Lektorin, Lektor gesucht

Aus der Schaun mer mal Themenreihe


(Donnerstag, 22 März 2012 17:07)

Habe gerade im Podium "Die Gedanken sind frei"- Zeit der Tränen gelesen. Da ich dort nur ungern kommentiere, hier; mich haben die Kapitel sehr beeindruckt und sie sind sehr gut geschrieben. Wenn Du Dich selbst keinen Schriftsteller nennst- mag das Beruflich zutreffen, aber für mir hast du bewiesen, dass Du das Format und Zeug dazu hast. Für Dich und Deine Familie alles Gute,

mit freundlichen Grüßen

Sweder van Rencin


Ganz herzlichen Dank liebe oder lieber Sweder van Rencin, für diesen netten und Mut machenden Gästebucheintrag auf meinen Steirerbua-Seiten.


Er hat mich dazu inspiriert, mich im Zuge meiner „Schaun mer mal“ Gedanken, eines in Hobbyschriffstellerkreisen beliebten Themas anzunehmen: Lektorin, Lektor gesucht? Darf nichts kosten, würde aber am Bucherfolg beteiligt  – Höhe Verhandlungsbasis!


Ich weiß zwar nicht, ob du diese Zeilen jemals lesen wirst, aber deine Zeilen haben mich in einer tiefen Sinnkrise erreicht und etwas motiviert. Das Handwerk des Schriftstellers zu erlernen ist ja an und für sich schon ein grenzwärtiges Unterfangen und für einen Menschen, dem es an psychischer Stabilität mangelt mitunter ein aussichtsloses. Die Einsamkeit, in der man vor seinem PC sitzt und versucht, seine Gedanken, seine Worte in Lesbares umzusetzen, ist manchmal sehr verwirrend, wenn nicht sogar schmerzhaft. Man opfert Stunde um Stunde, ein Manuskript zu schreiben, mit dem man diese Einsamkeit durchbrechen und seinen LeserInnen Freude, Spannung, Humor, Bewegendes, vielleicht sogar etwas Tiefgründiges vermitteln will. Und dann sieht man sein fast fertiges Manuskript auf dem Schirm, beginnt daran herumzudoktern, weil irgendein Verlag oder eine Literaturagentur meint, dass es nicht für den Vertrieb geeignet ist. Das liest sich dann in etwa so:


Sehr geehrter Herrr Stadlmann,
vielen Dank noch einmal für Ihre Einsendung.

Ich habe Ihr Manuskript "Mutter - Der härteste Job der Welt" mit Interesse gelesen, muss Ihnen aber leider sagen, dass ich keine Möglichkeit sehe, den Text durch unsere Agentur vertreten zu lassen. Mit dieser Entscheidung ist kein Werturteil verbunden; es kann also durchaus sein, dass Sie bei einer anderen Agentur bessere Chancen haben.

Nichtsdestotrotz biete ich Ihnen unseren Gutachten-Dienst an, falls Sie Genaueres zu der Entscheidung erfahren möchten. Dabei erstellen wir ein ausführliches Gutachten (mind. 5 S.) zu Ihrem Manuskript, in dem wir positive und negative Seiten herausstellen, seine Struktur prüfen sowie Ihnen Tipps und Hinweise geben, es besser und professioneller zu gestalten.


Und schon beginnt man sich als „Versager“ zu sehen, der es wieder einmal nicht auf die Reihe gebracht hat, die Worte in die richtige Reihe zu setzen, um Eindruck zu schinden. Ein Gutachten kommt nicht infrage, man erinnert sich noch an das Letzte, was unter dem Strich € 250.- gekostet und nichts gebracht hat. Man sinniert darüber nach, warum man in der Schule nicht besser aufgepasst und sich in Rechtschreibung und Grammatik nicht mehr bemüht hat. Dann könnte man sein Manuskript selber verlegen, als e-Book zum Beispiel und würde sich diese seelischen Tiefschläge ersparen. Andere Autoren haben ja schon vorgezeigt, dass bei LeserInnen ein Stoff durchaus ankommt, denn ein gewinnorientierter Verlag oder Literaturagent, der ja einiges in die Umsetzung investieren müsste, von vornherein ablehnt.


Die Krux an der Sache ist aber: Wenn bei dem „wollenden“ Schriftsteller, zu seiner mangelnden Rechtschreibung und Grammatik, noch die Liebe zum Manuskript und die damit verbundene Befangenheit beim Lektorieren – soll heißen streichen – dazukommt, ja dann macht es keinen Sinn, den zukünftigen Leser auch nur um 0,99 Cent für das fertig hochgeladene Buch zu bitten. Es wäre wohl das einzige Mal, dass man etwas verdienen würde und der noch aufzubauende Ruf wäre von vorneherein auch dahin. Wo also den Hebel ansetzen? Oder einfach mal aussetzen und sich überlegen, vielleicht etwas anderes zu machen? Aber wenn man es doch so lieb gewonnen hat, dieses vor sich hinschreiben. Und ein Studium hat man ja auch am Laufen und somit die Hoffnung, dass man eines Tages den Dreh raus haben wird. Was Hänschen nicht lernt ... na ja, Selbstmitleid ist leichter aufzubauen als Selbstvertrauen.


Na gut, damit stehe ich ja nicht alleine da, und aufgegeben wird ja nur ein Brief, ein Paket, ein Job, eine schlecht funktionierende Liebesbeziehung, ein defektes Auto, eine Auslandsüberweisung, ein ... siehst du, genau das meine ich. Wenn ich so vor mich hinschreibe, fällt mir alles Mögliche ein und das so lange, bis ich nicht mehr weiß, was ich da jetzt rausstreichen soll, ist doch alles irgendwie wahr. Natürlich würde da ein Lektor mit der groben Kelle kommen und Silbe für Silbe auf ihre Lebensfähigkeit beziehungsweise Lesefähigkeit hin überprüfen.


Vielleicht darf ich ja doch irgendwann einmal mit einer Lektorin oder einem Lektor zusammenarbeiten. Mich würde nämlich sehr interessieren, wie sich mein Manuskript dann verändern würde. Wenn ich im Lotto gewinnen sollte, dann kauf ich mir aber so eine Lektorin oder einen Lektor, aber vielleicht ruft mich ja schon vorher einer an, weil er sich rein zufällig verwählt hat ...   

 

Schaun mer mal!


 


Sollte mich eine Lektorin, Lektor schriftlich kontaktieren wollen, bitte sehr, hätte ich auch nichts dagegen.

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