Positives Denken ...

kann das Leben verändern.


 

Positives Denken bringt positive Energie. Wenn das immer so leicht fallen würde. Ja warum denn nicht?


Man steht morgens auf, stellt sich vor den Spiegel, nimmt das, was man sieht, nicht allzu ernst und sagt: „Guten Morgen lieber Fred (Name kann natürlich individuell gewählt werden). Schön, dass du schon wach bist. Alt schaust aus aber das ist halt so mit fünfzig. Eine Rasur könnte dein Aussehen verbessern aber es ist doch die innere Schönheit, die zählt. Und jetzt komm´, lass uns einen Kaffee trinken und die Zeitung lesen, das wird bestimmt ein schöner Tag heute. Schau mer mal.“


So in etwa, könnte ein positives Selbstgespräch ablaufen. Und wenn es dann so kommen sollte, wie es bei mir am 6. Oktober gekommen ist, na dann ...

 

Der Tag beginnt, wie so viele Tage begonnen haben. Aufstehen, Frühstück, Körperpflege und ab an den PC einen Bericht verfassen. Das morgendliche Turnen habe ich heute ausgelassen. Meine Beine sind mit „Spatzen“ infiziert! So heißen auf steirisch muskuläre Beschwerden nach ausgiebigen Wandertouren. Gabi und ich waren am Vortag von Rottenmann auf das Dürrenschöberl (1737m) gekraxelt. Von der Rottenmanner Seite muss man „kraxeln“ sagen, weil da geht es manchmal so steil bergan, dass mein Bauch zeitweise die Fichtennadeln am Boden beiseite gewischt hat. Aber egal, ich hab´s überlebt – Gabi auch, aber die ist ja um 40 Kilo leichter und drei Jahre jünger als ich. Und den Rucksack, den habe ja auch ich getragen. Dabei dachte ich einmal kurz an diese Frauen im Orient, die ihren Männern alles nachtragen. Gar nicht deppert, diese Orienter. Gut, ich sitze also vor meinem Monitor und tippe meine Berichte. Gegen Mittag beginnt es verführerisch zu duften. Die Balkontüre steht sperrangelweit offen, 24 Grad im Schatten, blauester Oktoberhimmel, und durch das ebenfalls offene Küchenfenster schwebt eine appetitanregende Wolke unter meine Nase: Frittatensuppe, Steaks in Pfeffersauce, Bratkartoffeln und Gemüse. Lecker! Mit meiner Konzentration ist es vorbei. Gott sei Dank läutet es und meine jüngere Tochter Kerstin und ihr Freund Jürgen sind da. Sie haben es vermutlich schon bemerkt, das Festessen hat Gabi für die Beiden zubereitet. Ich könnte jetzt maulen und negativ denkend meinen: „Für die Kinder wird immer aufgetischt.“ Tu ich aber nicht. Es ist Donnerstag, statt Spinat gibt es ein Festtagsessen und ich profitiere ja von diesem Besuch. Und darum gehe ich in die Küche und begrüße die Beiden.


Und was jetzt kommt ... zieht mir beinahe den Boden unter den Füßen weg.


„So Papa“, sagt Kerstin und lacht „jetzt hast du deinen Stammhalter.“ Ich stehe da, als ob ich nicht bis drei zählen kann und wie der Jürgen so vom Tisch herübergrinst, halt ich mein Mädel auch schon in den Armen. Ganz vorsichtig natürlich, ich will ja dem Lukas nicht wehtun. Ja Lukas, so wird er heißen, mein Enkelsohn, wenn er dann im Februar 2012 zur Welt kommt. Und er wird der erste Bub sein, in der Familie Stadlmann, und die jahrzehntelange Tradition der „Büchsenmacher“ beenden. Ich hab´s eh immer gewusst, dass die Kerstin einen Buben bekommt, aber eine Freude hab ich jetzt, ein Olympiasieg im Tontaubenschießen ist da nichts dagegen. Und ein Lauser ist er auch schon, unser Lukas. Weil die Kerstin und der Jürgen, wollten sich heute bei der Mutter-Kind-Untersuchung im Spital so ein neumodernes 3D Ultraschallbild von ihrem Buben anfertigen lassen. „Er hat einfach nicht in die Kamera geschaut“, sagt die Kerstin grinsend und taucht den Löffel in den Suppenteller. Und die Oma: „Hauptsache es passt alles.“ Die Kerstin schaut, nickt und der Opa, der kurz vorm Mund den Löffel abbremst und große Augen kriegt, kann beruhigt seine Suppe weiterlöffeln. Zur Feier des Tages, trinken der Papa und der Opa zum Hauptgang ein grünes „Siebzehnerblech“ und necken sich, ob der Lukas einmal ein Rapid- oder Sturmfan wird. Natürlich hat der Rapid-Papa da Vorteile aber ... Schau mer mal. Und wie wir dann so glückselig auf dem Balkon unter dem Sonnenschirm sitzen und unseren Kaffee trinken, Kekse haben wir verweigert, schießt ein Eurofighter der österreichischen Luftwaffe einen Überschall-Salut für den Lukas, dass die zuvor angelehnte Balkontüre sich wie von Geisterhand öffnet und nach innen schwenkt. Danke, dass ihr Krawallheinis meinen Enkelsohn erschreckt habt. Und die Oma, also die Gabi, sagt zur Kerstin: „Hast du was gespürt, hat sich der Luki bewegt?“ Da hat der Jürgen so tiefe Falten auf seiner Stirn bekommen und gemeint: „Ich glaube, über den Namen müssen wir noch einmal nachdenken.“ Und dann haben wir gelacht und ich hab mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.


Auf einmal ruft Tanja an, das ist unsere ältere Tochter – alt ist sie aber nicht. „Mama, die neue Wohnung in Leoben hama“, plärrt es überschwänglich aus Gabis Handy. Und ich frage mich: ja was ist denn da los heute, ist doch gar nicht Weihnachten. Plötzlich besuchen uns auch noch vier, fünf Marienkäfer und setzen sich an die Balkondecke, auf die Mauer, die Holzbrüstung, den Sonnenschirm und auf den Tisch. Jetzt sagt keiner mehr was, wir lächeln uns nur an und können das Glück kaum fassen.

 

Ich weiß, dass man Glück nicht festhalten kann und dass auch wieder schwierigere Tage auf mich zukommen werden. Aber bis es so weit ist, werde ich glücklich sein und dankbar. Dankbar dafür, dass ich so tolle Kinder habe, die Kerstin den Jürgen hat und bald auch einen Lukas, ich so eine fabelhafte Frau und liebenswerte Familie habe. Und ich werde an den Lukas denken, und dafür beten, bald ein Stück weit seines Weges mit ihm zu gehen.


Und ich werde mich bemühen positiv zu Denken und mich, so Gott will, morgen früh wieder im Badezimmerspiegel begrüßen: „Guten Morgen ... werdender Opa Fred. Schön, dass du schon ...“ 

   

Stadlmann Alfred, Oktober 2011