Burnout kann man nicht schoensaufen

 

Ein etwas skurrile Überschrift, das muss ich zugeben, aber wahr ist sie allemal. Eine Reise, eine Seereise mit Freunden, etwas Außergewöhnliches wollte ich machen, um mein neuerlich aufkommendes Burnout in die Schranken zu weisen. Ich hatte mich wieder einmal verrannt in meinem Dschungel der Gefühle und Emotionen, hatte mir Druck aufgeladen dies und das zu tun und glaubte, ich bin ja schon über dem Berg. Mein Zeitmanagement, das ich noch nie wirklich im Griff hatte, zeigte mir dann meine Unzulänglichkeiten in beeindruckender Weise auf, indem es mich an den Rand eines Zusammenbruchs führte. Nur weg, dachte ich, nur mehr weg von hier und atmen, frei und ungezwungen atmen und mir meine morbiden Gedanken vom Wind aus dem Schädel blasen lassen. Die letzten Monaten waren die Hölle für mich gewesen und ich verlor langsam den Bezug zu dem was das Wichtigste für mich war und sein sollte: meiner Familie und meinen Zielen, die ich mir im im Jahre 2008 gesetzt hatte. Wozu hatte ich denn ein Buch geschrieben über Burnout? Vielleicht war es ja an der Zeit es selbst wieder einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen. Selbstverliebt, egozentrisch und mich immer mehr ins Abseits treiben lassend, wurde die Last auf meinen Schultern zu tonnenschweren Granitblöcken. Ich saß stundenlang vor meinem PC und tippte Tag für Tag was das Zeug hielt. Ideen zu Artikeln, Szenen für Bücher, Gedanken für meine Homepage und und und ... Mein Rücken schmerzte, das Einschlafen fiel mir schwer, von Spaziergängen und Entspannungsübungen keine Rede mehr. Für mich bräuchte ein Knastdirektor keine elektronische Fußfessel, ich ging ja ohnehin nicht mehr vor die Türe. Dort, wo vor einem Jahr schwach das Licht der Zuversicht brannte, dieses Burnout nun endlich besiegt zu haben, stieg nur mehr feiner Rauch auf, erloschen war die Flamme, verbrannt - AUSGEBRANNT.


Und was hatte dazu geführt? Meine Disziplinlosigkeit, mein Ego, das es mir nicht gestattet, ein einfacher Mensch zu sein, einer, der mit dem was er hat zufrieden ist, einer, der nicht einen Phantom hinterherjagt das ihm in den Nächten suggeriert: du kannst Bücher schreiben, du bist gut darin! Dabei fehlt es schon an den Grundvoraussetzungen wie: Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung. Doch ich wäre nicht ich, würde ich es nicht mit dem Kopf durch die Wand versuchen. „Scheiß auf Burnout, und alles was damit zusammenhängt! Ich renne doch nicht dauernd zu einem Psychologen, nur damit der mir sagt: spazieren gehen, entspannen, wenig bis gar kein Alkohol ... da kann ich ja gleich springen, oder? Was habe ich den von meinem Leben, wenn ich mir alles verbiete?“ Diese Lebenslust ist es, die mich immer wieder in Situationen bringt, denen ich dann nicht gewachsen bin. Natürlich würde ich es eine Zeitlang schaffen, genau das zu tun, was Ärzte und Psychologen von mir verlangen. Ich habe das sogar schon gemacht. Alle Leitungen zur Außenwelt gekappt und mich eingeigelt in meiner Wohnung. Aber wie lange hält man das aus? Wie langen kann ich meine Freunde anlügen: „Mir geht es nicht gut. Ich habe keine Zeit, weil ...“ Irgendwann hat man keine Freunde mehr, die man belügen kann. Und auch wenn sich manch einer jetzt denken wird: „Wahre Freunde verstehen das!“ Das mag sein, aber ich verstehe es nicht, dass sie es verstehen könnten. Aus diesem Satz wird schon ersichtlich was für schräge Gedanken mich tagtäglich heimsuchen. Und nicht nur bei Tag sondern meistens in der Nacht, was das Schlimmere für mich ist. Natürlich habe ich meine Tabletten aber ... und jetzt kommt es: ich will nicht andauernd Tabletten nehmen! Ich will nicht abhängig werden von der Pharmazie, wie ein Junkie, der sein Leben verkorkst hat mit Drogenkonsum und nun sein Substitol braucht um über die Runden zu kommen. Ich will mein Leben selbst bestimmen und meine Entscheidungen bei klarem Verstand treffen. Und hier liegt die „Krux“ bei Burnout: man will, aber man kann nicht. Man wünscht es sich und versagt dann meist kläglich, ich jedenfalls. Auf meiner Seereise habe ich die Tabletten heroisch abgesetzt. Ich dachte: „da hast du genug Eindrücke auf die du dich konzentrieren kannst. Gespräche mit Freunden, das weite Meer, fremde Länder, fremde Menschen und Kulturen, Herausforderungen durch die Natur usw. Wieder daheim kam ich mir vor wie James T. Kirk auf der Brücke seines Raumschiff Enterprise (Ich natürlich auf unserem Balkon). Allein auf der Brücke auf ein riesengroßes schwarzes Loch zufliegend. Seither nehme ich zumindest eine meiner beiden Tabletten wieder, die Valdoxan, mit Seroquel bin ich eher sparsam, die nehme ich nur wenn ich ein paar Tage nicht mehr schlafen konnte. Weil diese Seroquel vertragen sich nicht mit dem Alkohol, ich habe das zu spüren bekommen.

 

Und damit wäre ich auch schon beim Thema: Burnout kann man nicht „schönsaufen“, glaub mir, ich habe es versucht. Man kann das Burnout zwar ein wenig ärgern, indem man seine Gedankengänge durch Zufuhr von alkoholischen Getränken verstopft, doch wenn das Burnout in der Promillebrühe schwimmen muss, dann wird es zornig und am nächsten Morgen umso aggressiver, weil wie ich schon sagte: „ein Burnout kann man nicht ersäufen“. Mit Disziplin kommt man da schon eher weiter. Spaziergänge, Entspannungsübungen, Lesen, Turnübungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur, gefallen einem Burnout nicht, weil es in den Hintergrund gerückt wird. Auch positive Gedanken sind Gift für ein Burnout und es scheut sie wie der Teufel das Weihwasser. Man sieht, es gibt schon einige Möglichkeiten um ein Burnout zu besiegen und die Zeit kann dabei sehr hilfreich sein.


Wenn man jedoch ein wankelmütiger Mensch ist, so wie ich einer bin, dann lacht einen das Burnout aus und denkt sich: Der wird es nie kapieren. Der wird jede Idee zur schnelleren Heilung intensiv verfolgen, sich bei Nichtgefallen von ihr abwenden und sich dabei in sich selbst verrennen, so verrennen, dass ihn bald die Dunkelheit seines Seelenlebens ersticken wird.


Ich versuche nun, zum was weiß ich wie vielten Mal, mein Burnout langsamer und hintergründiger zu überlisten. Ihm Zeit zu geben sich in Sicherheit zu wiegen und wenn die Zeit da ist, ihm den Todesstoß zu versetzen. So wie es das Burnout mit mir immer wieder versucht. Es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen und am Ende wird jemand verlieren. Ich hoffe nur, dass ich am Ende siege und in die Welt hinausschreien kann: „Der Tag ist gekommen, damit hast du wohl nicht gerechnet ... du ... du ... Scheiß-Burn-out du!“

 

Liezen, 14. Juni 2011


und dieses Burn out lässt nicht locker ...