Eid des Hippokrates

Ärzte sind auch nur Menschen – so nicht!


Manchmal frage ich mich, warum manche Spitäler nichts gegen ihren schlechten Ruf unternehmen. Wenn mich ein Arzt nicht genau untersucht, weil er vielleicht gerade aus einem erotischen Traum geholt wurde und er sich nicht erklären kann, warum er um halb drei Uhr morgens geweckt wird, dann kann ich darüber noch hinwegsehen; gehe ich eben zu einem anderen Arzt. Aber wenn ein junges Elternpaar um dieselbe Uhrzeit 90 Kilometer Anreise in Kauf nimmt, weil sich ihr Säugling seit Stunden schreiend einfach nicht beruhigen lässt, und der Arzt sie nach wenigen Handgriffen wieder nach Hause schickt, da werde ich sauer.

 

Gut, der drei Monate alte Säugling hat sich während der einstündigen Autofahrt beruhigt und nicht mehr gebrüllt. Er hat den diensthabenden Arzt sogar dankbar angelächelt, als der ihm einen Furz hinausmassierte. Doch das kann seine Mama auch und macht das auch schon seit mehreren Monaten. Die beiden Jungeltern wollten vielmehr eine Untersuchung ihres Sprösslings, da dieser regelmäßig krampft, ein wenig Blut mit dem Stuhl absonderte und dabei herzerweichend brüllt. Im Normalfall ist das Baby ein überaus gut gelaunter Racker, außer, es beginnt seine Blähphase. Dann geht Mama mit ihm spazieren: Hoch tief Bewegungen, Fliegerlage, Wiegegriff und so weiter. An jenem Abend half das alles nichts – erst die Autofahrt beruhigte das Baby, vielleicht war es auch nach mehreren Stunden schreien schon müde. Egal, man könnte jetzt meinen: Na gut, dann wird eben mit dem Auto gefahren, wenn das Baby brüllt! Erstens ist das bei diesen Spritpreisen nicht ratsam, ein Kind kostet heutzutage so schon ein kleines Vermögen und zweitens wollten die Eltern eine Endlösung von diesem Arzt im Spital und baten ihn, ihr Baby zu untersuchen. Vielleicht verliert ja der Hippokratische Eid in den frühen Morgenstunden seine Gültigkeit und der diensthabende Arzt meinte zu den verzweifelten Eltern: Das war es! Mit dem herausmassierten Schass ist das Problem gelöst. (Leider war ich nicht anwesend, sonst hätte ich ihm einen Schass ins Gesicht geblasen). Wozu glaubt dieser Arzt, gibt es Harn-, Stuhl- und Blutproben? Selbst ein Laie wie ich, weiß, dass man damit einiges bestimmen oder ausschließen kann. Und dann gibt es ja noch die cleveren Herrschaften von Siemens, die einige Gerätschaften erfunden haben, die es zu benützen gilt, um dem Leiden der Menschen auf die Spur zu kommen - Ultraschall zum Beispiel.

 

Der täglich größer werdende Stress in unseren Spitälern, Personalmangel, immer neue Krankheits-Symptome, Kostendruck ... All das wirkt negativ auf die physische und psychische Belastbarkeit und führt mitunter dazu, das gesundheitliche Probleme bei Patienten negiert werden, damit man die Ruhezeiten verlängert. Und ich weiß sehr wohl, wie wichtig Ruhe und Stille sein kann. Doch wenn es um die Sorgen junger Eltern und das Wohlergehen deren Kindes geht, dann sollte ein Mensch, der den Beruf des Arztes gewählt hat, um anderen zu helfen, seine Berufung auch ernst nehmen. Und auch die ihm zur Verfügung stehenden Geräte und Testmöglichkeiten um alle Eventualitäten einer nicht sichtbaren, inneren Erkrankung auszuschließen. Vielleicht war der Arzt ja wirklich zu schlaftrunken, um die Sorge der Eltern zu sehen und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um deren Schmerz zu lindern.

 

„Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.“

 

Auszug aus dem Eid des Hippokrates – Quelle Wikipedia

 

Und wenn sich manche nun fragen: „Ja ist denn der bescheuert? Man pinkelt doch der Ärzteschaft nicht ans Bein!“

 

Ich weiß auch, dass es jede Menge hervorragender Ärztinnen und Ärzte gibt und auch beim Pflegepersonal gibt es hervorragende Kräfte, die, soweit es in ihren Möglichkeiten steht, in vielen Spitälern Österreichs das Optimum für ihre Patienten herausholen. Ich habe einige kennengelernt und sie in meinem Buch lobend erwähnt. Doch ich scheue mich nicht davor Kritik zu üben, wenn ich etwas erfahre, das im krassen Gegensatz dazu steht. Das Baby war der einzige Patient, es war ruhig in der Nachtambulanz, also wäre es möglich gewesen, sich die nötige Zeit für das Kind zu nehmen und es gewissenhaft zu untersuchen!