Tunnelspiel

von Carla Berling

Tunnelblick bei Tunnelspiel


Meine Augen wurden immer größer, als ich in das menschlich schwarze Loch blickte, das sich beim Lesen von Tunnelspiel vor mir auftat. Allein schon die makabre Todesart des Lorenz Brenner, mit der die Autorin ihre Leser in den Bann zieht, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen, und als Mann traten noch ganz woanders „Phantomschmerzen“ auf.


Aber zurück zum Roman: Nachdem der Verleger Lorenz Brenner im Schlachthof seine ewige Ruhe findet und Ira Wittekind mit ihrem Andy dort vorbeiradelt, und das Großaufgebot an Polizei und Feuerwehr sieht, packt sie naturgemäß die Neugierde. Als Frau und Journalistin ja nicht ungewöhnlich. Was dann folgt, ist investigativer Journalismus vom Feinsten, denn wie schon in den Vorgängerkrimis von Carla Berling, macht es sich die Protagonistin Ira Wittekind zur Hauptaufgabe, den Mörder von Herrn Brenner ausfindig zu machen. Dass sie dazu einige Kunden des Verlegers befragen muss, ist ganz normal. Ganz und gar nicht normal ist, was sie dabei zu hören bekommt. Dieser Brenner war, salopp formuliert, ein abscheuliches Arschloch von Format, der eigentlich jeden, mit dem er zu tun hatte, verärgert, geprellt und manche aufs Schändlichste beleidigt hat.


Also Mordmotive zuhauf und die Autorin versteht es blendend, in der Phase des zutage fördern von menschlichen Unzulänglichkeiten und der sexuellen Ausrichtung des Herrn Brenners, ihre Leser zu fangen – ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und der Schluss hat mich wahrlich überrascht, obgleich ich das Warum des Brenner´schen Ablebens sehr gut nachvollziehen konnte.


Wie immer habe ich mich auch hervorragend mit den beiden Tanten auf Hof Eskendor amüsiert. Wenn die beiden loslegen und zum obligaten Schnäpschen greifen, weil wenn einem so eine grausige Todesart geschildert wird, dann braucht es das eine oder andere Gläschen, dann sitze ich schmunzelnd auf meinem Sofa und stelle mir vor, wie es wohl wäre, mit den Tanten am Tisch zu sitzen und ein Gläschen zu leeren. Zumal diesmal Tante Friedchen von Tante Sophie der spontanen Verliebtheit mit einem Nachbarwitwer bezichtigt wird. Bei den lustigen und entspannenden Dialogen in der Kate konnte man für einen Augenblick das Grauen im Ermittlungsalltag von Ira Wittekind vergessen.


Carla Berling versteht es wie immer ausgezeichnet ihre Geschichte voranzutreiben; der Plot ist stimmig, die Protagonisten sind gut gezeichnet und lebensecht, die Spannung bleibt bis zum Schluss aufrecht und der/die Mörder/in …, nun ja, das werde ich hier nicht verraten.

Nur so viel: Ich habe es nicht erraten.


Mein Fazit: Tunnelspiel ist mordsmäßig gut geschrieben und Carla Berling beweist ein weiteres Mal, nach „Sonntagstod“ und „Königstöchter“, dass sie eine hervorragende Krimiautorin ist!