Fragen zu Burnout

Erstkontakt 13. Februar 2011

 

Habe nach 30 Jahren in einer Bank alles hingeschmissen.Am Dienstag habe ich den 1. Termin beim Nervenarzt. Fürchte mich davor aber ... der Stress in der Bank, war für mich unerträglich geworden und auch mit den Kollegen war kein Auskommen mehr. Es muss doch noch mehr vom Leben geben, oder. Was rätst du mir? Ansuchen um Invaliditätspension? Hätte ein schönes Hobby, aber das interessiert mich zurzeit auch nicht mehr.

 

Danke für deine Zeilen, die mich tief berührt haben. Ich habe überlegt, was ich dir antworte, denn gute Ratschläge verteilen, ist in dieser schwierigen Lebenssituation nicht leicht. Ich hatte das Glück in einem intakten Familienumfeld jegliche Unterstützung zu bekommen, obwohl es mir anfangs schwerfiel damit umzugehen. Alle meinten es gut mit mir, außer ich selbst. Das Paradoxon an Burnout, die einzige Möglichkeit aus dieser verteufelten Lage auszubrechen, ist: an sich zu glauben. Und daran zu glauben, wie du  ja schon richtig erwähnt hast, dass es noch etwas anderes gibt im Leben.


Seit drei Jahren kämpfe ich nun um die Pensionierung, lernte in dieser Zeit viele Psychologen, Psychotherapeuten kennen und habe einen dreiwöchigen Klinikaufenthalt hinter mir. Ich weiß nicht, ob du mein Buch gelesen hast, aber der Aufenthalt in der Psychosomatikklinik in Bad Aussee war für mich die Initialzündung mein Leben wieder in die Hand zu nehmen und einen Ausweg zu suchen, aus dieser Misere. Eines wurde mir aber bewusst: Ich gehe nicht mehr zurück in den Handel.

 

Eines kann ich dir sagen: Vor dem Nervenarzt brauchst du dich nicht zu fürchten. Ich habe sie immer als „Abfalleimer“ gesehen, in denen ich meine Sorgen deponiere und den Deckel anschließend zumache. Klingt vielleicht ein wenig abwertend aber immer noch besser, als andauernd meine Frau und die Kinder mit meiner Lethargie und meinen Mir-ist-alles-egal-Gedanken zu belästigen. Die hatten ohnehin genug mit der prekären Gesamtsituation zu tun. Ich hatte damals Glück im Unglück, denn meine Töchter standen schon mit beiden Beinen in ihrem eigenen Leben und ich war so weit schuldenfrei, was mir den Druck des Geld-beschaffen-müssen ersparte.

 

Mittlerweile habe ich gelernt: Weniger ist mehr. Und ich werde meinen Weg, die Pension zu erhalten, weitergehen. Wenn es sein muss, bis ans Ende. Mein Hobby – das Schreiben – füllt mich aus, macht mir Freude und berreichert meinen Alltag. (Demnächst kommt mein drittes Buch in den Handel).

 

Ich habe seit 2008 einige tausend Kilometer hinter mir: Psychologenbesuche in Graz, Schladming, Trieben usw., PVA Untersuchungen, PVA Kontrolle, Bundessozialamt wegen Behindertenausweis (ja, eine psychologische Störung ist eine Behinderung) und bin mittlerweile bei manchen Mitbürgern als „Sozialschmarotzer“ in Verruf geraten. Aber wie der Buchtitel von Luise Reddemann: „Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“, gehe ich seit meinem ersten Schritt aus der Klinik meinen Weg konsequent, egal was andere darüber denken.

 

Es war auch sehr nervend die korrekte Medikamentenmarke und Dosierung zu finden. Ich weiße gar nicht mehr, was ich alles verschrieben bekommen habe aber jetzt, seit drei Wochen, nehme ich Valdoxan und das, scheint das richtige Präparat für mich zu sein.

 

So, aus meinen paar Retourzeilen ist mittlerweile fast ein Roman geworden (du liest, ich schreibe gerne ;-)) aber nur so kannst du dir vermutlich ein Bild machen, was auf dich zukommen wird, solltest du den Weg in die I-Pension einschlagen wollen. Ich kann nur sagen: Ich würde es wieder so machen, denn im Arbeitsalltag wird sich so schnell nichts ändern. So wie jetzt die Arbeiter und Angestellten ausgebeutet und unter Druck gesetzt werden ..., da gehe ich lieber meinem Weg, auch wenn der nicht immer einfach ist. Aber was ist in so einer Situation schon einfach. Wenn du bis hierhin gelesen hast, wirst du bemerkt haben, dass ich dir keine Ratschläge erteilen werde und auch nicht kann. DU musst selbst entscheiden ... DU bist derjenige, der sein Leben in der Hand hat ... DU wirst die richtigen Entscheidungen treffen und dafür wünsch ich dir und deiner Familie viel Kraft und alles Gute.

 

Apropos: Es muss doch noch mehr vom Leben geben, oder.  

 

Gibt es! Du musst es nur wollen.