Zurück auf Anfang

ich will nach vor und rudere zurueck ...

 

11. April 2011

 

Wer den Frühling nicht sieht, hat die Kälte des Winters noch im Herzen. Ich bin hochgeflogen und im Feuer meines Wunschdenkens verbrannt. Antriebslos, die Tränen des Versagens im Auge, stolperte ich heute Vormittag durch den nahen Wald. Trostlose Gedanken verwehrten mir den Blick auf die zarten Triebe an Buchen und Erlen. Seit einigen Tagen habe ich wieder das Gefühl überfordert zu sein, und ich glaube, dass ich einmal mehr sein will, als ich bin. Schriftsteller zu werden ist ein hehrer Wunsch, doch es gehört mehr dazu, als ein paar Silben richtig zu reihen und in einen sinnbringenden Text zu wandeln. Und ausschlaggebend war eine simple Frage einer Gönnerin zu meinem letzten Buch: Willst du in meinem Lokal eine Lesung halten? Ich fühlte mich spontan geehrt und nervte meine Frau damit, dass ich laut lesen lernen muss, und sie auserkoren habe, mir zuzuhören. Die ablehnende Haltung meiner Frau verunsicherte mich, der mangelnde Verkaufserfolg meines Buches - eine Woche nach Erscheinen erst 49 Exemplare verkauft - gab mir den Rest. Überhaupt war ich mir im Gesamten nicht mehr klar darüber wie es weitergehen soll. Drei Bücher in drei Jahren, Kosten, Werbung und das nur minimal flackernde Lichtlein des Erfolges setzten mir zu. Obwohl ich mit Erfolg sowieso nicht umgehen konnte und lieber im Hintergrund bleiben würde. Wenn ich aber, wie beim letzten Buch, gar kein Feedback bekomme und jeder meiner Bekannten über Gott und die Welt redet, und sich nicht die Spur dafür interessiert was ich geschrieben habe, dann fühlt sich das an wie Treibsand und ich stecke mittendrin. Sollte ich aber zu sehr im Mittelpunkt stehen und schulterklopfende Leser mir die Luft zum Atmen nehmen, hätte ich auch ein ungutes Gefühl. Was soll die Welt mit so einem Idioten anfangen? Richtig: Nichts!

 

Ich dachte, nachdem ich „Zeit der Tränen - Ausgebrannt“ geschrieben hatte, jetzt bin ich durch, ich weiß, was ich nicht mehr machen darf und zog mich zurück wie ein Einsiedlerkrebs in seine Muschel. Finster und still war es in dieser Muschel, fade wurde es auch bald, also entschloss ich mich, in der Langsamkeit meines Tagesablaufs die gewonnene Selbstsicherheit für Sinnvolles zu nutzen. Und was gibt es Sinnvolleres, als ein großer Autor zu werden, und „reicher als reich“ zu werden, um, wie ich immer beteuerte, mit dem gewonnen Reichtum Gutes zu tun. Oh ja, da gibt es jede Menge: ... nur mir fiel nichts ein. Bis heute: Wie oft musst du Idiot noch auf die Schnauze fallen, damit du sie endlich einmal hältst, und nicht großspurig hinausposaunst wer und was du bist oder sein willst und was du alles kannst und vorhast? Ja, es tut weh, wenn ich im Nachhinein, die in mich gesetzten Erwartungen, die ich zuvor geschürt habe, nicht erfüllen kann. Wenn ich als „Kasper mit der großen Klappe“ wieder einmal auf dem harten Boden der Realität gelandet bin, tut das verdammt weh. Und wenn ich wieder am Anfang stehe, so wie heute, dann ist das wie Sandpapier, das über meine Seele gezogen wird.


Gehen Sie zurück an den Start - gehen Sie nicht über LOS, kassieren Sie keinen Applaus und Selbstbestätigung ... schauen Sie bei einem Therapeuten ihres Vertrauens vorbei oder lesen Sie „Zeit der Tränen - Ausgebrannt“.


Und genau das werde ich jetzt tun. Zurück auf Anfang. Vielleicht muss ich es dreimal hintereinander lesen. Ich leier Zitate, die ich mir merken will, auch mehrmals herunter. Ich glaube, meine Vergesslichkeit ist ein Verbündeter meiner dunklen Seelenseite. Sie sorgt dafür, dass ich immer wieder in alte Denkmuster und Lebensabläufe zurückfalle. Komm Alfred, du bist jetzt Schriftsteller: „Trink, lass uns feiern, vergiss deine Sorgen und mach dir keinen Kopf, was morgen sein wird“. Momentan haben die beiden wieder jede Menge Spaß mit mir.


Ich liebe meine Familie, ich liebe das Leben. Nur so, wie es sich momentan anfühlt, ist es nicht mehr auszuhalten. Ergo – ich muss es ändern ...


aber Veraenderung tut weh!