Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen

26. Jänner 2013

Wisst ihr was sozial bedeutet? Wenn Chefs Mitarbeiter an ihrem freien Tag an die Arbeitsstelle zitieren und ihnen die Kündigung aussprechen. Das alleine wäre schon lachhaft, wenn es nicht die traurige Wahrheit wäre. Und das diese Situation vom "xxxxxxxxxxxx" (aus rechtlichen Gründen geixt) ausgeht, zeigt einmal mehr, dass auf Kosten der Mittelschicht gespart wird, um sie zur Unterschicht zu führen ... die ja bekanntlich leichter zu regieren und manipulieren sein soll. Ja freilich, geben Sie einem Menschen der seit mehreren Tagen nichts zu essen bekommen hat ein Stück Brot und Sie werden sehen, wie genügsame Dankbarkeit aussieht.

 

Fünf Tage vor ihrem 49sten Geburtstag wurde meine Frau "aus wirtschaftlichen Gründen" gekündigt. Die obigen Zeilen (und ein paar mehr) schrieb ich am selben Abend auf FB.

 

Nachfolgende Gedanken dazu verfasste ich an ihrem Geburtstag - Sie ist soeben zu einem Vorstellungsgespräch gegangen und ich hoffe, dass man ihr ein Geburtstagsgeschenk macht, dass ich ihr nicht schenken kann.

 

Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen!

 

Sie ist wohl eine der fadenscheinigsten Kündigungen überhaupt. Eine Ausrede, in die ein „Chef“ alles Mögliche hineininterpretieren kann, zum Wohle der Firma und der restlichen Belegschaft versteht sich. Meist hört man als Betroffene/r ein Plädoyer zur Lage der Firma und ihrem unerbittlichen Existenzkampf in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Mit Engelszungen versucht man in Chefetagen dem Delinquenten zu erklären, wie leid es einem „menschlich“ tue und wie hervorragend die Arbeit der Betroffenen für die Firma war. Dass man zum Abschluss des Arbeitsverhältnisses zumeist ein 1a Zeugnis erhält, sei hier nur am Rande erwähnt (selbstverständlich nur für diejenigen, die im Laufe ihrer Tätigkeit nicht negativ aufgefallen sind).  Im Endeffekt bleiben für den oder die Gekündigten meist nur Tränen und offene Fragen.

 

Was habe ich falsch gemacht?

Warum ich?

Ich habe mich stets bemüht, kam nie zu spät, habe meine Arbeiten immer gewissenhaft erledigt und bin nie ungut aufgefallen. (Bei meiner Gabi war das so!)

 

Was einen Betroffenen bei seiner Kündigung am allerwenigsten interessiert sind Zahlen und Fakten, die der Chef oder die Chefin zumeist rührselig aufbereiten, um das eigene Versagen zu verschleiern. Eines muss ja wohl erlaubt sein zu sagen: Wer den Kahn steuert, der hat auch die Verantwortung für die Besatzung. Folge dessen sollte ein Steuermann (oder Steuerfrau) auch mitbekommen, wenn sich ein Sturm am Horizont zusammenbraut und dem Unwetter ausweichen. Dann sollte nicht mehr der Spruch - Wer bremst verliert! – zählen. Wenn wirtschaftlich dunkle Wolken aufziehen, sollte die Führungsetage nicht am Golfplatz oder auf einer Beautyfarm verweilen, denn hinter jeder Kündigung steht ein Menschenleben. Jene die das auf die leichte Schulter nehmen sollten sich des Spruchs gewahr werden: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.

 

Die Krux an der Sache ist auch die, dass die restliche (dezimierte) Belegschaft nun die Arbeit der entsorgten Kolleg/innen mitmachen und so, ziemlich zügig ins Stadium der Energielosigkeit gerät. Sollte der oder die Entlassene auch noch ein „guter Mensch“ gewesen sein, und kollegial ins Team gepasst haben, schürt man als Chef/in den Missmut des verbliebenen Personals gegen die eigene Person. Und wenn einer die Arbeit von Vielen erledigen soll, dann kommt es früher oder später zu einem Eklat der sich Burn-Out nennt und dieser Tage weit verbreitet ist. (Warum wohl?)

 

Vor Kurzem sah ich im TV einen Bericht über das Gestüt Piber und die weißen Lipizzaner. Deren Chefin, die Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule Frau Elisabeth Gürtler, erklärte die Zusammenarbeit mit den Tieren in etwa so: „Wir geben den Pferden die Zeit, die sie brauchen, um sich zu entwickeln. Es bringt nichts, Druck auszuüben. Wir sind darauf bedacht zu führen und dabei Harmonie zu schaffen. In einem harmonischen Verhältnis kommt Leistung ganz von selbst.“

 

Eine blitzgescheite Frau, die Frau Gürtler!

 

Leider sind die wenigsten von uns Lipizzaner, und leider denken wenige Chefs wie Frau Gürtler. Und so bleibt nur die Tatsache: Sollte es zu Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen kommen, muss im Vorfeld etwas schiefgelaufen sein, dass der allmächtige Lenker übersehen hat.

 

Wenn Firmen mehr darauf bedacht wären, in „wirtschaftlich rosigen Zeiten“ nicht sorglos zu expandieren und einen gewissen Gewinnanteil veranlagen, um „wirtschaftlich nicht so rosige Zeiten“ abzufedern, würde es Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen wohl nicht so häufig geben.

 

Aber wer bin ich schon, dass ich das Friede-Freude-Eierkuchen-Syndrome erfinden will.

 

P.S: Meine Frau hat zu ihrem Geburtstag eine neue Stelle bekommen - was für ein Geschenk!