Ein Lob an die Küche!

 

Diesen Satz hörten unsere beiden Spitzenköche jeden Tag, doch in meinen täglichen Reiseberichten wurden die kulinarischen Leistungen von Franz Stiegler und Achim Stadler nicht ausreichend gewürdigt. Ich habe gewartet bis ich den Speiseplan bekomme, welchen Achim mitgeschrieben hat. Wo kein Datum dabeisteht war Achim vermutlich gerade mit fotografieren, navigieren, dem Segel bergen oder einer anderen seiner vielen Tätigkeiten beschäftig. Macht nichts, würde ich sagen. Aus dem Datum lässt sich ja nicht die Qualität der zubereiteten Speisen erfahren. Ich kann hier im Namen aller Crewmitglieder sprechen, wenn ich dir sage: Franz ist der Paul Bocuse der sieben Weltmeere und Achim der beste Beikoch den er sich wünschen kann. Franz will auch keinen anderen, weil du musst wissen, den ganzen Vormittag Zwiebel schneiden und dann auch noch in drei verschiedenen Varianten (fein, feiner am Feinsten), weil der Chefkoch das so will, da ist bei anderen Beiköchen schnell Schluss mit lustig! Da hat man schneller als man „Zwiebel“ sagen kann eine Rebellion in der Kombüse. Bei einer thyrennischen Eierspeise wäre das fast einmal passiert. Da hatte Achim 24 Eier in einen großen Topf geschlagen und darauf gewartet bis Franz das ganze Drumherum (Speck, Zwiebel, Paprika) gegart hat. Der Franz sich plötzlich umgedreht, warum auch immer, und Achim den riesigen Topf mit den Eiern aus der Hand genommen. Die ganze Eiersauce in einen kleineren Topf geleert und Achim in die Hand gedrückt. Du musst dir einmal vorstellen wie das ist, einen bis zum Rand mit aufgeschlagenen Eiern gefüllten Topf in Händen zu balancieren und darauf zu achten, nicht selbst die Balance zu verlieren, wo unsere „Bellissima“ sich doch hin und her gerollt hat wie ein Hund der sich in einer Wiese wälzt. Da war er ganz schön angespannt, der Beikoch Achim.

 

Wobei ich zum französischen Gourmetkoch noch anmerken möchte: Der Herr Bocuse hätte in dieser schwankenden Kombüse wohl seine liebe Not gehabt, Gerichte mit dieser exquisiten Qualität, wie sie uns Franz und Achim servierten, zu kreieren. Hätten wir nicht unsere beiden Gourmetköche an Bord gehabt, ich kann dir sagen, die Moral der Crew wäre wahrscheinlich über Bord gespült worden.

 

Nur am Anfang unserer Reise, dem 21.04.2011, wurde wie schon erwähnt das Ansinnen von Franz, jeden Tag zu einem Gourmettag zu machen, aus Gründen der Sicherheit gestoppt. Meines Wissens gibt es keinen Koch auf dieser Welt, der waagrecht durch die Küche fliegend, irgendein vernünftiges Essen zu Stande bringt. Außerdem wäre es nicht sinnvoll gewesen, unsere beiden Köche schon am ersten Tag zu verheizen. Es könnte sich ja, wie es einige Tage später dann ja auch passiert ist, der Gasofen in der Kombüse aus der Verankerung reißen und sich siedendes Wasser oder Öl über Franz und Achim ergießen. Ich kann dir sagen: da hätten wir die „Arschkarte“ gezogen und viele vortreffliche Speisen wären erst gar nicht auf den Teller gekommen.

 

Ich weiß nicht ob sich irgendjemand vorstellen kann wie wichtig nahrhaftes, wohlschmeckendes und warmes Essen sein kann, wenn man 142 Stunden am Stück mit einer desolaten Yacht in der unendliche Weite des Meeres unterwegs ist, geschüttelt, geschwenkt, beregnet, bestürmt und zweifelnd ob man je wieder festen Boden unter den Füßen haben wird. Ich weiß auch nicht ob noch ein anderes Crewmitglied so gedacht hat wie ich. Seefahrer sind ja harte Hunde und Seemannsgarn die Verdrehung und Verleugnung von Tatsachen, um ein positiveres Licht auf einen negativen Ist-Zustand zu werfen. Zugegeben, es klingt vielleicht ein wenig einschleimend aber was sein muss, muss sein!

 

Lieber Franz, lieber Achim, ich bin dankbar, dass ich mit euch an Bord sein durfte und würde jederzeit wieder mit euch an Bord gehen. Vorausgesetzt: ein anderes (intaktes) Boot, besseres Wetter und jeden Abend in einer Bucht, in der ich eure großartigen Gerichte mit allen Sinnen genießen kann und wir anschließend das eine oder andere Bierchen knacken. Und auf eines würde ich mich dabei besonders freuen, auf euren: „Amuse-Gueule oder wie man im deutschen Sprachraum sagt Amuse-Bouche“ - Gruß aus der Küche!

  

Speiseplan oder Gruß aus der Küche:

 

Käse-Wurstplatten mit Oliven, Gurkerl, Paprika rot und grün, Tomaten, Eier

 

Hartwurst und Käse (siehe obigen Bericht!)

21.04.11

Fischplatte

 

Grenadiermarsch mit Nudelsuppe

 

Currygeschnetzeltes mit Früchten und Reis

 

Zwiebelrostbraten mit Spiralnudeln, Gemüse und Tomatensalat

27.04.11

Spinat mit Röstkartoffel und Spiegelei

22.04.11

Schweinegulasch

26.04.11

Jägerschnitzel mit Reis und gemischten Salat

 

Käsekrainer mit Cocktailsauce

 

Gemüsecremesuppe

 

Kartoffelsuppe mit Speck und Sauerrahm

 

Schweinekotelette gebacken mit Erdäpfel- und Mayonnaise Salat

01.05.11

Osterschmaus (Geselchtes, Schweinsbraten, Würstel und gefärbte Eier, Krenwurz´n war nicht aufzutreiben) .

23.04.11

Nudelsalat alla Smutje

05.05.11

Nudelsalat mit Sardinen

05.05.11

Schweinemörderwürstel mit Brot und Bier

01.05.11

Nachmittagskaffe mit Gebäck

 

Riesenfrankfurter mit Senf und Gebäck

25.04.11

Makkaroni auf Maritime Art

 

Spaghetti Ricotta alla Smutje

04.05.11

Spaghetti al Olio mit Gurkensalat

04.05.11

Knoblauchrahmsuppe mit Weißbrotcroutons

 

Makkaroni alla Carbonare mit grünem Salat

02.05.11

Gebratene Mortadella mit Dipsaucen und Gebäck

 

Schweizer Mayonnaise-Wurstsalat

07.05.11

Französische Zwiebelsuppe mit Käsecroutons

06.05.11

Linseneintopf nach kroatischer Art mit Megaknödel (per Stück 400g)

06.05.11

 

zum Frühstück servierten Franz und Achim:

 

Honig, Butter, verschiedene Marmeladen, Wurstaufstrich

verschiedene Käse- und Wurstarten, Schinkenspeck, Streichkäse

Tee, Cappuccino, Kaffee, Orangensaft, Mineral.