Tödlicher Irrtum Projekt Unschuld

von Patrick Burow

Justitia kann auch getäuscht werden.

 

Genau diesen Sachverhalt beschreibt Autor Patrick Burow in seinem großartigen Thriller „Tödlicher Irrtum“.

 

Natürlich denkt man als rechtschaffener Mensch nicht daran, dass irgendwer vorsätzlich eine Falschaussage tätigt, um dafür eine lebenslange Haftstrafe in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher abzusitzen. Aber wo sonst sollte jemand inhaftiert und therapiert werden, der die Entführung und Ermordung eines neunjährigen Mädchens gesteht.

 

Saskia und Florian, Jurastudenten und ein Paar, die sich gemeinsam auf ihr Examen vorbereiten, nehmen sich im Zuge ihres Studiums dieser dubiosen Strafsache an. Unter der Leitung von Professor Heckscher, der, wegen zeitweise erhöhtem Alkoholkonsum, an der Fakultät nicht mehr sonderlich beliebt ist, arbeiten sich die beiden Studenten, im für den Professor neugeschaffenen Institut für Justizirrtümer, in den Fall Nele ein. Nachdem sie den mutmaßlichen Täter, Jan Virchow, in der Psychiatrie einige Male aufgesucht und mit ihm gesprochen haben, entwickelt der Fall eine ungeahnte Dynamik. Auch wenn der Fall mehr als ein Jahr zurückliegt, finden Saskia und Florian, unter Mithilfe von Florians WG-Freunden immer mehr Details, die ein neues Licht auf das damalige Urteil werfen.

 

Natürlich ist es für einen designierten Oberstaatsanwalt, einen Strafverteidiger oder die Polizei nicht sonderlich erbaulich, wenn zwei Jurastudenten in einem zu den Akten gelegten Fall herumstochern und Verfahrensfehler feststellen. Und je länger sie stochern, umso dramatischer wendet sich der Fall in eine andere Richtung. Denn, wenn ein vermeintlicher Täter sein Geständnis widerruft, muss zwangsläufig der wahre Täter noch auf freiem Fuß sein. Aber der hat gewiss kein Interesse daran, mit dem Inhaftierten den Platz zu tauschen. Aber genau diese Frage wollen Saskia und Florian lösen.

 

Der Autor Dr. iur. Patrick Burow schöpft in seinem spannenden Thriller aus den Vollen. In Hamburg geboren, sammelte er in zwanzig Jahren zunächst als Staatsanwalt und später als Richter vielfältige Erfahrungen in allen strafrechtlichen Dezernaten. Patrick Burow ist als Richter und Sachbuchautor (»Das Lexikon der Justizirrtümer«) ein ausgewiesener Experte für Justizirrtümer. Folglich ist es ihm hervorragend gelungen, die trockene Paragraphenmaterie der Juristerei in eine – mit Fortdauer des Buches – rasante Schnitzeljagd nach dem wahren Straftäter zu verpacken.

 

Die neckischen Zänkereien zwischen dem nicht sonderlich lerninteressierten Filmfreak Florian und der diszipliniert studierenden Saskia, die ihrem patriarchischen Vater imponieren will, fand ich unterhaltsam und lockerten mein Lesevergnügen auf. Überhaupt sind alle Charaktere einwandfrei gezeichnet und man hat beim Lesen bald ein klares Bild von ihnen vor Augen. Der Autor hat es verstanden, in seinem Thriller zur rechten Zeit an der Temposchraube zu drehen und so die Spannung zum Schluss hin gekonnt zu steigern.

 

 

Was im Fall Nele tatsächlich passiert ist und ob wirklich ein Fehlurteil Jan Virchow in die Psychiatrie schickte, steht in diesem lesenswerten Buch. Zudem erfährt man einiges über die Hintergründe der Juristerei und der Gesetzgebung in Strafsachen.