SOS - Save our Souls

Wie ist das bei psychisch Kranken?


SOS ist der internationale Seenotruf, den Schiffe tätigen, wenn sie zu sinken drohen und latente Gefahr für die Mannschaft besteht. Sollte ein anderes Schiff in der Nähe sein, „muss“ es sich unverzüglich zur gemeldeten Position begeben, um Hilfe zu leisten und die Menschen zu retten – unentgeltlich, versteht sich.

 

An Land (in meinem Fall Österreich) gibt es verschiedene Notrufmöglichkeiten: Euronotruf, Rettung, Feuerwehr, Polizei und diverse Nummern von Sorgentelefonen. (Eine Liste findet Ihr am Ende dieses Artikels).

 

Hier werden Sie geholfen, würde Verona Feldbusch jetzt trällern. Doch ist dem wirklich so? In den meisten Fällen klappt die telefonische Soforthilfe, aber in psychischer Hinsicht (und da kenne ich mich ja bestens aus) ist das nur sehr schwer der Fall. Natürlich gibt es für psychisch erkrankte Menschen verschiedene Anlaufstellen: Hausarzt, Psychologen, psychosomatische Kliniken, Beratungszentren, Psychotherapeuten, Esoterikstudios ..., die beraten, überweisen, und zum Teil auch langfristig therapieren – nicht unentgeltlich, versteht sich.

 

Wird man als psychisch Kranker ins Sozial-System aufgenommen und durchläuft einen drei- oder sechswöchigen Klinikaufenthalt, wird man dort erst einmal vorsichtig wieder geradegebogen, soweit das möglich ist. Nach der Entlassung hat man, je nachdem ob man den Job hingeschmissen hat oder nicht, Zeit nachzudenken, sein Leben in Zukunft bewusster zu leben oder sich in seinem Job nicht mehr so drangsalieren zu lassen. Viele sind nach kurzer Zeit damit überfordert und gerade erneut in die Burnoutspirale.

 

„Da draußen ist eine andere Welt. Da wird nur anfänglich Rücksicht auf euch genommen, bis die kollegiale Hülle der Gleichgültigkeit sich wieder über euren Schreibtisch legt, oder was auch immer Ihr für einen Job habt.“

 

So erzählte es damals ein Mitglied meiner Gruppe bei meinem Aufenthalt in Bad Aussee. Er war das vierte Mal, ich das erste Mal in einer Psychosomatikklinik. Seine Worte hallen noch in diesen Tagen in meinen Ohren und ich war zwischenzeitlich schon des Öfteren geneigt, wieder SOS zu rufen. Job habe ich keinen mehr, bin in befristeter Pension, kann mir auch nicht vorstellen noch einmal durch die Hölle – sprich in den Handel - zu gehen. Was mir auch nicht passieren wird, da ich auf die 54 Jahre zugehe und keiner so einen „psychisch labilen Socken“ einstellt. Und eine Umschulung? Momentan sind Wartezeiten bis zu drei Jahre auf einen Umschulungsplatz und so eine Umschulung dauert zwischen 2 und 3 Jahren. ???

 

Jene die nun aufschreien und meinen: Der hat es gut! Der sitzt zu Hause am Balkon und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen, spaziert, wann und wo er will in der Natur herum, kann schlafen so lange er will, kann reisen, sich die Welt anschauen, mit Freunden zusammensitzen und tratschen, während wir als Systemerhalter seinen Unterhalt finanzieren!

 

Jenen will ich sagen: Er hat es nicht so gut! Sonne nur in kleinen Dosen, spazieren, ja, um auf andere Gedanken zu kommen, reisen, nein, die Welt anschauen?, aus Kostengründen nur am Computer, und Freunde, die Zeit haben zu tratschen, sind auch Mangelware. Und worüber sollte ich denn tratschen? Geschirrspüler ausgeräumt, Wohnzimmer gesaugt, Müll hinuntergetragen, ein wenig gelesen, geschrieben – wenn interessierts? Sind nicht unbedingt Konversationsbringer, diese Haushaltsthemen, wenn ihr mich fragt. Zuhören, ja das geht, das kann ich. So wie die Psychologen, die einem zuhören und vermutlich an ein neues Haus oder einen neuen Wagen denken, der von dem Gelaber, das sie sich jedes Mal reinziehen müssen, finanziert werden soll. Und so eine fünfzig-Minuten-Sitzung, die bringt schon einige Euros für einen psychologisch geschulten Zuhörer. Verdammen? Nein, um Gottes willen, deren Job möchte ich nicht geschenkt haben. Immer mehr zahlungsunwillige Kunden, die psychologische Betreuung auf Krankenschein fordern und sich nicht mehr mit minimalistischen Rückzahlungen der GKK abfinden wollen. Immer mehr Kunden, die den Sinn des Lebens nicht mehr erkennen, sich sogar weigern, an das (versteckte) Gute in der Gesellschaft zu glauben. Und man stelle sich vor: Der Patient verabschiedet sich und erreicht noch einen Zug ..., ein Imageschaden sondergleichen und nicht nur einmal passiert. Notruf geht dann meist keiner mehr ab.

 

Ziemlich sarkastisch, finde ich und vom Thema Notruf bin ich auch wieder meilenweit abgeschweift. Kurzfassen!, schreibt meine Studienleiterin beim Schreibseminar immer. Also gut, hier meine Notrufidee (die mir einfiel, als ich wieder einmal grübelnd am Balkon saß – aus gesundheitlichen (krebsvorbeugenden) Gründen im Schatten!):

 

SMS – Save my Soul

 

Der Betroffene schickt an seinen Seelsorger eine SMS mit der Bitte um Hilfe. Wäre persönlicher und auf die Probleme des Einzelnen bezogen. Egoistisch? Vielleicht, aber manchmal lässt es sich besser aufschreiben, was man fühlt, anstatt es in langen Konversationen einem Therapeuten zu erklären, der an seinem Schreibtisch gegenüber sitzt und sinnsuchend ein paar Buchstaben auf einen Notizblock kritzelt.

 

Na ja! Ich habe es ohnehin nicht so mit dem tippen am Handy. Tasten zu winzig, Qwertz Tastaturlayout meist Fehlanzeige, also bleibe ich am PC sitzen (auch bei Sonnenschein) und schreibe fallweise über das Leben eines auf der Burnout Insel gestrandeten Einsiedlers mit seinen ungeahnten Möglichkeiten. Moment! Da fällt mir noch etwas ein: RMS – Read my Site!

 

Ja! Lesen Sie meine Homepage, dann erfahren Sie, dass ein Leben nach Burnout mitunter auch nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Obwohl, ich komme mittlerweile zurecht, habe zurückgesteckt, brauche nicht mehr Dinge, die man ohnehin nicht braucht.

 

Und so schließt sich der Kreis und ich wäre wieder bei S.O.S, das vor hundert Jahren auf der Titanic auch nicht allen Passagieren geholfen hat. So wie vor hundert Jahren im eisigen Atlantik, treiben dieser Tage Millionen psychisch Kranken im eiskalten Ozean der Geschäftigkeit, der sie auslaugt, unterkühlt und hinabzieht in das ewige Dunkel der Ausweglosigkeit.

 

Mittlerweile wird Burnout sogar von den Medien totgeschwiegen, die sich vor nicht allzu langer Zeit wie Bluthunde auf das Thema stürzten und mit allen Mitteln das System und deren menschliche Ausbeutung anprangerten. Nach wie vor rede ich mit Menschen in verschiedenen Berufen und die Hilfestellungen, einst von Vertretern der Wirtschaft und des Sozialstaates vollmundig angekündigt, sind zu kümmerlichen Floskeln verdorrt. Einsparungsmaßnahmen an Krankenhäusern, Sozialen Einrichtungen, im Handel, an den Schulen, eigentlich allerorts, lassen die Haut der Beschäftigten dünner werden, ja wie Pergament erscheinen. Die Belastungen hingegen steigen täglich weiter.

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das fragile Pergament zerreißt.

 

Geht es der Wirtschaft gut – geht es den Menschen gut! 

Hat die Wirtschaft was sie will – zählt der Mensch nicht mehr viel!

 

Manchmal maße ich mir an, Dinge aufzuschreiben, an die ich denke.

 

 

Notrufnummern: Österreich

112    Euronotruf (in Österreich Weiterleitung zu Polizei)

122    Feuerwehr  

133    Polizei

144    Rettung

128    Gas Notruf

01 406 43 43   Vergiftungszentrale AKH

0800 133 133 SMS Notruf an Polizei für Gehörlose. Alternativ E-Mail an gehoerlosennotruf@polizei.gv.at.

147    Kinder Notruf - Rat auf Draht Hotline ORF

142    Telefonseelsorge

01 717 19    Frauen Notruf

01 313 30    Psychiatrische Soforthilfe

140    Bergrettung

122    Wasserrettung (Alarmierung über Feuerwehr)

3686/20500 ÖRD Rettungshunde

141    Ärztenotdienst     

01 406 43 43 Vergiftungen Informationszentrale

120 (01 25 120 00) Pannenruf ÖAMTC - Schutzbrief Notruf

123 Pannenruf ARBÖ

 

0800 2048800

Bankomat Kartensperre

Maestro Kartensperre

 

0800 900940

01 501 35

01 717 01 4500

01 711 110

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