Segeln ab Sukosan

23. - 30. Juni 2012


Na ja, am Anfang waren noch Regen und ein Megastau, der uns, nach einem schweren Busunglück auf der Autobahn bei Mala Kapela, durch das Winnetouland (dort wurden einst einige Szenen zu „Der Schatz im Silbersee“ gedreht), über die Bundesstraßen nach Sukosan bei Zadar führte.

 

Wie auf den ersten Aufnahmen ersichtlich, scheute sich ein kroatischer Busfahrer nicht, dem Stau über den Pannenstreifen auszuweichen. (Einige Pkw folgten ihm postwendend). Was macht man in so einem Fall? Am besten eine Pause - ist ohnehin nur mehr schleppend weitergegangen.

 

Nach zehn Stunden Fahrt kamen wir schließlich, trotz Klimaanlage verschwitzt, in der Marina Sukosan an. Unsere beiden Jachten vom Typ Bavaria 45 Cruiser, die „Blue Dreams“ (Skipper Andi. Crew: Andrea, Franz, Maria, Gabi und ich) und die „Sophia“ (Skipper Mike. Crew: Achim, Ronny, Bertl, Grüger, Gerry) lagen schon zum Bunkern bereit. Nachdem Kleidung, Lebensmittel, Rettungswesten und Ölzeug (das wir diesmal nicht benötigt haben) verstaut waren, schickte unser Skipper den üblichen Ballantine´s-Gruß an die Meeresgötter und wir ließen diesen anstrengenden Anreisetag bei ein paar Sommerspritzern und einer leckeren Stelze ausklingen.

 

Tag 2: Führte uns aus der Marina Sukosan, vorbei an beeindruckenden Motorjachten (bei denen die Kosten einer Tankfüllung wohl jenseits von Gut und Böse liegen), vorbei an Zadar, bis nach Nin. Auf der Fahrt dorthin veranstalten wir ein kleines Match-Race mit einem anderen Segelboot, das wir dank unseres Skippers und „Großsegelmeisters-Franz“ (Segeltrimm) für uns entscheiden konnten. 8 Knoten Fahrt bei herabgelassener Badeplattform, auf der sich unsere Frauen sonnten und ihre Campari´s schlürften. Als der gegnerische Skipper die Mädels im Heck auf der Badeplattform sitzen sah, raufte er sich die Haare, die er gar nicht mehr hatte und drehte enttäuscht ab. 


„Nach einem Rennsieg: ein Sixpack und ein Schlupferl (einen Schluck Ballantine´s)“, lachte Franz unser "Kühlschrankgroßmeister" und das sollte er noch des Öfteren zelebrieren (auch ohne Rennsieg).

 

Nach kurzer Einweisung durch den Skipper, übernahm meine Frau das Steuerrad und segelte, für einen Neuling erstaunlich, mit Rekordgeschwindigkeit (8,7 Knoten) unserem Etappenziel entgegen. (Weil trinken und steuern, das geht ja wohl überhaupt nicht, oder?)

 

Nin empfing uns am Nachmittag mit einem farbenprächtigen Bild. Zig Kitesurfer tummelten sich in einer weitläufigen Bucht und vollführten bei hoher Geschwindigkeit atemberaubende Sprünge. Wir hingegen sprangen vom Bug ins 23 Grad warme Meer, genossen das Abendessen und beobachteten relaxed die Sonnenuntergangsstimmung.


 

Tag 3: Povljana (44°21`N 015°06°´O)liegt auf der offenen Meerseite der Insel Pag, südwestlich vom gleichnamigen Inselhauptort Pag. Der Ort hat etwa 700 Einwohner und mehrere Sandstrände, die ich nur vom Boot aus zu sehen bekam.


Nach einem morgendlichen „herstellt“ im SK-Puntigamer Sturm Graz Trikot auf der Rasierplattform, erreichten wir Povljana gegen Mittag. Nach gelungenem Ankermanöver durch „Ankergroßmeister“ Franz, und nachdem der kleine Seebär vom großen Seebären Andi am Dingi Platz genommen hatte, gab es einen ordentlichen Manöverschluck, ehe die Crew zu einem Landausflug zum FKK-Strand aufbrach. (Natürlich mit einem Sixpack im Dingi). Ich hatte mich freiwillig zur Bootswache eingeteilt, wollte ein wenig Lesen. Nach etwa drei Seiten ging das Dingi mit Gabi, Andi und Franz wieder längsseits und Franz, unser „Küchengroßmeister“ servierte um 13 Uhr 33, bei 46,9 Grad (in der Sonne gemessen) eine heiße Knoblauchcreme-Steinpilzsuppe, bei deren Genuss Gabi der Bikiniverschluss platzte. Sie glaubte zuerst an ein Attentat von Maria (die Frau von Franz saß neben ihr) stellte dann aber beruhigt fest, dass es sich um einen Materialfehler handelte. (Kein Bikini hält vier Jahre)!

 

Der „Kabelbindergroßmeister“ Franz gab sein Bestes und reparierte den Verschluss mit breitem Grinsen. Dieses Grinsen verging, als ihm am späteren Nachmittag Melone und Trauben angeboten wurden. Sogleich trabte er in die Küche um ein deftig, würziges Mahl zu kreieren: Salzburger Käsekrainer auf mediterrane Art, mit pikantem Salat, Pfefferoni und Chilligurkerl. Natürlich gab es dazu ein 17er Blech. Dieses 0,33 Gösser Dosenbier hat meinen Gaumen wieder beruhigt. Der Skipper hingegen war ein wenig beunruhigt, da sich die Wolken am Horizont verdichtet hatten. Die Nacht über schlief Andi an Deck – Ankerwache wegen Bora.

 

Tag 4: Am nächsten Morgen, auf dem Weg nach Ilovik, blies der böige Wind noch ganz ordentlich, doch uns drei sturmerprobten Seglern machte so ein Lüfterl nichts aus. Gabi brauchte aber eine Brille, denn sie hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan und gedacht, die Bora würde uns versenken. Der Wind beruhigte sich mit jeder Seemeile und als der „Großbojenmeister-Franz“ und sein Gehilfe (meine Wenigkeit) die „Blue Dreams“ an der Ankerboje festmachte und der Skipper den Motor abstellte, lauschten wir vor malerischer Kulisse dem Konzert der Grillen. Andi und Franz fuhren sogleich im Dingi zum „Market“ gegenüber, ich saß neben Maria, Andrea und Gabi gegenüber, und schlürfte genüsslich die Melonenbowle, die Maria und Andrea am Vormittag angesetzt und mit Weißwein verfeinert serviert hatten. Ich fand dieses Getränk sehr lecker. Franz bezeichnete es nach einem kleinen Schluck als Gurkensalat mit Weißwein.

 

Am späteren Nachmittag traf dann die „Sophia“ ein und belegt die letzte Boje vor uns. Skipper Mike und seine Mannschaft hatten bereits ein straffes Programm absolviert und waren dabei bis Rijeka und zurück gesegelt. Trotzdem lief der Schmäh und der nimmermüde Achim, begleitet von Ronny, der zweite Koch an Bord der „Sophia“, besuchten unseren Chefkoch und somit hatten wir drei „Haubenköche“ an Bord. Das war vielleicht ein Gelächter – und ja ..., getrunken haben wir auch noch eines.

 

 

Tag 5: Ruhige, spiegelglatte See auf unserem Weg zur ACI marina Šimuni, in der wir Wasser bunkern und uns duschen wollten. Vorher liefen wir aber noch Mišnjak an, eine geschützte Bucht, in der wir baden wollten. Dass sich die Jungs von der „Sophia“ wieder etwas für uns einfallen lassen, ahnten wir noch nicht, als sie uns kurz vorm Ziel überholten. (Nachdem sie zuvor auf hoher See Achim für ein paar Fotos von oben in den Mast gehievt hatten). Unweit eines Kiesstrandes gingen wir vor Anker und ich sprang in türkisfarbenes Wasser, das meiner Meinung nach abgekühlt hatte. Egal, wenig später tuckerten Skipper Mike und der gelernte Kellner Ronny (zweiter Koch an Bord) mit einem bunten Gin Fizz-Tablett und einer Flasche Weißburgunder heran und gingen längsseits, gefolgt vom Schwimmer Achim. Skipper Mike holte auch noch Bertl und Grüger übernahm mit Gerry die Bootswache. Bis ... ja bis jemand (so genau weiß ich das nicht mehr) etwas von „Wein aus“ über unsere Reling zur „Sophia“ brüllte. Kurze Zeit später tauchte Gerry als Flaschenpost (siehe Bilder) neben unserem Boot auf.

 

Knalleraktion: zuerst Ronny das schlingernde Tablett, und dann noch Gerry die Flaschenpost!

 

Unter Motor ging es wenig später Richtung Marina Šimuni, wo auf Wunsch unseres Skippers, das Leberkäsemenü (drei Sorten Leberkäse) mit handgeschnitzten Kartoffeln zu Püree gestampft und goldgelben Zwiebeln beträufelt, verfeinert wurde. Dank an die „Kartoffelgroßmeisterin“ Maria! Wenn man so viel – Sonne tankt, schwimmt, taucht, duscht, in der Küche steht, und isst ... ja dann fallen auch einem „Leberkäsgroßmeister“ irgendwann die Äuglein zu. Unsere drei Damen waren da noch „Fit wie ein Turnschuh“ und ließen den Abend zum Morgen werden – zumindest 1 Uhr 30 morgen. Es war das einzige Mal, dass ich Gabi in die Koje kriechen hörte, die restlichen Tage habe ich gewonnen.

 

 

Tag 6: „The Day After“ oder wie es auf Neudeutsch heißt: Der Tag ist im Arsch! Und das hatte nicht allein damit zu tun, dass ich beim Wasserbunkern den Schlauch Richtung Bug zog und dabei die Bikinihose meiner Frau versenkte, die an der Reling zum Trocknen hing. „Großtauchmeister“ Franz war schon zum Sprung ins Hafenbecken bereit, einzig die Frage, wie er wieder an Bord kommen sollte, bereitete uns Kopfzerbrechen, da meinte Gabi lapidar: „Lass drinnen, ich hätte ihn ohnehin entsorgt. War schon alt.“ Puh, Gott sei Dank bin ich kein Bikini. Ich versprach ihr einen Neuen – Bikini!

 

Die Fahrt nach Zaton verlief ausgesprochen ruhig, bis auf das gleichmäßige Tuckern des Diesels, war kaum Stimmgemurmel oder gar Lachen zu hören. Die beiden „Weingroßmeisterinnen“ Andrea und Maria waren leicht lädiert, auch Franz gönnte sich etwas Ruhe und so saßen Gabi und ich mit Skipper Andi hinter den beiden Steuerrädern und ließen die Landschaft gemächlich vorbeiziehen, das Meer im Heck gurgeln und ich sinnierte darüber, wie wohl ich mich derzeit fühlte. Gegen Mittag erreichten wir, nachdem wir einen wunderschönen Leuchtturm passiert hatten, das Zaton-Holiday-Resort und gingen direkt davor vor Anker. Eine Speedbootbesatzung winkte uns freundlich zu, Wassermopeds rasten über das spiegelglatte Meer und am Strand war jede Menge Betrieb: Kinder hüpften auf Trampolins, sausten über Wasserrutschen, gaben Kommandos in Tretbooten, und tanzten zu lauter Musik einer Kinderanimation. Fernab jeder Ruhe stürzte ich mich in die Fluten und lauschte anschließend bei einem Doserl Bier den Zivilisationsgeräuschen eines riesigen Campingplatzgeländes, wo mehrmals Public viewing zum Halbfinal-Gipfeltreffen Deutschland gegen Italien angekündigt wurde. Wir hatten ein TV-Gerät an Bord, das wir nur ein einziges Mal benutzten – an diesem Tag um 20 Uhr 45. Vorher gab es ein Fotoshooting bei einer Bootsrunde mit anschließender Sundownersitzung (wahlweise mit GIN FIZZ oder SOMMERSPRITZER) am Bug. Nach dem Spiel wurden wir von Oldies in den Schlaf gesungen (die Oldies beziehen sich auf die Lieder, die Band spielte hervorragend, wie alt sie waren, weiß ich nicht).

 

Gegen 1 Uhr 40 weckten mich lautstarke Fangesänge – hörten sich irgendwie Italienisch an.

 

 

Tag 7: Der letzte Tag war behaftet mit gemischten Gefühlen. Einerseits war ich traurig, dass diese wundervolle Woche zu Ende ging, es plagte mich die Sorge, ob unserer morgigen Heimreise – würden wir wieder in einem Megastau landen?, schließlich überwog aber die Freude, meine Kinder, meinen Enkelsohn und meine restliche Familie wieder zu sehen. Nach einem Tankstopp in Preko (wir wollten nicht in Sukosan tanken, da an einem Rückreisetag meist jede Menge Segler vor der Marinatankstelle kreisen), kreuzten wir bei gutem Wind auf die Marina zu. Dabei verbesserte Skipper Andi unter vollen Segeln noch den Geschwindigkeitsrekord seiner Frau Andrea von 8,9 Knoten auf 9 Knoten. Allerdings segelte Andrea die 8,9 Knoten alleine mit dem Vorsegel – unterstützt von der abflauenden Bora (zur Ehrenrettung unseres Skippers). Nach einem gelungenen Anlegemanöver und nach dem Skipper Mike die „Sophia“ ebenso souverän an unserer Backboardseite vertäut hatte, ließen wir diese herrliche, unfallfreie Woche (bis auf das versenkte Bikinihöschen) bei einem Schweizer Wurstsalat und zwei, drei, weißen Mischungen ausklingen. Als erstes verschwanden unsere beiden Fahrer, Andi und Franz, in ihren Kojen. Etwas später trollten sich Gabi und ich. Schlussendlich wiesen auch Andrea und Maria die Jungs vom Nachbarboot in die Schranken und bliesen einfach die Kerze aus, die uns in den Buchten immer ein so heimeliges Licht vom Cockpittisch geschenkt hatte.

 

Es war eine wundervolle Segelwoche mit allem was dazugehört: Wind, Sonne, warmes Meer, köstlichen Speisen, kühlen Getränken und jeder Menge Spaß!

 

 

Ein großes Dankeschön an:

Skipper Andi, für deine umsichtige Schiffsführung und Planung dieses Törns. Somit möchte ich Dir hiermit den Titel „Großskipper“ verleihen. (Meister würde hier nur stören, der bist du ohnehin.)

 

„Vorsegelgroßmeisterin“ Andrea, dass du den Skipper geheiratet und so zu meinem Schwager gemacht hast. (Ob er sich darüber freut, weiß ich nicht. Schon gar nicht, wenn er das hier liest!) Und das du 8,9 Knoten „gebrettert“ bist und somit allen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hast – fast allen.

 

„Großsegelmeister“ Franz, die anderen dreißig Großmeistertitel lasse ich aus Platzgründen weg, für die hervorragende Bewirtung einschließlich Getränke. Na gut, der Whiskey ist nicht so meines, aber seit ich meine Zungenspitze als Verschluss benutzt habe, fühlt sie sich irgendwie geschmeidiger an.

 

„Großschwimmmeisterin“ Maria, dass du immer wieder zur „Blue Dreams“ zurückgefunden hast, für dein herzliches Lachen und die Wahnsinns-Melonenbowle. Dass dein Mann sie so negativ bewertet hat ... vergiss es, die war wirklich sehr lecker.

 

„Eincremegroßmeisterin“ Gabi, dass du mich mit deinen sanften Händen vor einem Sonnenbrand bewahrt hast, dass du mein Schnarchen ertragen hast und nicht fester zugeschlagen hast als nötig und dass du meine Frau geworden bist. Allein dafür hättest du dir einige Großmeistertitel verdient – aber ich will diesmal nicht übertreiben, ganz so, wie du es dir immer von mir wünschst.

 

Bleibt noch meine Wenigkeit, der „Kleinsegelmeister“, mit seiner mickrigen Winschkurbel, die zumeist dann blockierte, wenn ich sie aus der Winsch ziehen wollte. Aber mittlerweile bin ich es ja gewöhnt, irgendwo festzustecken. Klingt jetzt ein wenig negativ, ist aber mehr ein Gedankenspiel zu einer sonnigen Segelwoche, wo ich an den verschiedensten Plätzen feststeckte, oder ankerte, oder an einer Boje hing, oder in einer Marina vertäut lag – so macht feststecken richtig Spaß.

 

Ach ja, danke auch an die Crew der „Sophia“ für ihre grenzgenialen Einlagen bei ihren Besuchen an Bord.

 

Alle oben genannten bedanken sich bei: ASTA-YACHTING sowie der „BLUE DREAMS“ und der „SOPHIA“, den besten, komfortabelsten, schnittigsten, problemlosesten Jachten, die wir je gesegelt sind.

Wahre „Großmeisterjachten“!

 

Die Links in diesem Bericht führen zu interessanten Seiten, die ich zu Recherchezwecken genutzt habe, um nicht (Melonenbowle und Gin Fizz Rezepte, Umrechnung von Knoten in km/h, Getränkefirmen, Campingplätze, Ortschaften, usw.) ausführlich beschreiben zu müssen. Fotos sagen ja mehr als Worte.

 

 



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