Bodensee im Seewigtal

Beinahe hätte mich "The Rock" ins Land der Träume geschickt. Ich hatte Glück und bin nochmal davongekommen.


„Wanderbare Steiermark!“ Dieser Slogan kriecht an spätsommerlichen Herbsttagen in die Herzen und Beine der Menschen, auch in unsere. Ich wollte Gabi an einem sonnigen Septembermontag 2012 mit einer Fahrt ins Blaue überraschen und mit ihr die sieben Kilometer lange Rodelstrecke auf der Galsterbergalm hinunterdüsen. Nachdem wir die kurvige Bergstraße bei Pruggern hochgefahren sind, Gabi hat mich zwei Mal darauf hingewiesen, dass die Bahn geschlossen ist, standen wir vor der stillstehenden Gondelbahn. Vielleicht sollte ich mehr auf sie hören. Mein Ärger hält sich jedoch in Grenzen, denn ich habe ja PLAN-B!

 

Also auf nach Aich-Assach und von der B320 nach der Brücke links ab ins Seewigtal, zum romantischen "Steirischen Bodensee". Eine Mautstelle, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte, bremst meinen Vorwärtsdrang. „Zwei Mal € 2,80“, lächelt die Mautdame zum Seitenfenster herein. Ich erinnere mich, dass ich auch witzig sein kann und sage: „Ich habe nur drei Euro.“

„Dann muss einer hierbleiben“, meint sie lächelnd aber ohne Humor. Ich denke an das Handeln in einem türkischen Basar und bezahle lieber die € 5,60. Nach etwa zehn Minuten – Gabi sagte mehrmals ich soll nicht so rasen – stehen wir am Parkplatz. Ich wechsle auf Wanderschuhe und auf einer asphaltierten Straße geht es zehn Minuten bis zum Bodensee. Ein überwältigender Anblick lässt mich die Maut vergessen. Vor uns liegt der in der Mittagssonne funkelnde See, links und rechts türmen sich steile Berghänge auf und am hinteren Ende stürzt sich ein mächtiger Wasserfall tosend über eine Steilwand. Wir wollen rund um den See wandern und nehmen ihn von der rechten Seite unter unsere Sohlen. Vorbei am Forellenhof geht es auf einem Naturpfad am Seeufer Richtung Wasserfall. Es ist nur ein kurzes, flaches Stück, ehe der Weg an der Gabelung zum linken Uferweg, die aussieht wie ein Flussdelta, bergan steigt. Wir halten kurz inne und betrachten zahlreiche Steintürme, die auf großen Felsbrocken stehen und Zeugnis von baulustigen Menschen abhalten. Steintürme in allen Größen und Formen inspirieren uns, auch einen Turm zu bauen. Gabi häuft drei Steine übereinander, ich lege auf einen bestehenden Turm einen Stein drauf.

 

Nach einem kurzen Fotoshooting (alle Fotos im Anschluss an diesen Bericht), ich imitiere einen Kletterer, der sich über einen Felsrand zieht, komme ich fast auf einem Stein zu liegen. Mein linker Arm bremst die harte Begegnung mit "The Rock", die sonst sicher nicht so glimpflich abgelaufen wäre. Mit 50+ fällt man eben nicht mehr so gewandt wie in jungen Jahren. Etwas vorsichtiger steige ich nun aufwärts Richtung Wasserfall. Nach fünfzehn Minuten steht Gabi vor der brodelnden weißen Gischt und ich fotografiere, was meine Nikon hergibt. Zur Hans Wödl Hütte auf 1608 Hm, vom Wasserfall in gut 50 Minuten zu erreichen, steigen wir nicht mehr hoch. Der Glockenturm am Forellenhof läutet zum Mittagessen und das eindringliche Gebimmel überträgt sich direkt auf meinen Magen. Wir steigen zur Seegabelung ab, gehen rechts den Uferweg entlang und treffen auf ganz viele „Backenkneifer“. Ein Reisebus hat eine Truppe Pensionisten angeliefert, die mit Stock und Rollator den See umrunden – sehr bewundernswert. Ich denke an meinen letzten Ausflug mit Lukas, der im Kinderwagen schlief und sage zu Gabi: „Wenn ein Opa einen Kinderwagen vor sich herschiebt, ist das eigentlich schon eine Gewöhnung an seinen zukünftigen Rollator, findest du nicht?“ Gabi sagt nichts und denkt wohl: Vielleicht hat sein Kopf doch Kontakt mit dem Stein gehabt.

 

Im Seewigtal Stüberl, einem urigen kleinen Lokal am Eingang zu dieser Naturschönheit, essen wir abschließend eine Kleinigkeit. Gabi bestellt ein Jägerpfandl um € 7,50 und ich protze mit einem Wildragout mit Semmelknödel um € 11,30 was vorzüglich geschmeckt und mir den Schock, meines beinahe schweren Aufschlags auf dem Stein, mit einem Rundumsattgefühl genommen hat.

 

Der Ausflug war jeden Schritt wert und sowohl Gabi als auch ich, haben den Tag sehr genossen. Na ja, bis auf meine Begegnung mit „The Rock“, da muss ich in Zukunft etwas vorsichtiger werden.

 


Bilder zu: Steirischer Bodensee im Seewigtal