Tag 15: 4. Mai 2011

 

Es war finster wie in einem „Bärenarsch“, als ich um 22.00 Uhr meinen Dienst antrat, und ob du es glaubst oder nicht, es war mir egal. Ich saß am Ruder und stierte in pechschwarze Finsternis am Horizont. Kein Stern, kein Kreuzfahrer, nichts das die Umgebung ein wenig aufhellte. Auch kein phosphoreszierendes Leuchten von Quallen im Fahrwasser. Ab und an war kurz der Sternenhimmel zu sehen. Doch wie von Geisterhand wurden er einfach weggewischt und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Das Kompasslicht hatten mit einem Geschirrtuch abgedeckt und das Hecklicht verlor sich schon nach wenigen Metern in der finsteren See. Dunstig und kühl umhüllte uns die Nacht und ich hatte das Gefühl, als würden wir demnächst, wie in der Truman-Show, gegen eine Wand fahren. Ein unheimliches Gefühl. In meinen Augen hüpften rot-grüne Lichtblitze wie Irrlichter auf und ab vom angestrengt in die Finsternis starren. Das gurgelnde Geräusch der Welle wirkte dagegen beruhigend. Steuerbord wurde plötzlich ein grünes Leuchten stabil und es wurde größer: ein Kreuzfahrtschiff! Als es uns in großer Entfernung passierte und seine zahlreichen Lichter die Nebelwand durchdrangen, war mein Dienst zu Ende. Um Mitternacht hatte Mike den Platz von Andi übernommen und ich wartete nun darauf, dass sich die Türe von Franz Kajüte öffnet und er mich ablöst.

„Gleich wird das Tür´l aufgehen und der Kuckuck rauskommen“, meinte ich lächelnd zu Mike. Der schmunzelte und sagte: „Pünktlich wie die ÖBB.“

„Morgen“, brummte Franz den Niedergang herauf und ich legte mich in die Koje. Um 10.00 Uhr war die Ankunft in Dubrovnik geplant und diesen Anblick wollte ich nicht verschlafen.

 

Der erste Eindruck war kolossal. Die Festungsmauer, welche die gesamte Altstadt von Dubrovnik umschließt, hat nicht nur mich beeindruckt. Wir fuhren eine „Ehrenrunde“ und dann die Mauer entlang Richtung Stadthafen. Dubrovnik ist eine der schönsten Städte des gesamten Mittelmeerraumes und somit ein Zentrum des Fremdenverkehrs. Die Altstadt ist autofrei und steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Stadt wurde während des kroatischen Unabhängigkeitskrieges 1991 von der Jugoslawischen Bundesarmee bzw. den serbisch-montenegrinischen Truppen schwer beschossen und stark beschädigt, die Schäden sind aber heute zum großen Teil behoben.

 

Die Stadtmauern von Dubrovnik sind 1940 Meter lang sowie bis zu sechs Meter breit und bieten einen herrlichen Ausblick auf das Meer einerseits und auf die Dächer der Altstadt andererseits. Gegen eine Gebühr, wir zahlten 70 Kuna, etwa 10 Euro, kann man auf dieser Mauer die Altstadt komplett umrunden. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Rolandsäule. Außerdem gibt es in Dubrovnik eines der ältesten kommunalen Theater Europas, in dem immer noch Aufführungen stattfinden. Die Perle der Adria entfaltet jedoch abends ihr ganz besonderes Flair, wenn sich die Lichter der Altstadt im Specksteinpflaster spiegeln, wenn aus den Restaurants und kleinen Kneipen Musik erklingt, wenn an den Sitzgruppen der Lokale Touristen aus aller Herren Länder durch die engen Gassen wuseln, wenn das T´schiepen der Mauersegler zu einem Stakkato zwischen Jung- und Altvögeln wird, und wenn ich nach zwei großen Bier so müde werde, dass ich nicht mehr glaube, die 175 Stufen durch eine enge Seitengasse auf jene Straße zu schaffen, die wir gehen müssen, um zur „Marina YC Orsan“ zu gelangen, wo unsere „Bellissima“ auf uns wartet. Geschafft habe ich die gut drei Kilometer dann doch noch, so wie der Rest der Crew, die allerdings vor Grüger und mir das Boot erreichte. „Die Ersten werden die Letzten sein“, lautet ein bekannter Spruch, und da Günter und ich die Letzten waren, brauchten wir uns nur mehr zu setzen und die „weißen Mischungen“ in Empfang nehmen, die standen nämlich schon fix und fertig zubereitet am Cockpit-Tisch. Uns gegenüber lagen den ganzen Tag zwei riesige Kreuzfahrtschiffe, die nach dem Anlegen tausende Touristen ausspuckten, die von Autobussen, sie wirkten neben den Kreuzfahrtschiffen wie kleine Matchbox-Autos, in die Altstadt gefahren wurden. Eines der beiden, die „Azura“, lief nun aus. Unspektakulär schoben ihre Bugstrahlruder die 13 Stockwerke aus der „Parklücke“ und langsam verschwand sie aus dem Hafen in die frühlingshaft kühle Nacht, begleitet von unseren staunenden Blicken.

 

In drei Tagen werden wir in Split sein, dachte ich, und dann ist dieser Abenteuerurlaub Geschichte. Vielleicht haben wir ja Glück und das Wetter bleibt so schön, wie es an diesem Tag in Dubrovnik war, das nicht umsonst „Die Perle der Adria“ genannt wird.