Ich soll wen erfinden?

Charakterskizze verfassen ...


Jetzt geht es aber ans Eingemachte, bei meinem Belletristik Studium. Bin im dritten Semester und habe die Grundschule – laut Aussagen meiner Studienleiterin – bravurös abgeschlossen. Ist irgendwie komisch sich selbst zu loben, auch wenn es stimmt. Aber egal. Fakt ist, es geht ums Kurzgeschichten schreiben (die erste Aufgabe habe ich ja schon online gestellt – Zoff bei Boisenbergs) und da jetzt um Figuren und Orte.


Was zeichnet gute Figuren aus?

 

In meinem Übungsheft steht dazu: Der Leser freundet sich nur mit lebendigen Wesen an, nicht mit künstlichen Geschöpfen aus der Retorte, die alles Irdische hinter sich lassen.

 

Hm ..., ich denke da jetzt an Kommisar Polt aus der gleichnamigen Krimireihe von Alfred Komarek. Der ist beim Lesen echt lebendig rübergekommen, ja fast schon neben mir auf der Couch gesessen. Und sein Kater erst, der Czernohorsky, der ist auf der anderen Seite gelegen und hat seine dicken Pfoten geleckt. Ja ja, der Polt, der ist schon eine geniale Figur. Ein weinselig gemütlicher Polizist, wie es ihn wohl nur mehr im Weinviertel gibt, vielleicht nicht einmal mehr dort.

 

Und jetzt soll ich so einen erfinden ..., so einen Polt, anders heißen muss er halt und anders sein muss er auch. Charakterskizze verfassen, wird das genannt. Hm ..., wie soll ich das nur angehen? Wen ich zum Beispiel einen dicklichen Mann hernehme und ihm die Charakterzüge von meinem Freund geben würde, dann wäre der sicher beleidigt. Obwohl, der liest eh nie was ich so schreibe. Oder wen ich eine große, anmutige, bildhübsche Frau hernehme und ihr die Charakterzüge meiner Frau überstülpen würde, dann täte die sich wahrscheinlich freuen. Aber die liest ja auch nie was ich schreibe.

 

Also jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich mich frage: warum schreibe ich überhaupt, wen interessiert´s, was ich da in meinem Hirn zusammenbastle. Tja, ich kann mit Fug und Recht behaupten – nicht viele. Und da ist es halt schwer, sich zu motivieren und sich eine Rippe herauszuschneiden, um daraus eine Figur zu formen – so Gott will. Da sitze ich tagein tagaus vor meinem Computer, meine Augen werden auch schon schlechter davon, und versuche irgendwelche Geschichten zu tippen, mit denen ich die Leser begeistern und erfreuen kann. Und dann gibt es jene, die nehmen ein Video auf, singen oder lachen oder lassen gar ihre Kinder lachen, laden es bei You-Tube hoch und schon sind die weltberühmt. Wer will das schon, pah, ist doch alles Mumpitz.

 

Stell mir gerade vor, wie jetzt gleich Schneeschaufeln gehe. Tausend Fans warten draußen vor meiner Tür und kreischen als ich aufmache. Schrecklich. Aber Schneeschaufeln müsste ich dann nicht mehr, weil die hätten ja schon alle Flocken niedergetrampelt. Verdammt, ich bin schon wieder etwas vom Thema abgeschweift. Passiert mir andauernd. Das Alter, wahrscheinlich. Worum ging es eigentlich? Ach ja, Figuren erfinden, sie mit Charakterzügen versehen und auf die Leserschaft loslassen.

 

Also ganz ehrlich ... ich nehm einfach mich! So einen kann man kein zweites Mal erfinden, oder?