Psychologie?

Jeder von uns hat so seine Vorstellung davon - ich die meine.

16. Oktober 2012

 

Dass Hubble-Teleskop blickt, der Wissenschaft sei Dank, tief ins All, in fernste Galaxien, um uns wunderbare Bilder von nebulösen Sternenwelten zu liefern. Die Schallmauer wurde soeben zum ersten Mal von einem Menschen im freien Fall durchstoßen. 1969 wurde der Mond betreten, ein Ausflug zum Mars ist in Planung. Die Tiefsee wurde von Menschen in Tauchbooten bereist und fantastische Lebewesen auf Video gebannt.

 

Forscher und Techniker sorgen ständig für Neuentdeckungen und aufsehenerregende Events. Und dennoch, es gibt einen Flecken, den keine Sonde erreichen, den kein Messinstrument ertasten und kein Mediziner sezieren und folglich analysieren kann. Er liegt gut versteckt, tief in uns und nennt sich – Seele. Erforschen wollten diesen Flecken, das Mysterium menschlichen Seins, schon viele, allen voran Dr. Sigmund Freud. Von „Psychoanalyse“ sprach Sigmund Freud erstmals im Jahr 1896 und er schrieb in den 1920er Jahren zahlreiche Bücher zu diesem Thema, die seinen internationalen Ruhm als Psychoanalytiker festigten. Doch auch Freud tappte zuweilen im Dunkeln, wenn ihm sein Gegenüber nur gedankliche Lichtblitze servierte und ihm so das Erfassen der seelischen Zusammenhänge erschwerte.

 

In zahlreichen psychologischen Sitzungen konnte ich als Patient feststellen: Niemand kann in eine Seele vordringen, wenn der Besitzer die Türe ins Eigene ICH nicht öffnet. Fragen wurden mir zuhauf gestellt, doch warum sollte ich wahrheitsgemäß antworten? Die Angst, weggesperrt zu werden, einen längeren Aufenthalt an einem Ort verpasst zu bekommen, den Medizinern dort als Versuchskaninchen zu dienen, all das stärkte mein Schloss an der Tür zu meiner Seele, und der Schlüssel dazu liegt gut verborgen in meinen Gedanken. Geheimnisse, Beweggründe, das Warum und wieso, Triebe, Ängste, Bedürfnisse, Wünsche, all das was mich ausmacht, liegt in den verwinkelten Gängen meiner Seele versteckt, so gut, dass ich sie manchmal selber nicht mehr aufspüren konnte. Und wenn dem so war, überkamen mich Emotionen, die verschiedenste Auswüchse und Schattierungen hatten, je nachdem was ich gerade suchte.

 

An guten Tagen, wenn ich meiner Seele einen Besuch abstatte, finde ich immer den Schalter und ein Licht erhellt die Gänge, und es ist ein helles freundliches Licht, das mich an meinen dunklen Gängen vorbeiführt und mich wunderbare längst vergessene Tugenden finden lässt – Liebe, Freude, Freundlichkeit, Mut, Zuversicht. Dann frage ich mich jedes Mal: Warum kann es nicht immer so sein? Warum besuche ich mich auch dann, wenn ich den Schalter nicht finden kann und die Dunkelheit auf mich wartet? Dann ist es in mir dunkel wie in einem Bärenarsch und es riecht auch so. Und diese stinkende Dunkelheit macht mich zornig, dann würde ich am liebsten auf der Stelle vergehen, um meinem Umfeld meine nichtssagende, destruktive Fresse zu ersparen, aus deren Leere niemand Schlüsse ziehen kann.

 

Und wäre in mir nicht dieses zarte Licht, das oft in den schwärzesten Stunden meines Daseins die Dunkelheit erhellte, wer weiß, wozu ich fähig gewesen wäre. Doch es ist da, keiner sieht es, nur ich, und seit Kurzem kann ich auch seine aufkeimende Wärme spüren. Mit jedem Tag, denn ich durchhalte, an mir arbeite und positiv Denke, wird es stärker. Nicht unwichtig dabei war mein gewähltes Motto: „Es kommt, wie es kommt“, dass ich bei einem meiner Besuche in einem geheimen Gang meiner Seele versteckte. Dort, wo keine Dunkelheit hinkommt, wo niemals Dunkelheit herrschen kann, weil das Licht über diesen Gang wacht und der Dunkelheit Einhalt gebietet.

 

Nur das Licht und ich kennen diesen Ort ... Psychologie?