Teufelskoller

von Peter Wehle

Teufel noch mal, was für ein Buch

 

In eineinhalb Tagen 413 Seiten Krimi in sich hineinzusaugen macht man nur, wenn einen die Spannung nicht mehr loslässt, wenn man wissen will, wer der oder die bestialischen Mörder der „Hexe“ sind. Autor Peter Wehle verstand es dabei großartig, mich mit seinen Worten in die Irre zu führen und ich muss leider eingestehen, dass ich den einen oder anderen zu Unrecht des Mordes bezichtigt habe.

 

Aber der Reihe nach: Schon die Ankunft von Wotan Perkowitz, ein angehender Psychologe, in der idyllischen Lungauer Landschaft, entlockte mir ein Schmunzeln. Wenn so ein „g´studierter“ Wiener auf den dörflichen Landadel trifft, dann gibt es mitunter nicht nur sprachliche Verwirrungen. Ich weiß, wovon ich schreibe, bin selber ein Landei. Aber wenn dann gleich in der Nähe der Tant´schen Alm, auf der er Quartier bezogen hat, ein grausamer Mord mit rituellem Hintergrund passiert und die abergläubische Dorfbevölkerung den „Zuagroasten“ gleich für einen Helfer des Teufels hält, dann kommt da eine gemeindeeigene Dynamik auf, dass der junge Perkowitz sichtlich froh war, die Fürsprache seiner Tante Agathe, ihres heimlichen Freundes und ein paar „vernünftigen“ Seelen zu haben, um nicht gleich an den Pranger gestellt zu werden.

 

Jaja, in St. Nepomuk weiß man nur zu gut, auch 333 Jahre nach der Hinrichtungswelle für Hexen und deren vermeintliche Helfer, dass sich der „Gottseibeiuns“, wie sie den Teufel zu nennen pflegen, jederzeit wieder unters Volk mischen und mit Schwefelgestank für Mord und Totschlag sorgen könnte. Der Aberglauben ist tief verwurzelt, in dem kleinen Ort, und in rauchgeschwängerten Lokalen wird in Alkohol verehrenden Runden wild spekuliert, warum sich der, meist vor analytischer Logik sprudelnde Jungpsychologe zum Ziel gesetzt hat, diesen Mordfall zu lösen. Ja irgendwer muss es ja tun, denkt sich Wotan Perkowitz und häuselt, unterstützt von seinem besten Freund „Schurli“ und ein paar bodenständiger St. Nepomuker/innen, die ortsansässigen Treffpunkte des Informationsaustausches zum Zwecke der Wahrheitsfindung in diesem grauenhaften Ritualmord ab.

 

Mit sehr gekonnter, auch humoriger Feder, spannt Peter Wehle einen spannungsgeladenen Bogen von wahren Gräueltaten aus dem Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert.  Aber lesen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung, über den Okkultismus und seine Schergen in St. Nepomuk im salzburgerischen Lungau. Absolut lesenswertes Buch, wie ich finde!