Wer bin ich denn ...

... ist eine wirklich gute Frage. Ich weiß es selbst nicht mehr und ich habe schon lange nichts mehr gepostet, was meine Situation, mein Burn-out betrifft. Ich weiß nicht, wie viele Tage ich nun schon zu Hause bin, Jahre sind es etwas mehr als vier, und ich will mich auch nicht beklagen über die damit einhergehende: Orientierungslosigkeit, Einsamkeit und Umschulung zum Hausmann. Ich wollte in meinem neuen Leben so vieles und habe so wenig daraus gemacht, vielleicht weil die Angst erneut zu versagen mich vorankommen ließ, wie eine Schildkröte mit Arthritis auf Futtersuche.

 

Ausgebrannt, ja das war ich. Danach war ich durstig, nach Liebe, nach Zuwendung, nach einer Aufgabe, nach Erfolg, nach Lob ... Jetzt brenne ich wieder, und die Flamme wird wieder heißer und unkontrollierbar, und mit ihr die Angst, alles zu verlieren und wieder ins Tal der Tränen zu stürzen.

 

Meine Berufsunfähigkeits-Pension wurde bis Juni 2014 befristet verlängert und vor wenigen Tagen sah ich einen Beitrag im Fernsehen zu eben diesem Thema:

http://tvthek.orf.at/programs/71284-ZIB-17/episodes/4372665-ZIB-17/4372669-Aenderungen-bei-der-Invalitiditaets-Pension

 

„IP Neu“ für Alle: Die Reform der Invaliditätspension


Die befristete Invaliditätspension wird vollständig abgeschafft und zwar für alle, die am 1.1.2014 jünger als 50 Jahre alt sind. Die befristete Invaliditätspension läuft also in den nächsten Jahren aus.

 

Ist jemand vorübergehend invalid, d.h. so schwer krank, dass er vorübergehend keine Tätigkeit ausüben kann, dann erhält er eine Krankenbehandlung und Rehabilitationsgeld (verlängertes Krankengeld) von der Gebietskrankenkasse und/oder medizinische Rehabilitation von der Pensionsversicherung. Die Betroffenen werden nicht wie bisher in IPension geschickt, sondern nach einer umfassenden medizinischen Behandlung und ihrer Gesundung wieder in den Arbeitsprozess geschickt.

 

So ein Auszug aus einer anstehenden Änderung zur I-Pension. Der vollständige Text unter: http://www.bmask.gv.at

 

Nun gut, ich bin 2014 fast 54 Jahre, aber was mich an dieser Reform schockiert, dass orientierungslose, hilfsbedürftige Menschen unter Zwang drangsaliert werden sich umschulen zu lassen, sich neu zu orientieren, während skrupellose Geschäftemacher und Lobbyisten weiterhin das Budget plündern.

 

Dazu folgender Auszug aus obigem Schreiben:

 

Ziel: Weniger Invaliditätspensionen, dafür verstärkte Arbeitsmarktintegration von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen. Die geringeren Pensionskosten und ein mehr an Steuern und Sozialversicherungseinnahmen bringen 700 Mio. Euro an Budgeteinsparungen. (Die man auch auf anderem Weg lukrieren könnte – Bankensteuer, Reichensteuer, Finanz-Transaktionssteuer, usw. – aber welcher honorige Politiker würde sich selbst oder gar seinen Freunden in die Tasche greifen?)

 

Seit vier Jahren versuche ich eine „Wiederauferstehung“ und komme mir in letzter Zeit vor, als würde ich in Treibsand feststecken und je mehr ich mich bemühe Land zu erreichen, desto tiefer versinke ich wieder in Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und einem Mix aus – ich schaffe es nicht, ist doch eh scheißegal, irgendwann muss ein jeder sterben.

 

Nicht unerheblich an diesem Zustand ist meine Einsamkeit, die Ziele die ich mir gesteckt hatte, die ich alleine nicht erreichen konnte und die viele Zeit, die ich mit Nachdenken darüber verbrachte. Zudem sah ich irgendwann ein, dass ich, nur weil ich Zeit hatte und mich verbal über mein Dasein erleichtern wollte, nicht jedem mit meinen Sorgen auf den Geist gehen sollte. Die Folge: Ich zog mich in mich zurück, klappte meine Maske wieder hoch, was zeitweilig eine Verbitterung gegenüber der Gesellschaft mit sich brachte, und ich mich nutzlos und alleingelassen fühlte. Aufgrund meines geringen Einkommens musste ich auch die Psychologenbesuche abstellen. 95€ für 50 Minuten reden war einfach zu viel für mich und ich spürte auch kein Vorwärtskommen oder sonstige Besserung nach den Gesprächen. Obwohl mein Psychologe ein sehr netter Mann war, bekam ich nach meinen Erzählungen nicht wirklich sinnvolle Vorschläge von ihm, meine weitere Genesung betreffend – außer, dass er mir St. Radegund empfohlen hatte, wo ich aber partout nicht mehr hinwill. Einmal Psycho-Klinik reicht mir.

 

Interessanter wäre da eine Beratungsstation, wo man hingehen und über seine Wünsche die Zukunft betreffend reden könnte (so wie beichten, nur ohne verstaubten Beichtstuhl). Ich wäre neugierig, was sie dort sagen würden, wenn ich ihnen meinen Wunsch mitteile – ich will Bücher schreiben, und dabei bräuchte ich Hilfe, die nichts kostet, einen Mentor vielleicht, der mir mit Tipps und Tricks und einigen Ideen das Schreiben lernt und mich bei Korrekturen und Lektorat unterstützt. Und ich will von zu Hause aus arbeiten, da ich bei fremden Menschen zumeist ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend habe, was wahrscheinlich daher rührt, dass ich als Verkäufer für viele, mir unbekannte Kunden, über Jahre hinweg den »Poldi« (umgangssprachlich für: Trottel vom Dienst) machen musste und ich heute das Gefühl habe, wenn mir jemand ungerechtfertigt etwas vorhält, ja dann ...

 

Bestimmt würde man nicht sagen: „Aber natürlich Herr Stadlmann, wir sind ja dazu da, um die Träume gefallener Menschen zu verwirklichen, sie wieder aufzurichten und ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Morgen wird sich jemand bei Ihnen melden. Alles wird gut, sie werden sehen.“

 

Und dann kam die Zahnfee ...

 

Im Endeffekt kann man Depressionen und Burn-out nur selber heilen! Mit der richtigen Einstellung, mit Disziplin und vielleicht mit ein wenig Hilfe von außen, bei dem, was man sich vorgenommen hat. Und ich hatte mir vorgenommen, langsam wieder Fuß zu fassen. Ich suchte einen Job, ein paar Stunden unter die Leute kommen, dachte ich, bis zur Geringfügigkeitsgrenze. Angeboten wurden mir:

 

Essen ausfahren – aber keine Zeit mit den Menschen verlieren, die vielleicht ein wenig reden wollen.

 

Ein Securityjob – wo eine Sicherheitsschleuse zu überwachen wäre und die Leute, die durchgehen instruieren, Metallgegenstände aus ihren Taschen zu nehmen.

 

Job´s die zu bewerkstelligen wären, keine Frage, wäre ich in meiner Heimatstadt nicht bekannt wie ein bunter Hund. Und wer will schon von einem bunten Hund, der in befristeter Pension lebt, das Geld arbeitender Menschen verbraucht, sich das Essen bringen lassen oder gar von ihm durchsucht werden. Außerdem warnte mich ein Bekannter: „Sei vorsichtig bei dem, was du anfängst, sonst ist deine Befristung schneller weg, als du Hilfe schreien kannst.“

 

Und somit meine Existenzgrundlage! Wer weiß, auf welche schrägen Gedanken ich dann kommen würde. Also sitze ich wieder auf meiner Gedankenterrasse und mache das, was mein Vater mich gelehrt hat.

 

„Erst denken, dann handeln!“

 

Wie lange muss ich noch denken, ehe ich richtig handeln kann? Warum hat mich die letzten vier Jahre nie jemand angeschrieben, und mich zu einem Gespräch über Job´s und Alternativen eingeladen? Die wissen doch, dass ich zu Hause bin! Haben sie mich schon abgeschrieben? Einen Versuch wäre es wert gewesen, mich zu fragen was mich bewegt, finde ich. Mag sein, dass ich die Maßnahmen, die ergriffen werden um dem Problem Burn-out Herr zu werden, falsch deute. Mag sein, dass ich verstehe, dass Betroffene unterschiedlich auf Zwang reagieren, weil sie unterschiedlich sind. Mag sein, dass ich verbittert und ängstlich geworden bin, und ich mir nicht vorstellen kann, dass das der richtige Ansatz für die Bewältung des Problems "Burn-out" ist ...

 

... aber wer bin ich denn schon.

 

Abschließend noch ein Beitrag zu diesem Thema: Sorgen, Ängst, Verunsicherungen