Burn-out Mails

Im Laufe der Jahre habe ich viele Mails erhalten. "Wie geht es dir jetzt", waren oftmals die Schlussworte der Schreiber/innen. Ich bin jedes Mal tief berührt, wenn ich E-Mails von Betroffenen eines Burn-out erhalte. Es zeigt mir - leider -, dass keine Besserung hinsichtlich des Leistungsdrucks in der Arbeitswelt eingetreten ist. Ich habe mich deshalb entschlossen, einige dieser Mails, selbstverständlich mit Schutz der Anonymität der Betroffenen, zu veröffentlichen. Eines haben diese Schreiben alle gemeinsam: Furcht vor dem, was auf den Jeweiligen zukommen wird.

Nach wie vor wütet diese Krankheit mitten unter uns und nur zaghaft werden erste Versuche auf Regierungsebene eingeleitet, dieser Seuche endlich Herr zu werden. Solange es Firmen aber nicht möglich ist, ihre Mitarbeiterzahlen zu erhöhen und dennoch Gewinne einzufahren, werden weiter Menschen unter der Last ihrer Arbeit - Ausbrennen.

 

Nachfolgend möchte ich einige E-Mails posten. Kann sein sie helfen  Betroffenen  Antworten zu finden oder sie lesen, dass sie nicht alleine mit dieser Geisel der Neuzeit geschlagen sind.



Email vom 11. Februar 2014

 

Hallo Herr Stadlmann, gerade habe ich ihr Buch "Ausgebrannt" gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen.. Ich hatte auch 2008 ein Burnout und war nach gut 5 Monaten der Meinung, es geht wieder. Auch ich war 3 Wochen in einer Klinik, was mir sehr gut getan und mir wieder Hoffnung gegeben hat. Dann wechselte ich den Arbeitgeber und dachte, alles wird gut. Aber im Oktober 2012 war es wieder vorbei. Wieder Burnout. Aber anscheinend hatte ich doch noch nix dazu gelernt. Nach 4 Monaten wieder in die Arbeit. Jetzt bin ich wieder wegen Burnout zuhause. Was mir an Ihrem Buch sehr gefallen hat, war die Übereinstimmung mit meinem Denken: auch ich bin gut 30 Jahre im Verkauf (Augenoptikerin) und halte die Arbeit mit Kunden kombiniert mit Werbeversprechen und gegensätzlichen Zielvorgaben der Zentrale nicht mehr aus. Manche Kollegen verstehen das nicht. Natürlich habe ich immer wieder LMAA gedacht. Aber auf Dauer funktioniert das nicht mehr. In den 80ern war das noch alles in Ordnung. Aber wie sie schon schreiben: die Kunden sind unverschämt geworden, beschimpfen uns für Dinge, für die wir nichts können, es wird Personal gespart, wo es nur geht (ich stehe z. B. alleine in einer Filiale von Montag bis Samstag, ich kann nur frei nehmen, wenn mir die Zentrale einen Springer vermitteln kann. Da wird selbst ein Friseurbesuch zum Problem. Die Firma macht Werbung mit billigen Preisen, utopischen Garantieversprechungen, die internen Zielvorgaben sehen aber ganz anders aus. Wir sollen nicht mehr als 5% Garantiefälle haben. Wer reklamiert, soll was Neues kaufen. Ziele: momentan das Doppelte des Istzustandes. Zeit für Pause, nicht drin. Ich kann und will auch nicht mehr. Was nutzt es, in der Klinik Fortschritte zu machen und mit den besten Vorsätzen heimzukommen, die man aber wegen der Arbeit nicht umsetzen kann. Die Psychiaterin sagte z. B., wenn der Stress in der Arbeit zuviel wird, ruhig mal 5 Min. auf dem Stuhl sitzend autogenes Training machen. Das geht in der Praxis nicht. Da stehen z. B. 3 Kunden gleichzeitig im Laden: einer braucht dringend seine Brillenreparatur, natürlich sofort und kostenlos, der andere will eine neue Brillen natürlich beste Qualität, die nix kosten darf und der andere will seine fertige Brille abholen, meckert aber, dass sie drückt und teuer war, hat wenig Zeit usw. Gleichzeitig klingelt das Telefon. Da ist kein Platz für Autogenes Training.

Ich habe wieder eine Rehabilitation in einer psychosomatischen Klinik beantragt, damit ich wieder auf die Beine komme. Und wie Sie schon sagen, nie wieder in den Handel. Ich habe es schon geschafft, 2 Bewerbungen als Büroassistenz zu schreiben (die Anforderungen kann ich alle erfüllen), habe aber noch Bedenken, ob das überhaupt klappen kann.

 

Ich werde ihr Buch gleich heute meinem Mann geben, damit er es auch liest. Er unterstützt mich, wo er kann. Aber ich habe oft das Gefühl, er kann mit Depression nicht so richtig umgehen. Wenn er die gleichen Infos von einer anderen Person liest, kann er mich vielleicht auch besser verstehen.

 

Viele Grüße

 

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Hallo Frau XXX,

 

erstmal danke für die lobenden Worte zu meinem Buch. Es freut mich, dass ich so viele Jahre nach der Veröffentlichung noch immer Feedback zu meinen Zeilen bekomme. Weniger freut mich, dass sich in der Arbeitswelt scheinbar nichts verändert hat und so wie Sie es beschreiben, der Druck noch gestiegen ist. Sehr gut kann ich ihren Schmerz und die scheinbare Ausweglosigkeit nachvollziehen. Ich selber habe es bis heute nicht geschafft, wieder Fuß zu fassen, im Arbeitsleben. Seit fünf Jahren bin ich befristet in Invaliditätspension, was einer erdrückenden Schwebesituation gleichkommt, bei der ich alle paar Jahre vor einer Kommission antreten muss und nicht weiß, was weiter mit mir passieren wird. (Heuer im Sommer ist es wieder soweit. Hätte ich genug Geld, ich würde gar nicht hinfahren).

 

In diesen fünf Jahren habe ich auch jede Menge Tipps und Ratschläge von Psychologen und Psychotherapeuten erhalten, wie ich mein Leben wieder in den Begriff bekommen könnte (darüber könnte ich schon ein eigenständiges Buch schreiben), aber der Tipp ihrer "fünf Minuten Psychiaterin" schlägt alles. Daran erkennt man, wie weltfremd manche der so genannten Experten agieren. (Die Dame dürfte wohl selber schon überfordert gewesen sein und hat ihre fünf Minuten Auszeit gebraucht).

 

Vor einigen Tagen besuchte ich eine ehemalige Arbeitskollegin, die wie Sie, seit kurzem als Verkäuferin in der Optikbranche tätig ist. Es war genauso, wie Sie es beschrieben haben! Meine Kollegin ist zwar nicht alleine im Geschäft gewesen, aber eine Brille verkauft man nicht wie eine Extrawurstsemmel, wo es nur zwei Dinge zu klären gibt: mit Senf und Gurkerl? Der Laden war voll und die Kunden murrten über die Wartezeit, einer beschwerte sich etwas abseits über seinen Augenarzt, dem er scheinbar nicht zu trauen schien! Ich winkte meiner Kollegin zu, hielt meinen Daumen ans Ohr und meinen kleinen Finger an den Mund.

 

Wenn ich es vermeiden kann, meide ich Besuche in Geschäften und den in Einkaufszentren im speziellen. Die Hektik, das Gewusel, das Stimmengewirr erinnert mich jedes Mal ans Weihnachtsgeschäft. Und Weihnachten (ich hasste Weihnachten) beginne ich erst seit der Geburt meines ersten Enkelsohnes wieder durch andere Augen zu sehen und ich bin dankbar, dass mich meine jüngere Tochter vor zwei Jahren zum Großvater machte. Seit diesem Tag vermute ich, das Großvater von großartig abgeleitet wurde. :) Am 2. Februar dieses Jahres wurde ich noch großartiger und meine ältere Tochter hat einen gesunden Enkelsohn zur Welt gebracht.

 

Zurzeit lese ich sehr viel (hauptsächlich Krimis) und da haben mich heute Vormittag ein paar Zeilen von Thomas Raab sehr nachdenklich gestimmt: Immer dann, wenn ein Verlust vorliegt, ist auch der, der etwas verloren hat, ein Verlorener. Der größtmögliche Verlust in unserem jämmerlichen Dasein ist das Abhandenkommen des Daseins selbst.

 

Und genau gegen dieses Abhandenkommen gilt es anzukämpfen! Denn auch wenn mir mein Dasein schon des Öfteren "nur mehr" jämmerlich vorkam, so wurde ich doch immer wieder überrascht, welch wunderbare Wendungen es für mich bereithielt. Und darum finde ich das Leben sehr wertvoll, auch wenn es uns manchmal nicht so vorkommen mag.

 

Oft wurde ich in den letzten Jahren gefragt, ob ich mein Burnout überwunden habe. Meine Antwort war: "Ich weiß es nicht, an manchen Tagen fühlt es sich nicht so an, aber ich bin dankbar und glücklich, dass ich meine Familie habe. Sie gibt mir Halt."

 

Diesen Halt wünsche ich auch Ihnen und alles erdenklich Gute.

 

Liebe Grüße

Alfred Stadlmann

 


Nachricht: September 2013

 

Guten Tag und hallo,
durch Zufall bin ich auf deine Seite gestoßen. Ich hatte nach dem Thema Burnout gesucht. Was ich nun von dir darüber lese, macht mir bewusst, dass ich noch ganz tief und mitten drin stecke in diesem Tal der Tränen. Ich war 2012 sechs Wochen lang in einer psychosomatischen Klinik, habe mich dort recht gut erholt, fühlte mich nach langer Zeit wieder herrlich leicht, ganz ohne Schmerzen. Aber nicht stabil. Was sich leider bestätigte. Kaum zurück am Arbeitsplatz, kamen innerhalb weniger Tage die Schmerzen und die völlige Erschöpfung zurück. In meiner grenzenlosen Verzweiflung, ohne Verständnis oder Unterstützung - nicht einmal in der Familie - kündigte ich meinen Job. Dachte, nun wir alles gut. Doch der Druck dringend eine neue Stelle finden zu müssen, die Angst, dass bald das Geld nicht mehr reicht, dazu eine unglückliche Liebesgeschichte, gaben mir den Rest. Ich wollte nicht mehr aus dem Haus, verbrachte Tage nur im Bett. Mit letzter Kraft suchte ich eine Psychiaterin auf, die mich sofort wieder in eine Klinik einweisen wollte. Aber ich mochte nicht schon wieder ganz von daheim weg und so einigten wir uns, dass ich eine Tagesklinik aufsuchen würde. Dort verbrachte ich dann acht Wochen. Ergotherapie und Qi Gong taten mir gut, aber geholfen hat es mir nicht. Die verordneten Cymbalta setzte ich nach einiger Zeit wieder ab, weil ich die Nebenwirkungen nicht ertragen wollte. Nun mache ich seit einigen Wochen regelmäßig in einer Verhaltenstherapie. Aber der ständige Druck von außen und der von mir selbst verursachte lassen mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Inzwischen bekomme ich auf Dauer Teilerwerbsminderungsrente und bis 2016 die volle Erwerbsminderungsrente. Dadurch sind meine finanziellen Mittel natürlich sehr begrenzt und die Tatsache, mir eine günstigere Wohnung suchen und wenigstens die erlaubten paar Euro dazu verdienen zu müssen, ist der absolute Stress für mich. Ich fühle mich sehr unverstanden und alleine gelassen mit der ganzen Problematik.

Das war nun doch ein längerer Text als beabsichtigt ... :-)

Viele Grüße, lass' es dir gut gehen!

Antwort:

 

Hallo,

 

deine Mail hat mich tief berührt und mir vor Augen geführt, was ich damals, als ich noch tief im Burnout steckte und in der Klinik war, schon gewusst hatte - zurück in den Job ist für die meisten ein Ding der Unmöglichkeit. In meinem Buch habe ich ja von einem Mitbewohner in dieser Psychosomatikklinik geschrieben, der bereits das vierte Mal dort war. Jedes Mal, nachdem er eine zeitlang gearbeitet hatte, fiel er erneut ins Burnout.

 

Es ist aber auch nicht leicht, so wie ich zuhause zu sitzen und als befristet Pensionierter kein Auskommen mit dem Einkommen zu haben. Zudem musste ich mir eine Beschäftigung suchen, sonst wäre ich an die Decke gegangen. Einerseits war es das Schreiben und seit mein Enkelsohn (ist jetzt 19 Monate alt und ganz vernarrt in seine Großeltern) da ist, fällt mir das nicht mehr schwer. Ich helfe auch manchmal einem Freund, der eine Onlinezeitung (BLO24.at) betreibt und schreibe ihm den einen oder anderen Bericht. Natürlich ohne Bezahlung, rein der Beschäftigung wegen. Mit dem Dazuverdienen ist das nämlich so eine Sache. Man weiß ja nie, wie das in der Pensionsversicherungsanstalt interpretiert wird - der ist ja doch arbeitsfähig, oder so. Die Damen und Herren können ja in niemanden hineinschauen, und so werden sie auch nie sehen, dass ich mit dem Druck in der Arbeitswelt - sollten sie mich als Erwerbsfähig einstufen - nicht mehr klar komme. Zu meinem Freund kann ich sagen: "Tut mir leid, die nächsten Tage schreibe ich nichts, will ich meine Ruhe, ich kann gerade nicht mehr." Was ein Vorgesetzter dazu sagen würde, brauche ich dir ja nicht zu erläutern.

 

Aber so ist das nun mal mit dieser Krankheit. Du hast es in deinem letzten Satz ja gut auf den Punkt gebracht - Ich fühle mich sehr unverstanden und alleine gelassen mit der ganzen Problematik. Die Problematik ist, dass wird wahrscheinlich auch so bleiben, und nur mit eigener Kraft, werden wir unser Gleichgewicht wieder herstellen. Es gibt auch in meiner Stadt schon gewisse Leute, die nicht einmal mehr hinter meinem Rücken über mich schimpfen. Erst vor kurzem wurde ich in einem Lokal angemotzt und ein Typ, für den ich in jungen Jahren ein Held war, als ich mit meiner Rockband vor ihm auf der Bühne stand und ihm seine Sorgen wegspielte, sagte zu seinem Nebenmann: "Der schon wieder, ich halt den nicht mehr aus, mit seinem Burnout". Es tat weh, trotzdem werde ich mich weiter unters Volk mischen und versuchen, meinen Eremitenstatus abzuschwächen. Ich halte es in so einem Fall eben mit einem Song der Ärzte: "Lass die Leute reden".

 

Ich habe meine Familie, gestalte meine Zukunft selbst, habe gelernt mit weniger auszukommen und wenn es mich manchmal zwickt, wenn ich denke, dass ich nicht mehr vorwärtskomme und wieder rückwärts wandere, dann habe ich meist mit irgendjemanden ein konstruktives Gespräch oder bekomme ein aufrüttelndes Mail wie deines. Und dann weiß ich, da draußen sind Menschen wie ich, die haben dieselben Probleme mit ihrem Burnout und dann denke ich: Aufgegeben wird ein Brief und den schlechten Tagen folgen wieder gute, man muss nur geduldig sein und die Zeit als Verbündeten sehen, als Freund. Auch Freunde haben nicht jeden Tag gute Laune.

 

So, jetzt erging es mir wie dir und mein Text wurde länger als geplant. Aber es tat gut, die Seele über die Finger in die Tasten wandern zu lassen.

 

Ich wünsche dir, dass du dich bald wieder freuen kannst, wie ein kleines Kind sich über einen Regenbogen freut, wenn es ihn zum ersten Mal sieht.

 

Liebe Grüße

Fred


Nachricht: 27. 09. 2012

 

Lieber Alfred!

Als dein Buch "Zeit der Tränen" herauskam hab ich es mir, aus sagen wir mal "Solidarität zu einem Liezener", gekauft. Ich/Wir kannten uns vom sehen und ich hab von dir gewusst, dass es dich "schwer getroffen" hat. Tja, ganz ehrlich hab ich´s dann begonnen zu lesen aber nicht viel mit dem Thema grundsätzlich angefangen und so verlor es sich ziemlich schnell in meinem Bucherregal. Vor einigen Tagen hab ich es wieder gefunden und in wenigen Stunden ausgelesen und verschlungen - was hat sich geändert?

Bingo: Ich bin mitten drin in dieser "Drecksspirale" Ich hab mich sooooooft wiedergefunden in deinen Worten und hab nur gestaunt wie du es so auf den Punkt bringen kannst. Hätte ich die Gabe zu schreiben und meine Gefühle auf Papier zu bringen, wären es wohl dieselben Erlebnisse und Betrachtungen. Ganz besonders dein Besuch beim Chefarzt - wir hatten den selben und ich kann dir versichern, er hat den selben Wortlaut auch nach 4 Jahren nicht verändert. (Außer dass er nur noch Vertretung ist - der "Neue" scheint ja für dieses Thema etwas mehr Verständnis aufbringen). Bin seit Juni krankgeschrieben - zwischendurch mal einen Tag zurück zur Arbeit (Dank Chefarzt) mittlerweile aber wieder daheim. Nun hab ich zum Glück einen früheren Reha Termin bekommen und es beginnt am 10.10. Hab ich doch soooviel Hoffnung in die Reha gesteckt umso größer ist nun meine Angst, Unsicherheit davor. Du hast es ganz treffend beschrieben wie es dir die ersten Tage in Bad Aussee gegangen ist. Ich "sehe" mich förmlich vor mir, wie ich mich durch die Gänge "halloooe!" mit eingezogenem Kopf. Ich hab riesen Bammel und seit dem der Termin feststeht bring ich kaum einen Fuß auf die Erde. 6 Wochen weg von zuhause!!! Alleine wenn ich an Kunst, singen, tanzen nur denke stellts mir die Haare auf ... ich hasse es!

Ich weiß nun nicht mehr wie es weitergeht, ich weiß nur das ich jeden Morgen wieder aufwache und es geht weiter ... Warum ich dir nun genau schreibe weiß ich auch nicht. Wenn du nix damit anfängst lösch es einfach, doch ist die Angst irgendjemand könnte über mich reden auch bei mir sehr ausgeprägt und ich frag warum ich dir schreibe. Bitte verwende meine Nachricht nicht gegen mich ;) Wurscht!!! ich schicks nun einfach ungelesen ab.

Liebe Grüße und ich hoffe wirklich, dass es dir mittlerweile wieder gutgeht!!!!

 

 

Antwort:

 

Liebe XXX,

leider habe ich kein Bild von dir im Kopf, aber tief berührt habe ich deine Zeilen gelesen und mich über deine Offenheit gefreut. Es gibt auch nichts, was man an dieser Krankheit - und das ist sie definitiv - verschweigen sollte. Natürlich weiß ich, wie schwer es dir fällt, darüber zu reden, aber es ist doch ein aufbauendes Gefühl, wenn man es getan hat, oder? Als würde man sich seinen Seelenmüll aus dem Körper reden. Und genau das ist es, was dich in Aussee erwarten wird. Rede darüber, hör zu und versuche dich neu zu orientieren. Das große Problem nach dem Klinikaufenthalt ist, dass du für jedes Psychiatergespräch zahlen musst. Also nutze die Zeit in Aussee um dir alles von der Seele zu reden, was dich bedrückt. Wichtig dabei ist, nichts überstürzen, achtsam mit sich selbst zu sein und diesen Aufenthalt als Chance zu sehen. Mir hat am besten die Stille gefallen, mein Zimmer ohne TV, Radio, Computer und Handygebimmel, da hatte ich Zeit in mich reinzuhören. Auch die Spaziergänge - wie du ja gelesen hast, hatte ich tolles Wetter - haben mich motiviert und ließen mich durchatmen.
Bei mir ist inzwischen gespannte Ruhe eingekehrt (die befristete Pension und mein Schwebezustand diesbezüglich nerven manchmal). Meine Stimmungsschwanken und die damit verbundenen Löcher, in die man dabei fällt, konnte ich extrem minimieren, da ich inzwischen ein neues Motto lebe: Es kommt, wie es kommen wird. Tabletten begleiten mich nach wie vor auf meinem Weg. Und natürlich das Schreiben. Derzeit arbeite ich intensiv an meinem sechsten Buch, dass ich, wenn alles planmäßig läuft, noch dieses Jahr veröffentlichen werde. Ich weiß nicht, ob du auf meiner Homepage warst und in der Rubrik: Burnout - meine Odyssee/burnout bei  Männern gelesen hast. Ich plane eine neue Rubrik, in der ich E-Mails von Betroffenen an mich veröffentliche - Möchte auch dein Mail veröffentlichen natürlich ohne Namen und etwaige Hinweis auf Arbeitsplatz oder Wohnort (Wenn du es nicht Ok finden solltest, schick mir bitte ein Mail und ich lösche es wieder). Diese Rubrik soll rein die Stimmung Betroffener wiedergeben und die Fragen und Ängste aufzeigen. Vielleicht hilft es ja, und irgendjemand in Brüssel geht auf Ideensuche, was man gegen diese immer noch sehr präsente Krankheit unternehmen kann.
Ich wünsche dir das Allerbeste für deine Genesung und möchte dir noch einen Buchtipp geben (du wirst viel Zeit haben zu lesen): Luise Reddemann - Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Also ich habe viel daraus mitnehmen können.
 
Nochmals alles Gute und viel Kraft für deinen Weg aus der Krise. Denke daran, viele vor dir sind diesen Weg gegangen und haben gelernt, dass es nie mehr so sein wird wie früher. Aber war früher nicht die Wachstumsphase unseres Burnout´s? Also wer will da schon, dass es wieder so wird wie früher?
 

 


18.01.2010

 

Hallo Herr Stadlmann, ich bin auf der Suche nach autobiographischen Büchern zum Thema Burnout auf ihr Werk gestoßen. Auf der Suche war ich, weil es mir zurzeit wie Ihnen damals geht. Zu finden war nicht viel und ich bin dankbar Ihr Buch gefunden zu haben. In so vielen Situationen sehe ich mich wieder, erkenne Symptomatik und Gefühle. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Buch, vor allem habe ich reflektiert, dass ich in Zukunft in Geschäften niemanden aus der Nebenabteilung belaste (gerade in Elektrofachmärkten wie sie schreiben). Menschen, die so ein Buch lesen, können daraus lernen. Ich wünschte, die Menschen, die mir das Leben schwermachen, würden so ein Buch auch mal lesen. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, xxx

 

11.09.2010

 

Nachricht: Lieber Alfred,

ich glaube nicht an Zufälle. Als ich mich am Mittwoch nach langer Zeit mal wieder in einem Forum umsah, stieß ich auf den Titel Deines Buches. Es wurde kurz beschrieben und ich wusste, das Buch muss ich lesen. Mein Mann befindet sich zurzeit in einer Reha. Er ist zum 2. Male am Burnout erkrankt. Um ihn und mich besser verstehen zu können habe ich Dein Buch gelesen. Es hat mir sehr geholfen und ich habe es gestern fast ganz durchgelesen. Da ich im Jahr 2001 einen totalen Nervenzusammenbruch mit Depressionen, Angst- und Panikattacken hatte und mit dem Stimmungsschwankungen noch heute zu kämpfen habe, fand ich mich in Deinen Erlebnissen sehr oft wieder.

Ich danke Dir für das Buch, was mir zurzeit hilft, meinen Mann zu verstehen.

Alles Liebe schickt

 

14.09.2010

 

Hallo,

bin soeben aus Kroatien (Vrsar) heimgekehrt und habe mich sehr über deine Mail gefreut. Es freut mich sehr, dass dir meine Erfahrungen mit dieser gemeinen Krankheit helfen konnten. Es ist natürlich so, dass jeder Betroffene enorme Kraft aufbringen muss um aus dieser Krise zu finden und sein Leben neu zu ordnen. Noch mehr Kraft benötigen allerdings diejenigen, die einem Burnoutopfer beistehen.

Ich wünsche dir und deinem Mann diese Kraft, damit ihr wieder auf die Sonnenseite des Lebens blicken könnt. Die Sonne scheint immer für uns alle, sehen ... können wir sie in Krisen nur selten.

Alles Gute ... und nicht aufgeben. Auch bei mir geht es nur langsam aufwärts, aber es geht aufwärts.

Liebe Grüße

 

21.11. 2010

 

Nachricht: Hallo Fredi,

ich bewundere dich. Dein Buch hat mich fasziniert und ich habe mein Leben voriges Jahr umgekrempelt kurz vorm Burnout. DANKE! Auch ich hatte ein sehr tolles Familienumfeld, Freund und natürlich Eltern!

Wünsche dir und deiner Familie alles, alles Gute für die Zukunft!

 

21.11.2010

 

Hallo,

danke für deine netten Zeilen. Ich glaube, jeder Mensch der den Mut hat sein Leben zu verändern, ist zu bewundern. Und wenn man eine Familie hat, die einem in schweren Zeiten zur Seite steht, kann man sich glücklich schätzen und dankbar sein. Sich zu ändern verlangt viel Kraft und auch Ausdauer. Das du diese beiden Attribute mitbringst, dessen bin ich mir sicher. Oftmals ist es eine Kleinigkeit, ein Auslöser, das den verschleierten Blick des alltäglichen Lebens durchdringt und Glück und Zufriedenheit im Innersten einkehren lässt.

Ich möchte auch dir und deiner Familie alles Gute für die Zukunft wünschen.

Liebe Grüße

Fred

 

5.01.2011

 

Nachricht: Hallo lieber Alfred Stadlmann !

 

Wir kennen uns ja auch schon von der Niedermeyer-Zeit her sehr gut. Ich habe Dein Buch mit Genuss gelesen. Mir ist es vor vielen Monaten auch so ähnlich gegangen wie dir, aber ich habe ausgelassen (nach 31 Jahren bei der gleichen Firma) weil ich wusste, ich kann nicht mehr (rein persönliche Probleme). Seit diesem Zeitpunkt November 2008 bin ich am " Markt " der Alten und nicht mehr Gefragten. Bin aber sowohl bei AMS als auch im Gesundheitswesen in guten Händen. Würde mich auf ein Plauscherl in Liezen bei einem Cafe sehr gerne mit dir unterhalten. Nur wenn es dir nichts ausmacht. Ich komme am Mittwoch wieder nach Liezen und würde nach 13 Uhr Zeit haben, vorausgesetzt du hättest diese auch für mich. Ansonsten klappt es vielleicht ein anderes Mal.

Für das neue Jahr wünsche ich Dir, Deiner lieben Frau und euren Kinder alles Gute.

 

14.07.2011

 

Hallo Herr Stadlmann

Habe ihren Bericht "Keine Angst das wird schon wieder" gelesen. Bei mir läuft's genauso. Getraue mich immer seltener einen flotten Marsch zu verrichten, weil ich Angst hab', die anderen denken "jetzt spinnt sie wieder", obwohl ich genau weiß, dass es für mich das Beste ist. Schaue schon lange in ihre Seiten rein, sie sprechen mir ganz oft aus der Seele.

Ich kenne zur Genüge, nicht zu genügen! (Zitat von Pierre Stutz)

Denn schon seit 2007 halte ich mit der "normalen Leistungsgesellschaft" nicht mehr mit.

Wünsche ihnen weiterhin viel Kraft und alles Gute

Liebe Grüße

 

16.07. 2011

 

Hallo,

danke erst mal, dass Sie meine Seite besuchen.

Habe mich über Ihre Zeilen gefreut und ja, es ist nicht immer einfach mit der Leistungsgesellschaft mitzuhalten. Vermutlich noch schwerer, wenn man wie wir Zeit gehabt hat, darüber nachzudenken, was alles schief läuft in dieser gehetzten Business-Welt. Dieses – immer schneller – wird uns alle noch irgendwann überholen. Tja, irgendwie bin ich sogar froh, dass ich da nicht mehr mitkommen muss, trotzdem denke ich oft an die Menschen, die diesem täglichen Stress ausgesetzt sind und dann irgendwann ausbrennen werden.

Dass das ein schweres Los ist, wissen wir. Und so schreibe ich auch weiterhin meine Gedanken auf meine Homepage, ungeschminkt und klar, mehr kann ich nicht tun, weil mit öffentlich mahnenden Auftritten dagegen anzukämpfen, dazu fehlt mir die Kraft. Aber spazieren gehen, in den Wald ... sollen die anderen doch denken „der spinnt“. Wenn mir danach ist, dann gehe ich eben.

Wünsche Ihnen ein sorgenfreies, entspanntes Wochenende

Alfred Stadlmann

 

16. 07. 2011

 

Hallo Alfred,

Danke für ihr Zurückschreiben.

Möchte ihnen gerne noch ausrichten, dass jedem, den es in derartig schweren Ausmaß mit Burnout, Depressionen und allem was noch dazugehört getroffen hat, höchstwahrscheinlich die Kraft für öffentliche Auftritte fehlt. Gerade deswegen wirken sie sehr authentisch und sympathisch, weil sie niederschreiben wie es eben ist. Und totzdem dringt zwischen ihren Zeilen immer wieder guter Humor durch. Auf diese Art und Weise über eine derart schwierige Lebenssituation zu schreiben, gefällt mir persönlich sehr.

Wünsche ihnen einen gemütlichen Sonntag

 

10.08. 2011

 

Frage: Hallo, ich grüße Dich!

 

Mit großem Interesse habe ich Deinen Artikel zum "Burnout" gelesen. Als Betroffene suche ich nach Möglichkeiten aus dieser Einsamkeitsschiene heraus zu kommen???

Ausgebrannt aus dem Beruf (Medizin) getreten suche ich den Austausch mit Menschen und ähnlichem Strickmuster. Dein Buch werde ich mir bestellen und über eine Antwort freue ich mich.

Lieber Gruß von

 

10.08.2011

 

Hallo,

tut mir leid, dass es dir so ergangen ist. Mit dieser Einsamkeitsspirale, wie du schreibst, ist es schon schwierig umzugehn. War ich am Anfang meines Burnouts noch froh darüber, endlich meine Ruhe zu haben, wurde es, nachdem ich mich stabilisiert hatte ganz schlimm. Das war nach etwa acht Monaten. Da wollte ich dann raus, unter Leute gehen und schaffte es nicht mehr. Nach Erscheinen meines Buches im Sommer 2009 war es dann ganz schlimm und ich befand mich, durch den Veröffentlichungsdruck denn so ein Bekenntnis auslöst, in einer Rückwärtsspirale. Gott sei Dank hatte ich meine Familie.

Der Austausch mit Gleichgesinnten ist eine gute Sache und ich habe auf meiner Homepage einige Links zusammengefasst.

http://www.steirerbua.at/burnout-meine-odyssee/burnout-praevention/

Wirklich helfen kannst du dir aber nur selbst, indem du den Glauben nicht verlierst und positiv Denkst. Ich weiß, dass ist so leicht gesagt oder geschrieben. Während meines Klinikaufenthaltes in Bad Aussee, habe ich viele Menschen gesehen, die noch tiefer drinnen waren, denen es noch schlechter ging als mir. Ich habe sie mir als Vorbild genommen. ??? Klingt blöd, nicht?

Ich habe in meinen weinerlichen Situationen immer an diese Patienten gedacht, und des Öfteren auch an Menschen die Krebs haben, Kinder die Krebs haben, furchtbar, wie ich finde. Aber ich habe mich so motivieren können, dass es schlimmeres gibt, als mein Burnout. Und das liest und sieht man ja heute an jeder Ecke. Ich habe heute, nach drei Jahren, auch noch manchmal meine „Durchhänger“. Sie sind seltener geworden und kommen meist dann, wenn ich mir vorstelle: meine befristete Pension wird mir entzogen und ich stehe vor dem Nichts.

Gut, nichts ist vielleicht ein wenig hochgegriffen, ich habe meine Familie und mein Heim und ich habe meine „Schreiberei“, wie es meine liebe Frau immer so salopp formuliert. Die ist wichtig für mich, weil Ablenkung und Freude zugleich. Ich kann mir nicht vorstellen wieder in den Arbeitsalltag einzutreten, nach drei Jahren daheim, aber, und das wurde zu meinem Motto: Es kommt wie es kommt. Seit ich meine Medikamente regelmäßig nehme, geht es mir auch besser. Ich hasse Pillen einnehmen, aber noch mehr wenn ich an einem sonnigen Tag nur Nebel sehe. (Beim derzeitigen Wetter, na ja).

So, jetzt habe ich dir einiges erzählt und hoffe, du kannst für dich etwas herausnehmen. Würde mich über eine Rückmeldung freuen, wenn du mein Buch gelesen hast.

Wünsch dir viel Kraft, viel Ruhe und dass du deinen Weg finden wirst.

Liebe Grüße

Alfred Stadlmann

 

 

weitere folgen ...


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