Turinis Leber

von Franz Friedrich Altmann

Das Mühlviertel ist kein Platz für Weicheier

 

Also ich war noch nie im Mühlviertel und weiß nicht, ob ich Überleben täte.

 

Das hat jetzt weniger mit dem grausigen dahinscheiden des Pfarrers Himmelfreund zu tun, denn man beim Kirchenwirt in Bad Gstettn in der Selchkammer am Fleischhaken hängend auffindet und der dort zum Himmel stinkt. Vielmehr sind es die manchmal ausufernden Trinkgewohnheiten der Ortsansässigen. Allen voran die der resoluten Provinzjournalistin Gucki Wurm, die eine Alkohol-Vernichtungs-Expertin ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen dubiosen Mordfall mit Asylwerberhintergrund vor der Polizei zu lösen. Sogar deren Hund Turini säuft mitunter mit und ihre Bekannten sowieso und nicht zu knapp.

 

Der Fall beginnt kurz vor Weihnachten in den Redaktionsräumen der Mühlviertler Nachrichten in Freistadt, wo Gucki Wurm „leicht eingespritzt“ ein Telefonat erhält. Dass Weihnachten nicht nur das Fest der Liebe ist, sondern auch Lobpreisung des Weingeistes und somit eine spirituose Vernichtung mancher Familienbande darstellt, ist ein bekanntes Problem, das bestimmt nicht nur im Mühlviertel die besinnliche Zeit dominiert. Und was die hochprozentige Ermittlungsarbeit im Mordfall Himmelfreund von Mag. Gucki Wurm angeht: Vielleicht wäre es gar nicht möglich gewesen, hätte sie nicht auf hochprozentige Hilfsmittel zurückgegriffen, um das Unwesentliche vom Wesentlichen abzusondern und so letztendlich den roten Faden in Händen zu halten, der zur Aufklärung eines jeden Kriminalfalles ja von essentieller Bedeutung ist.

 

Ja mein Gott, ein paar Bier und ein Prosecco, der eine oder andere Schnaps oder Eierlikör über den Tag verteilt, man sollte das nicht so eng sehen. So einen Damenspitz kann ja auch lustig sein, und wenn man nicht dauernd fett wie ein Häusltschick durch den Alltag torkelt oder mit so einer richtigen Kletz´n Auto fährt, lässt sich auch der eine oder andere Mord aufklären.

 

Bissig, witzig und nicht auf den Mund gefallen, ist die Schreibe von Autor Franz Friedrich Altmann, wobei die hochprozentige Vorgehensweise seiner Protagonisten bei den Mordermittlungen gleich auch noch einen humorvollen Exkurs in Alkoholismus und dessen Auswirkung auf den Geist bietet. Ich habe mich sehr amüsiert, ein bisschen hat mich die Erzählstimme an Wolf Haas erinnert, was ich aber toll gefunden habe, da ich Wolf Haas sehr gerne lese.