Entscheidungen treffen und mit ihren Folgen leben.

 

Jeden Tag treffen wir Entscheidungen, ob im Beruf, in der Familie, in der Liebe oder in so banalen Dingen wie der Freizeitgestaltung. Und mit meiner Freizeitgestaltung hatte ich in letzter Zeit so meine Probleme, genauer gesagt mit meiner schriftstellerischen Ausrichtung; will ich damit Geld verdienen oder sie als Hobby ohne Stress betreiben.

Gut, manche werden nun sagen: Nur weil er fünf Bücher geschrieben hat, mehr oder weniger interessante, glaubt er, dass er damit Geld verdienen kann? So einfach ist das nicht.

 

Das kann ich nur bejahen. Und ewig locken Ruhm und Geld, auf der Strecke bleiben zumeist Freiheit und innere Ruhe. Und aus der Ruhe gebracht hat mich der Umstand, dass ich glaubte, etwas Großartiges geschrieben zu haben und ich irgendwie nicht den Fuß in Tür eines Verlags bekam, um die ganze Welt auf mein Werk aufmerksam zu machen. Die ganze Welt? Man sieht schon, manchmal bin ich ganz schön übermütig, und wie heißt es so schön: Übermut tut selten gut.

 

Die Quintessenz meiner Gedanken: niemand interessiert was ich schreibe; niemand hat eine Ahnung, wie hart ich dafür gearbeitet habe; niemand lobt mich; niemand gibt mir eine Chance – Scheiß drauf (soll man zwar nicht sagen, aber gedacht habe ich es mehr als einmal). Und mit der Fäkalsprache bildete sich auch ein eigentümlicher Geruch im Wohnzimmer: verfaulendes Fleisch im Bürostuhl. Von einer zerplatzten Seifenblase hatte ich ja schon geschrieben, nun schien es, als würde meine neue Seifenblase dasselbe Schicksal ereilen. Meine Laune war im Keller und dort stand jede Menge Dosenbier. Als ich selber schon glaubte, das war´s, lieber trenne ich mich von meinem Hobby, das ich zu meinem Beruf machen wollte, bevor ich neuerlich ins Nirwana der Depression gleite, kam es zu einer Zufallsbekanntschaft auf FB, die mir die Augen öffnete.

 

In einem Anflug von Verzweiflung, startete ich einen letzten Versuch und postete auf FB: Ist vielleicht eine komische Frage, aber ich würde gerne mal einen Plot zu einem Buch lesen, das bereits auf dem Markt ist. Hat jemand von euch sowas schon gemacht? Und habt ihr diesbezüglich einen Link für mich?

 

Josefa vom Jaaga, ein eher ungewöhnlicher Name, der mir auf anhieb gefiel, weil er so anders war, schrieb: Gern (wenn ich rauskriege, wie das hier mit dem Dokumente verschicken geht ^_^). Muß aber bis abends warten;

 

Und tatsächlich schickte sie mir noch am selben Abend den Plot zu ihrem Historienroman: Das Herzogsgut: Ein Kriminalfall aus dem frühmittelalterlichen Altenerding.

 

Zustande kam daraufhin ein reger Meinungsaustausch, wobei ich sagen muss, dass sie mir mehr geholfen hat, als ich ihr, da ich ein „Historisches Nackerpatzerl“ bin. Trotzdem konnte ich nach einer Gewöhnungsphase, was Namen, Schauplätze und Titel betraf, folgen und begriff rasch die Zusammenhänge zwischen ihrem Plot und der Geschichte.

Eine „Klette“ wie ich nun mal bin, schickte ich ihr das Manuskript, welches mich die letzte Zeit so beschäftigt hatte und bat sie, mir vielleicht einen Tipp für den Plot zu geben. Sie hat mir gleich mehrere Tipps geschrieben und doch war es ein Absatz, der mich hellhörig werden ließ:

 

Im Moment bin ich etwas unsicher, was ich dir raten soll. Du kannst natürlich machen, was dein Agent dir geraten hat, und die Geschichte inhaltlich so abändern, dass sie mehr Handlungs- und Spannungselemente enthält. Dafür hätte ich auch eine ungefähre Idee, aber ich sag' dir gleich, das würde aus der Geschichte etwas ganz Anderes machen. Von Grund auf anders, und möglicherweise nimmt ihr das genau den Charakter, den du ihr geben wolltest. Zumindest klingt der Plot ganz so, als sei dir die Geschichte gerade wegen der vielen deutlichen Fragen und Antworten wichtig.

 

Und eigentlich finde ich es immer sehr schade, wenn man etwas, woran man persönlich hängt, wegen besserer Verkaufschancen opfert.

 

Und da hatte es KLICK gemacht! Ich sagte mir: Du warst in jungen Jahren ein Rocker, bist auf der Bühne gestanden und hast dein Ding durchgezogen, du warst ein Revoluzzer, bist deinen Weg gegangen und hast mit den Konsequenzen gelebt. Du musst ja der Welt nicht gleich mit sinnlosen Parolen – rettet die Autoren vor Versagensängsten kommen. Hör einfach auf zu knien und hör auf zu betteln. Zieh dein Ding durch und schau was dabei rauskommt. Schraube die Leselatte nicht zu hoch und wenn deine Bücher niemand lesen sollte, so hast du sie doch geschrieben und dir selbst eine Freude bereitet.

 

SEI EHRLICH ZU DIR SELBST!

 

VERSUCH NICHT WER ZU SEIN, DER DU NICHT BIST!

 

GIB DEIN BESTES UND BLEIBE DU SELBST!

 

Und hier machte es KLACK und ich hatte ein Lächeln im Gesicht, denn mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wer diese drei Sätze beherzigt, kann alles schaffen. Man muss sich nur Zeit geben und in sich ruhen. Wenn es jemanden interessiert, was man schreibt, malt oder musiziert, der wird den Klingelknopf schon finden.