Reich werden, auf Kosten Betroffener

Das klingt hart und ich habe darüber nachgedacht

 

Im Juli ... jeden Tag ein Burnout-Buch verkauft.

 

Soll ich mich jetzt freuen oder soll ich den Kopf schütteln? Scheinbar vermehrt sich Burnout nach wie vor mit rasender Geschwindigkeit, da sich die Leser auf Amazon jeden Tag mindestens ein Buch zu diesem Thema bestellen. Quatsch, es werden wesentlich mehr bestellt, ich rede hier von meinem Buch: Zeit der Tränen – Ausgebrannt, welches seit Anfang August 2009 bei Amazon und im Buchhandel erhältlich ist. Aber heute ist der 8. Juli 2011 und ich habe bis dato 8 Exemplare meines Burnout Buches verkauft. Und da kommt mir plötzlich der Gedanke: „Reich werden auf Kosten Betroffener? Auf Kosten kranker Menschen? Ist das nicht abartig, wo ich doch selber manchmal daran leide?“

 

Woher ich das weiß, dass ich jeden Tag im Juli ein Buch verkauft habe? Ich bin im Internet auf eine Seite gestoßen, die sich http://www.novelrank.com/ nennt. Auf dieser Seite kann sich ein Autor anmelden und die Verkaufszahlen seiner Bücher bei Amazon einsehen. Das geht Tagesaktuell aber auch Monat und Jahr lassen sich statistisch verfolgen. Ich habe mich im Mai 2010 angemeldet und verfolge seither von Zeit zu Zeit wie sich mein Burnout Buch verkauft.

 

Monthly Sales Estimates: Amazon.de

,2011-July,2011-June,2011-May,2011-April,2011-March,2011-February,2011-January,2010-December,2010-November,2010-October,2010-September,2010-August,2010-July,2010-June,2010-May

Zeit der Tränen – Ausgebrannt: ,8,20,18,11,15,12,20,20,26,23,22,18,17,22,23

 

Statistisch gesehen geht es anfangs der Urlaubszeit ein wenig zurück, so war es zumindest im Jahr 2010. Ab September steigen die Verkaufszahlen an und gipfeln mit 26 Exemplaren im November 2010, was mich jedoch nicht wunderte. Die nasskalten Herbsttage sind ja prädestiniert dafür in Burnouterkrannten ein Gefühl von Endzeit und Ausweglosigkeit zu erwecken, so habe ich es jedenfalls immer empfunden. Der Mehraufwand an Arbeit, das bevorstehende Weihnachtsfest, ja sogar diese ewige Beschallung mit stimmungsaufheiternden Weihnachtsliedern hat mich genervt und dann noch das „Frohe-Weihnachten-wünschen“ und die Kunden anlächeln, obwohl mir bei dem ganzen Stress, dieses Froh-sein und der Frohsinn vergangen sind. Aber das ist lange her. Im Dezember 2010 und Jänner 2011 dann eine Pattstellung, je 20 Exemplare. Ich habe mich einmal gefragt, ob mein Buch im Dezember irgendwo unter dem Weihnachtsbaum gelegen ist. Ist ein etwas schräger Gedanken, wo man Weihnachten doch als „Friede-Freude-Eierkuchenfest“ feiert und sich alle Menschen glücklich in den Armen liegen. Da wird doch Burnout zur Nebensache, oder? Interessant sind dann die stagnierenden Verkaufszahlen im Februar, März und April 2011. Vermutlich war der Fasching dran schuld. Mit seiner Maske, hinter der sich viele jedes Jahr ausgelassen verstecken, versucht er, die an Burnout erkrankten Menschen von ihren Problemen abzulenken. Alkohol und die Gewissheit wieder ein Weihnachtsfest überstanden zu haben, tragen vermutlich dazu bei, dass ein aufkeimendes Burnout für kurze Zeit in den hintersten Winkel der gepeinigten Seele geschoben wird, solange, bis es nicht mehr funktioniert. Weil ein Burnout lässt sich nicht so einfach betrügen oder abschieben. Wenn es raus will, dann kommt es auch raus, wie ich im Jänner 2008 schmerzvoll erfahren durfte.

 

Und jetzt sitze ich hier und schreibe über Statistiken zu meinem Buch über Burnout. Irgendwie pervers, finden Sie nicht auch? Aber nachdem Burnout im Jahre 2010 in allen Medien breitgetreten wurde, ist es wieder ein wenig ruhiger geworden, um diese Menschenbrechende Krankheit. Hie und da ein kleiner Artikel, da und dort ein Statement, ab und zu ein Interview im TV, nichtsagende Floskeln wie: Burnout ist eine schreckliche Krankheit, Burnout muss behandelt werden, ein Burnout muss mit Prävention bekämpft werden, die Wirtschaft ist endlich wieder im wachsen ... Und dann sitze ich nachdenklich vor meinem PC und denke mir: Einerseits ist es ja nicht so schlecht, dass sich mein Buch so gut verkauft, jedoch auf der anderen Seite gibt es da Menschen, an Burnout erkrankte Menschen, denen es vermutlich so geht wie mir im Jänner 2008, und dann zieht sich mein Magen zusammen und angstvolle Gedanken - wo soll das alles noch hinführen, rasen durch meinen Kopf.

 

Burnout Prävention ist wichtig, das ist mir vollkommen klar, nur müssen Betroffene behutsam dabei unterstützt werden und nicht gemoppt, weil sie ihr Arbeitspensum aus „gewissen“ Gründen einfach nicht mehr schaffen und die Welt, so wie sie einmal war, nicht mehr auf die Reihe kriegen. Und da spielt es keine Rolle ob Arbeitswelt, Familienwelt oder eigene Welt, weil wenn ein Burnout so richtig zuschlägt, dann gibt es nur mehr eine Welt – die Scherbenwelt.

 

Und um den eingangs gestellten Gedanken nun zu entkräften: „Ich bin wegen ein paar verkaufter Bücher nicht reich geworden. Ich bin dankbar, dass ich die Kraft bekommen habe, diese, meine Zeilen zu schreiben und an Burnout erkrankten Menschen Mut zu machen. Ich sehe es als meine Aufgabe, jenen, die ein Burnout schön reden, verniedlichen wollen, die Wahrheit ins Gesicht zu schreiben. Schön ist es: wenn man nicht an Burnout erkrankt!“



Burnout-Prävention