STEIRERNACHT

von Claudia Rossbacher

Familientragödie im weststeirischen Apfelland

 

In ihrem neuen Krimi „Steirernacht“ mordet Autorin Claudia Rossbacher diesmal in der Weststeiermark und lässt ihr kongeniales Duo Abteilungsinspektorin Sandra Mohr und Chefinspektor Sascha Bergmann vom Landeskriminalamt Graz in der Marktgemeinde Pöllau ermitteln.

 

Sandra Mohr wird dort, als sie mit Bergmann am Tatort eintrifft, gleich mal von Oberspurensicherer Manfred Siebenbrunner, auf seine bekannt arrogante Art, geschildert, dass es sich bei den drei Opfern nicht um einen erweiterten Suizid handeln kann, und sie deshalb in einem Mordfall zu ermitteln haben. Die Opfer Walter und Gudrun Faschingbauer, sowie deren 11-jähriger Sohn Severin wurden in ihren Schlafzimmern erschossen aufgefunden. Ihre 13-jährige Tochter Johanna konnte sich verstecken und anschließend zu Onkel Bernhard, dem Zwillingsbruder ihres Vaters flüchten. Der betreibt nahe dem Anwesen der Faschingbauers sein Wirtshaus „Waldstubn“ und will sich liebend gerne um die traumatisierte Tochter seines Bruders Johanna kümmern.

 

Sandra Mohr findet bei den Befragungen einen guten Draht zu Johanna. Ihr gefällt, wie stark sie ist und wie rasch sie das Geschehene verarbeitet. Dabei wird Sandra an ihre eigene Kindheit erinnert, in der sie auch unter einer dominanten Mutter zu leiden hatte. Nach und nach ermitteln Bergmann und Mohr immer mehr Details aus dem Leben der Familie Faschingbauer - und da sind einige dabei, die Sandra plötzlich auf erotische Gedanken bringen. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ihr Liebesleben mit Paul ist sexuell nicht so erfüllt, wie sich Sandra das wünschen würde. Und als bei den Ermittlungen ans Licht kommt, dass die beiden Faschingbauer-Brüder mit Gudrun, der Ehefrau von Walter, des Öfteren einen flotten Dreier geschoben haben, kommt sie selbst auf erotische Gedanken, um ihrem Liebesleben mit Paul einen Kick zu geben.

 

So liest man neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit in diesem Buch auch einige Kapitel, in denen Sandra Mohr ihr Innerstes offenbart und die Leser sehr tief blicken lässt. Sozusagen ein Buch im Buch - Mordermittlung v.s Erotikwünsche der Sandra Mohr. Wobei sie natürlich sehr vorsichtig agieren muss, denn Chefinspektor Bergmann darf auf keinen Fall dahinterkommen, seine sarkastischen Anspielungen bei der Arbeit sind schon schwer genug zu ertragen.

 

Das Claudia Rossbacher spannende Krimis schreiben kann, hat sie ja schon mehrfach bewiesen. Mit der Dreierbeziehung der Faschingbauers, der Leidenschaft und den erotischen Gedanken ihrer Ermittlerin Sandra Mohr, setzt sie in diesem Krimi noch einen drauf. Die Gedanken beim Lesen beginnen plötzlich zu rotieren. Man ist verwirrt, weiß zum Teil nicht mehr, worauf man sich konzentrieren soll, auf die Ermittlungs- oder die Erotikdetails. Will man nun erfahren, wer der Mörder ist, oder was Sandra zu Ostern so treiben will. Sehr gut gemacht, Frau Rossbacher.

 

In der Mitte des Buches hatte ich dann einen Verdacht, wer der Mörder der Faschingbauers sein könnte. Doch die Autorin versteht es meisterhaft, falsche Spuren zu legen, die einen zu neuen Ansatzpunkten führen, wodurch man seine Tätertheorie noch mal überdenken muss. Letztendlich erfuhr ich aber dann doch, was die verruchte Sandra Mohr zu Ostern getrieben hat, mein Verdacht wer der Täter sein könnte bestätigte sich und ich konnte mich nach der letzten Seite zufrieden zurücklehnen, in dem Wissen, wieder mal einen Claudia Rossbacher Fall gelöst zu haben.

 

Wer die Steirerkrimi-Reihe der Autorin kennt, dem muss ich nicht erklären wie bildhaft, wortgewandt und spannungsgeladen Claudia Rossbacher ihre Krimis schreibt. All jenen, die noch keinen Rossbacher Krimi gelesen haben, kann ich nur sagen: „Das solltet ihr schleunigst ändern!“