Tag 16: 5. Mai 2011

 

Um 6.33 Uhr legten wir ab und verließen Dubrovnik, so steht es im Logbuch. Dubrovnik im Herzen, den Schlaf in meinen Augen, blickte ich noch einmal zurück und rief gedanklich „Auf Wiedersehen“ zur Perle Dalmatiens. Es war kühl und die See kräuselte sich, während wir Kurs auf Lastovo nahmen, wo wir heute den Anker werfen wollten. Aber es dauerte nicht lange, und ob du es glaubst oder nicht, die Sonne kämpfte sich durch die Restwolken und das Meer beruhigte sich. Nur der Wind blieb kühl, wie man an den Bildern erkennen kann. Die Sonnenanbeter, Mike, Franz und Achim, hielten sich in geschützter Lage auf: unter der Sprayhood oder am Cockpitboden. Der Wind kam, wie meistens auf dieser Reise, von vorne, und die 42 Seemeilen nach „Moli Largo“ sollten noch sehr anstrengend werden.

 

Doch vorerst war es ein herrlicher Tag und wir segelten mit „Notgroßsegel“ und Motor zügig dahin. Ich saß am Steuerbordruder und hatte „Mülldienst“. Wobei, in Kroatien haben wir höchst selten etwas daher schwimmen gesehen, und so ein Sackerl in der Schraube, wie beim Günter, welcher Segler braucht das schon. Und eine alte Weisheit sagt ja: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, also lieber ein wenig Ausschau halten als irgendwann blöd dreinschau´n. Und dann habe ich sie gesehen. Zwei Meeresschildkröten trieben knapp an Steuerbord vorbei. Jetzt stell dir vor, wir hätten die gerammt. Wir hätten wahrscheinlich ein Loch im Bug und „Dude“ eine Gehirnerschütterung.

„Schildkröten“, rief ich aufgeregt und Mike und Achim drängten den Niedergang herauf. Aber da waren sie schon abgetaucht.

„Und, hat sie sonst noch wer gesehen?“, grinste Mike verächtlich, meine Sehkraft anzweifelnd. Grüger streckte die Hand hoch wie in der Schule und grinste zurück, aber nicht verächtlich, mehr so: Ja, ich habe sie auch gesehen, und wie der Fred an der Sohle Italiens bei regenverhangener Sicht Albanien gesehen hat auf eine Entfernung von 60 Seemeilen, das habe ich genauso gesehen und so … Ein wenig zerknirscht wirkte Mike nach meiner Sichtung. Aber nicht, weil ich was gesehen habe, sondern weil er es nicht gesehen hat. Ich wollte ihn ein wenig aufheitern und meinte: „Musst halt ins Haus der Natur nach Salzburg fahren, da schwimmen auch welche herum.“ Aber irgendwie hat er das nicht witzig gefunden und geschnaubt wie ein Stier, als er mich so lächelnd dasitzen sah. Dann hat er aber gelacht und ist im Niedergang verschwunden. Und dann lagen sie da, „Cognac … äh Rum“, wie der gute Heinz Erhard einmal so trefflich gesagt hat und genossen die Sonne auf der Haut. Der Franz hat sich dann noch für ein Foto zu Andi ans Ruder gesetzt, sprich: Nackerter versus Fishermans-Friend!

 

Wie Lastovo schon in Griffweite war, also das erste Zipferl der Insel, da ist der Wind draufgekommen, dass wir ja noch immer so locker und flockig herumschippern und uns langweilen. Da hat er uns aber einen geblasen, der Wind, mein lieber Schwan. Und das Meer hat sich gedacht: Wo der Wind sich so einen Spaß mit der „Bellissima“ und ihrer Crew macht, da mische ich auch ein wenig mit, Mischmaschine ein Dreck dagegen. Wind und Welle hatten so einen Spaß mit uns, die wollten uns einfach nicht ziehen lassen. Die „Bellissima“ hüpfte und tanzte auf der Stelle, weil eines musst du wissen, wenn die Loge 0 (NULL) anzeigt, weil Wind und Welle auf die Nase des Boots und so, dann ist das so eine Sache mit dem Vorwärtskommen. Jetzt, was hätten wir machen sollen? Wir haben dann ein wenig am Gashebel gespielt, weil zurück und Dings, nein danke. Das war ein lustiges über die Wellen Holpern und der Grüger hat den Sicherheitsgurt wieder fest angezogen in seiner Koje. Mir ist das Hin und Her dann zu viel geworden und ich verzog mich in meine Koje. Aber nicht ohne Wind und Welle zuvor noch einen Abschiedsgruß zu schicken, den Mittelfinger, den gestreckten. Irgendwann kurz vor 18:00 Uhr dürfte es unseren Skipper Andi aus seiner Koje gebeutelt haben und manch einer vermutete, er hat sich dabei den Kopf angeschlagen. Weil, wie er so staunend an Deck gestanden ist und mit zusammengekniffenen Augen Ausschau gehalten hat, da hat was kommen müssen. Und wie er sich dann umdreht und dem Rudergänger mitteilt: „Noch zwei Kilometer und dann rechts hinein“, da ist ein Radau gewesen an Bord, Lachsack Hilfsausdruck. Weil du musst wissen, das heißt: „Noch eine Seemeile und dann Steuerbord“ und das Zweite was an seinem Befehl falsch war: Moli Largo, wo wir um 19.15 Uhr vor Anker gingen, liegt auf der Backbordseite – also links hinein. Und dort war es wunderschön, weil ruhig und so und ein paar Häuser waren dort auch, weil Urlaubsdomizile und so. Der Abend wurde zu einem Fest und Franz und Achim servierten uns: „Nudelsalat alla Smutje und … Nudelsalat mit Sardinen“, die beide hervorragend schmeckten.

„Und mit dem Wein müssen wir auch ein wenig Gas geben“, lachte Franz, „weil wir haben nur mehr wenig Zeit, um die Schabs (Stauraum im Segelboot) zu leeren. Morgenabend noch einmal ankern und dann sind wir in Split.“

 

Es war ruhig geworden im Salon und in fünf Gehirnen liefen die Eindrücke dieser Reise wie ein Film über eine imaginäre Leinwand. Ein eindringliches „Jo, was is‘ …, Prost“ holte uns zurück in die Realität und … das herzliche Lachen von Franz.