowohl den Ischler, als auch den Gmundner Posten leiten. Dass die Ischler und Gmundner sich nicht riechen können, ist ja allgemein bekannt und rührt aus der Kaiserzeit her, wo die Ischler das Salz abbauten und die Gmundner damit reich wurden. Aber, dass das auch heute noch so ist, lässt einen Autor Bernhard Barta teils wortgewaltig, dann wieder feinfühlig zwischen den Zeilen spüren.

 

Schon auf den ersten Seiten wird der alte Waffenhändler, Jäger und nicht grad feine Heinrich Grün Opfer eines Killers, der ihn, wie die Frau Doktor Fuchs, dem Blut nicht so zugetanen Inspektor Brandner unter die Nase reibt, „tranchiert“ hat, vor der Vitrine im Stadtmuseum von Bad Ischl. Und Brandner, der letzte Brandner aus einer mit Kunst handelnden Wiener Familie, hat eine Nase wie ein Spürhund. Er folgt sogleich der Spur eines Raubmordes, denn die Sissi-Büste und das Jagdhorn des Kaisers wurden aus dem Museum entwendet.

 

Liebenswürdig schrullige Figuren, aufbrausende Jäger und hinterfotzige Wilderer begegnen dem smarten Inspektor bei seinen Ermittlungen und versorgen ihn mit Informationen, mit Stammtischtratsch oder auch mit Kugeln, wenn er unangemeldet ein Gespräch mit einem Verdächtigen führen will. Als beim Jägerball in Gmunden ausgerechnet der Ischler Baron Buck tot aus der Loge fällt, gehen die Wogen hoch am Traunsee.

 

Herrlich zu lesen, wie der Autor die Figuren im urigen Salzkammergut agieren lässt. Diese gegenüber Fremden oft in sich gekehrten, leicht aus der Ruhe zu bringenden Jäger, die Ischler, die die Gmundner beschuldigen und umgekehrt, wo anscheinend jeder weiß, wer der Mörder ist und sich Brandner mit seinem Assistenten Birngruber trotzdem nicht aus der Ruhe bringen lässt. Egal ob man ihn im Wirtshaus in die Zange nehmen will, er mit der hochwohlgeborenen Frau Ott diniert oder sich mit dem Schneider Schauer oder dem Kaiserdouble Franz unterhält, Inspektor Brandner findet stets die richtigen Worte zur rechten Zeit.

 

Letztlich scheint die Geschichte zu eskalieren, denn plötzlich kommen noch die Ausseer ins Spiel, in diesem Städte-Dreikampf der Schuldzuweisungen. Ein alter Widerstandskämpfer aus Altaussee bringt Brandner auf eine heiße Spur und sorgt für die Wende im Fall, auf die ich anfangs nicht gekommen wäre.

 

Toll gezeichnete Charaktere (sowohl in Wort und Bild), prägnante Beschreibungen feiner Kaffeehäuser und düsterer Jägerlokale, Wortwitz und Spannung gehen Hand in Hand und halten den Leser bis zum Ende gefangen. Kompliment, Herr Barta, ein sehr lesenswertes Buch.