Wer zuletzt lacht

von Wilhelm Kuehs

Schluss mit lustig, trifft den Nagel auf den Kopf.

 

"Wer zuletzt lacht“ von Wilhelm Kuehs spielt zur Faschingszeit in der Narrenhochburg Villach.

 

Als Faschingsmuffel würde Ernesto Valenti die Stadt um diese Jahreszeit meiden, wie der Papst ein Bordell. Aber als Bürgermeister Guggenbichler bei einer Veranstaltung sein Leben lässt, muss der investigative Journalist aus Klagenfurt ran. Zumal der Villacher Bürgermeister mit dem Gesicht im Heringssalat liegt, der mit Zyankali verfeinert wurde.

 

Der schlaue Spürhund Ernesto Valenti, leitender Redakteur bei der Kärntner Tagespost, nimmt Witterung auf und entdeckt bald im Gildenhaus des Villacher Faschings, das hochrangige Politiker und Wirtschaftstreibende dort ein Netzwerk der Wollust und Dekadenz unter der Fahne des Humors betreiben. Wie ein Mineur, der mit Sprengstoff seinen Tunnel vorantreibt, treibt Valenti mit seinen Fragen die bedeutsamen Persönlichkeiten auf der Suche nach dem Täter vor sich her. Was den ermittelnden Major Steinkellner, mit dem Valenti in einem subtilen Wettstreit liegt, wer wohl als Erster den Mord aufklärt, mitunter zur Weißglut treibt. Auch der Sekretär des Landeshauptmanns zuckt aus, als Valenti einen Artikel schreibt, indem man assoziieren könnte, dass das Land Kärnten an einer Agentur beteiligt ist, die mit Steuergeldern Bordelle finanziert. Der Gegenwind für Valenti wird immer heftiger und bald wird an dem Liegestuhl auf der Terrasse gesägt, auf dem Valenti gerne liegt, den winterlichen Himmel betrachtet und seine selbst gedrehten Zigaretten raucht.

 

Der Gildenmeister, der Faschingskanzler, die Ehefrau und auch die Geliebte des Bürgermeisters und natürlich der Faschingsprinz, stehen ganz oben auf Valentis Täterliste. Für den rechtschaffenen und nach Gerechtigkeit suchenden Reporter hätten sie alle ein Motiv und auch die Möglichkeit gehabt, den Heringssalat zu manipulieren. Doch die Verdächtigen versuchen, den Spieß umzudrehen, und Valenti wird von ihnen als Gast hinter der Bühne des Villacher Kongresszentrums gelotst, wo er Zeuge einer wüsten Orgie wird. Doch Valenti wehrt sich, in diese Kreise aufgenommen zu werden, ermittelt weiter, stellt Fragen, bohrt und kommt so einem skandalösen Treiben auf die Spur, das bis in höchste Regierungskreise reicht.

 

Autor Wilhelm Kuehs versteht es hervorragend, dem Leser bildhaft zu beschreiben, was er beim Schreiben sieht, ohne dabei langatmig oder gar langweilig zu werden. Das Buch liest sich, als gehe man neben dem Erzähler her und beobachte dabei das lautstarke Villacher Faschingstreiben, die unlauteren Machenschaften der Einflussreichen, die Ängste der Opfer und die gefrorene Stille des Wörthersees. Sein Protagonist, Ernesto Valenti, ist dreidimensional, menschlich und sein Auftreten und seine Dialoge sind glaubwürdig. Als Leser ist man auf Valentis Seite, so man kein Politiker oder Geschäftsmann mit einer Leiche im Keller ist. Und man fiebert mit, wer denn der Mörder des Bürgermeisters sein könnte und möchte am Ende auch, dass diese triebgesteuerten und gierigen Subjekte mit Narrenkappen ihre gerechten Strafen erhalten.

 

Und wenn der Autor in seiner Nachbemerkung festhält, dass ein Roman keine Reportage ist, dass dabei Elemente der Wirklichkeit transferiert, modelliert und manchmal bis zur Kenntlichkeit entstellt werden, um ein sekundäres System, eine narrative Welt zu schaffen, dann mag das auf seinen Roman zutreffen. Geben wird es solche Täter, die mit so abscheulichen Methoden agieren und sich dazu die Einflussreichen und Mächtigen kaufen, bestimmt, wenn auch vielleicht nicht in Villach.

 

Nach „Der letzte Rock hat keine Taschen“ ein weiterer, großartiger Krimi von Wilhelm Kuehs, der es ausgezeichnet verstanden hat, mich von Anfang bis Ende bestens zu unterhalten.