Frostig nur am Morgen
Frostig nur am Morgen

Advent ohne Schnee?

Leidet Frau Holle am Burnout-Syndrome?


Leidet Frau Holle am Burnout-Syndrom? Sind ihr die Mitarbeiter ausgegangen? Oder ist das alles nur ein Märchen!


Eine kleine Adventgeschichte.

 

Wir schreiben den 1. Dezember 2011 und die Äcker und Wiesen im Ennstal sind nach wie vor grün. Väterchen Frost müht sich jede Nacht und überzieht das Land mit einem feinen, weißen Gespinst. Der Sonne kostet dies aber nur ein Lächeln und schon gen Vormittag schmilzt sie seine eisige Arbeit mit ihren noch immer kräftigen Strahlen hinfort.

 

Als ich ein kleiner Junge war, hat mir meine Mutter oft aus einem dicken blauen Märchenbuch der Gebrüder Grimm vorgelesen. Unter anderem auch die Geschichte von Frau Holle. Darin spielten zwei Mädchen – Goldmarie und Pechmarie – eine wesentliche Rolle. So fiel das erste Mädchen in einen Brunnen und wachte in einer fremden Welt unter einem Baum wieder auf. Es musste Brot aus einem Ofen ziehen und Äpfel von den Bäumen schütteln, ehe es zu einem Haus kam, wo eine alte Frau aus dem Fenster blickte. Die alte Frau hatte furchtbar große Zähne, sodass sich das Mädchen gar schrecklich fürchtete. Das Wesen der alten Frau aber war gut und so überredete sie das Mädchen ihr bei der Hausarbeit zu helfen. Sie sprach: „Wenn du alle Arbeit im Haus ordentlich tun willst, so soll es dir gut ergehen bei mir. Du musst aber darauf achten, dass du mein Bett gut machst, und es fleißig aufschüttelst, dass die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.

 

Das Mädchen war ein fleißiges Mädchen und tat wie ihm geheißen. Es putzte und bügelte, fegte und kochte, und schüttelte das Bett der Frau Holle gar gewaltig auf, sodass es auf Erden dicke Flocken schneite. Nach einige Zeit plagte das Mädchen aber Heimweh und Frau Holle lies es ziehen. Sie führte die Maid zum Abschied durch einen Torbogen und ließ Goldtaler auf sein Haupt regnen. Frau Holle sagte: „Du hast mir treu gedient. Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist.“ So wurde das Mädchen zur Goldmarie.

 

Das zweite Mädchen war arbeitsscheu, dafür aber geldgierig; es weigerte sich das Brot zu retten, den Baum zu schütteln und das Bett zu machen. Kurzum: Torbogen – Pechregen – Pechmarie!

 

Jetzt stellen sich mir einige Fragen, die schneelose Natur betreffend: Ist gerade die faule Pechmarie bei Frau Holle? Hat Goldmarie genug Gold gescheffelt und ist in Pension gegangen? Ist Frau Holle selber zu gierig geworden und weigert sich Zeitarbeitskräfte einzustellen? Ist ihr alles zu viel geworden und liegt ausgebrannt in einem Burnout-Zentrum? Oder kann sie die Bettdecke aus Altersgründen nicht mehr heben, was uns dieses flockenlose Szenario vor unseren Fenstern beschert.

 

Märchen sind Märchen, grüne Wiesen – die momentane Realität. Vielleicht bringt uns ja der Weltklimagipfel in Durban, Südafrika, einige Antworten.

 

„Keine Märchen mehr übers Klima!“ titelte dazu Frau Dana Heide, Onlineredakteurin beim Deutschen Handelsblatt. „Ökoeffizienz“, heißt das Zauberwort, so schreibt Frau Heide weiter. Mit diesem Konzept wird angeblich allen geholfen: Das Unternehmen steigert seine Gewinne, weil es mit weniger kostspieligen Ressourcen, etwa Energie, auskommt und die Umwelt profitiert, weil sie weniger belastet wird, etwa durch Schadstoffe. Friede, Freude, Eierkuchen.

 

„2011 wird das zehntwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850. Damit wurden in 13 der vergangenen 15 Jahren die höchsten Temperaturen in der modernen Klimageschichte gemessen. 2010 hat Pakistan am stärksten unter Wetterkatastrophen gelitten“, ist dazu auf dem Online-Portal der Süddeutschen Zeitung zu Lesen.

 

„Trotz drohender Katastrophen hat die Menschheit kein Einsehen: Kurz vor der Weltklimakonferenz in Durban warnen UN-Meteorologen, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre im vergangenen Jahr auf Rekordniveau gestiegen ist“ – ebenfalls die Süddeutsche.

 

Ich scheine mich da jetzt ein wenig verrannt zu haben, stolpere von einem Märchen ins Nächste und doch, die Märchen scheinen irgendwie zu verschmelzen. Genauso wie bei Frau Holle, geht es auch bei der Rettung unseres Klimas um GELD! Viel Geld!

 

Im Gegensatz zu Frau Holle gibt es aber im Klimawandelmärchen keine Goldmarie, die aus freien Stücken anpackt und sich in den Dienst der Sache stellt, um die CO² ausstoßenden aber gewinnbringenden Öfen der amerikanisch/chinesischen Industrie zu entleeren, oder den heimischen Bäume ihre Feinstaubwolken aus dem Geäst zu schütteln, ganz zu schweigen die verdreckten Betten der dritte Welt-Länder aufzuschütteln und sie so, vom Zivilisationsunrat zu befreien. Dafür wäre eine Goldmarie auch zu wenig. Egal, es scheint denen, die das Sagen haben, ja ohnehin egal zu sein, was ihre Kinder einmal Essen werden, und ob für sie noch Luft da ist zum Atmen. Ob die Schaukeln der Kinder in nicht allzu ferner Zukunft auf einem Spielplatz oder in einem Luftschutzbunker stehen, egal ..., und ob es dann trinkbares oder saures Wasser vom Himmel regnet, was soll´s. Hauptsache wir haben genug Geld! Man kann es zwar nicht atmen, man kann es auch nicht essen, aber glänzen tut es – immerhin.

 

Ob es Schnee geben wird in wenigen Tagen? Fraglich. Ob es noch Schnee geben wird in zehn, zwanzig, vielleicht fünfzig Jahren – wer weiß?! Ich jedenfalls bin bereit mich zu ändern, auf manche Dinge zu verzichten, will sorgsam statt achtlos mit unserer Welt umgehen, zum Wohle kommender Generationen, damit auch sie noch eine lustige Schlittenfahrt oder einen Weihnachtsabend mit dicken Flocken erleben dürfen.

 

Dieser Tage scheint´s, als wäre Frau Holle zahnlos geworden, vielleicht ist sie auch nur ausgebrannt, müde und hoffnungslos. Goldmarie hat wohl genug Gold und die Pechmarie schläft irgendwo, schwarz geteert, ihren Frust aus. Ob es bald schneien wird ..., keine Ahnung. Wir haben ja Schneekanonen, was brauchen wir Frau Holle. Kalt muss es sein, das wäre in diesen Tagen wichtig, eisig kalt. Blöd ist nur, dass die Sonne unter Tags so kräftig auf den frisch gemachten Schnee scheint, das nur mehr salbender Spruch Gültigkeit erlangt: Aus Wasser bist du entstanden, zu Wasser wirst du werden! Warum wohl?

 

Advent, Advent ... 

... ein zeitkritisches Adventmärchen!