Nachbar für Nachbar

Warum immer in der Ferne helfen?


9. Februar 2012

13 Uhr 37 – Aktuelle Temperatur Aigen/Ennstal: -7,6° Grad Absinken der Temperaturen in der Nacht bis auf -15°.

 

Gestern erreichte mich ein Schreiben via E-Mail und anschließend der Anruf meines Freundes: „Du, Gefahr im Verzug, da müssen wir sofort was unternehmen!“

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Eine ehemalige Arbeitskollegin und sehr gute Bekannte von den Mitarbeitern des Pflegeheims Lassing, ist momentan in einer schlimmen Notsituation. Uns fehlen leider die nötigen Mittel ihr in ihrer misslichen Lage weiterhelfen zu können.

 

Sie wohnt alleine mit ihrer pflegebedürftigen 91 jährigen Mutter, die schon auf ein Bein verzichten muss, in einem renovierungsbedürftigen Haus und versucht, mit ihrem sehr geringen Pensionsvorschuss von € 18,35 pro Tag, über die Runden zu kommen. Aus gesundheitlichen Gründen (Sklerose, teils schweren Depressionen)ist sie nicht mehr in der Lage zu arbeiten.

 

Nun ist auch noch ihrer Heizung ausgefallen und lt. Aussage des Installateurs nicht mehr zu reparieren. Für eine Neuanschaffung sind ihre finanziellen Mittel nicht ausreichend. Es wurde von der Fa. Schierl eine vorübergehende Notheizung eingebaut, die aber die Wohnräume bei weitem nicht erwärmt - 8 - 11 Grad. Die Arbeit und Installation allein dafür betragen ca. 600 Euro. Von der Freiwilligen Feuerwehr Lassing wurde vorübergehend auch noch eine Gaskartusche aufgestellt, die zusätzliche Wärme bringen soll.

 

Wir wissen leider noch nicht, wie viel eine Neuanschaffung bzw. gebrauchte Anlage kosten würde. Natürlich sind auch wir Mitarbeiter bemüht, sie im Rahmen unserer Möglichkeiten mit einem Beitrag zu unterstützen. Wir bitten auch Sie, helfen Sie uns helfen, und spenden Sie einen kleinen Beitrag für unsere Bekannte.

 

Dafür bedanken sich herzlichst im Voraus

Die Mitarbeiter des Pflegeheims Lassing

 

Es war Mittwoch, der 8. Februar, etwa 16 Uhr, als ich diesem Brief folgende Zeilen vorsetzte und ihn auf dem Online Portal – BLO24 - publik machte:

 

Licht ins Dunkel, Nachbar in Not, Steirer helfen Steirern und wie die Hilfsorganisationen auch alle heißen mögen. Sie alle tun Gutes, keine Frage, doch in diesem speziellen Fall und bei den derzeit vorherrschenden Minusgraden, ist Gefahr in Verzug. Eine notleidende Frau, mit pflegebedürftiger Mutter aus Lassing ist jetzt auf rasche, WÄRMENDE Hilfe angewiesen. Sollten Sie ein Installationsunternehmer sein, rufen Sie an, helfen Sie bitte JETZT. Sollten Sie Spenden wollen, tun Sie es bitte JETZT! Geben Sie zwei älteren Damen die Hoffnung, bald wieder gemütlich in IHREN vier Wänden in heimeliger Wärme zu sitzen.

Lesen Sie bitte und vor allem ..., helfen Sie, wenn es Ihnen möglich sein sollte!

 

Zwei Stunden später hatten wir die Zusage eines Installationsunternehmers aus dem Bezirk, dass er sich um das Heizproblem der Dame kümmern wird. Aber das war erst die Spitze des Eisberges, wie mir Frau Renate K., die gemeinsam mit Kolleginnen aus dem Pflegeheim auf die Notsituation ihrer ehemaligen Kollegin aufmerksam gemacht und sich dieser Aufgabe gestellt hatte, heute in einem Anruf mitteilte. Ihr Handy (ja, sie hat ihre private Handynummer angegeben, um etwaige Hilfe oder Spenden so rasch als möglich zu koordinieren) hatte in einem fort geläutet. Auch via Facebook und Mails an BLO24 gab und gibt es Erfreuliches zu berichten. Zahlreiche Firmen, Vereine, Parteien und Privatpersonen haben versprochen zu helfen oder zu spenden – herzerwärmend.

 

Ich wünsche den beiden Damen, dass sie bald wieder in ihrer gewohnten Umgebung bei angenehmer Raumtemperatur ihren Tee schlürfen, stricken, lesen oder einfach nur Fernsehen können.

 

Was mich auf der einen Seite wie ein Kleinkind unter dem Weihnachtsbaum strahlen lässt, stellt auf der nachdenklichen Seite meines Gehirns eine Frage: Warum hat diese Dame nicht schon früher um Hilfe gebeten? Sofort folgen einige Gegenfragen: Wohin hätte Sie sich wenden sollen? Wär hätte Ihr geglaubt? War Sie in Ihrer psychisch angespannten Situation (Pension abgelehnt, niedriger Pensionsvorschuss, kranke Mutter) überhaupt in der Lage, um Hilfe zu bitten? Vielleicht hat Sie ja gefragt und wurde mit einem NEIN abgewiesen.

 

Gesundheitlich schwer angeschlagen, ein depressiver Punkt auf einer immer depressiver werdenden Landkarte, finanziell hoffnungslos überfordert, selbst pflegebedürftig und doch selbst noch pflegend! Und über all diesen leidvollen Tatsachen, schwebt die Kraftlosigkeit, die enttäuschte Menschen verspüren, wenn sie ein Leben lang alles gegeben haben und nun von der vorherrschenden Sparwut im Land sozial benachteiligt werden.

 

WIR KÖNNEN NICHT HELFEN, WIR MÜSSEN SPAREN oder auch nur ein einfaches NEIN, ist das, was notleidende Menschen dieser Tage immer öfter zu hören bekommen. Vielleicht manchmal auch ein – TUT MIR LEID – oder ein IST SCHWER MOMENTAN, WIR MÜSSEN ALLE SPAREN. Hilfe ist das keine. Man dient damit eher einem nicht näher definierbaren höheren Ziel, das in ferner Zukunft vielleicht Besserung bringen soll. Oder wie immer man es umschreiben mag. In politischen Ausredenschmieden ist man für eine Umschreibung von NEIN sehr kreativ, scheint angeboren.

 

Und dann sieht man in den Medien tagtäglich wie Milliarden für fadenscheinige Rettungsaktionen verpulvert werden. Ist ja nur für einen gewissen Zeitraum, wir bekommen es ja wieder zurück, ist doch für Not leidende EUROPÄER. Na gut, arme Menschen, aber ob sie etwas von den Milliarden zu sehen bekommen?

 

Die Leidtragenden sind zumeist Kranke und Schwache, sowohl psychisch wie physisch, die Älteren, die sozial nicht vernetzt sind oder denen einfach das nötige Wissen, um die richtige Anlaufstelle fehlt, und nicht zuletzt jene, die aufgeben haben nach Hilfe zu suchen, weil sie NEIN schon zu oft gehört haben.

 

Wie hilfreich könnte es sein, würde jede österreichische Gemeinde einen zweckgebundenen Fond einrichten, aus dem, wie im Fall der frierenden Dame und ihrer Mutter, rasch geholfen werden kann. Wenn Gefahr im Verzug ist, sozusagen.

 

Solange es aber Helfer wie Frau K. und ihre Kolleginnen gibt, die sich für eine Kollegin stark machen und nicht einfach wegsehen, wenn sie friert und am Ende ihrer psychischen und physischen Kräfte ist, dann stimmt mich das trotz allem zuversichtlich. Auch, dass letztendlich nach unserem Aufruf Privatpersonen, Firmen, Vereine, unbürokratisch gespendet haben und sich so der Dame und ihrer Mutter angenommen haben. Es gibt sie also noch, die Menschen die nicht NEIN sagen, die rasch HELFEN, die unseren Bezirk, unser Land mit dem Licht der Menschlichkeit wärmen.

 

Schön wäre es dennoch, würde Hilfe auch ohne mediales Getöse funktionieren. Und da wäre ich wieder bei einer Anlaufstelle für Notleidende in der Gemeinde. Auch für jene gedacht, die unbürokratisch spenden und so helfen wollen. Vielleicht könnte man dann, nach erfolgter Hilfe, einen Bericht publik machen, der Tränen der Freude und nicht die des Leids hervorruft.

 

Ich möchte abschließend allen HelferInnen und SpenderInnen DANKE sagen. Danke, dass Sie nicht NEIN sondern JA gesagt haben. Danke, dass Sie HIN- und nicht WEGGESCHAUT haben.

 

Menschen für Menschen - ist eine großartige Institution, für ÄTHIOPIEN.

 

NACHBAR für NACHBAR könnte eine großartige Institution auf Gemeindeebene sein – der Name wäre noch frei.