Schaun mer mal

Lebensweisheit eines Fußballkaisers


Schaun mer mal!

 

Franz Beckenbauer prägte diese geflügelten Worte, die auch von Konfuzius hätte stammen können und nicht weniger beinhalten als eine Lebenshaltung: das Leben ganz gelassen auf sich zukommen lassen, nichts überstürzen, sich von der Hektik des Alltags und den Erwartungen der anderen nicht anstecken lassen, sein Ding machen. Und mal schauen, was da noch so alles auf einen zukommt… Wichtig für die „Schaun mer mal“-Attitüde: der nötige Weitblick – und der richtige Durchblick.

 

So steht es geschrieben auf: www.fanartisch.de und ich muss zugeben: Besser hätte ich es auch nicht formulieren können. Eines weiß ich mittlerweile: Wenn man sich diese Worte als Motto wählt, wird das Leben federleicht; die Erwartungshaltung, der Erwartungsdruck reduzieren sich auf Kieselsteingröße. Und was für mich viel wichtiger ist: Ich nehme mich selber nicht mehr so wichtig und arbeite daher gelassener und zeitloser an meinen Manuskripten.

 

Ist ja nur dein Hobby, Opa, höre ich in Anlehnung an diese großartige Werbung, schon meinen Enkel Lukas sagen, was natürlich noch ein wenig dauern wird. Ja das stimmt, würde Toni Polster vielleicht antworten und sein schlitzohriges Lächeln zeigen. In gewisser Weise prägt jeder Mensch seine Zeit, sein Dasein auf Erden. Der eine mehr, der andere weniger. Der eine im medialen Blitzlichtgewitter, der andere still und heimlich schreibend vom Wohnzimmer aus ... na ja.

 

Still und heimlich bin ich ja nun nicht immer. Manchmal lasse ich es auch krachen und dann komm ich mit der „Schaun mer mal“-Attitüde nicht klar, weil mir nötiger Weitblick aber vor allem richtiger Durchblick fehlt. Ganz Mensch halt.

 

Kürzlich traf ich mich mit ein paar Kollegen von früher, um bei einem „Osterseidl“ – es blieb nicht bei „einem“ –, über Gott und die Welt und in weiterer Folge ihren Arbeitsplatz zu reden. Ich wollte wissen, ob sich in Sachen Mitarbeiterschutz, sprich arbeiten an der Belastungsgrenze, etwas geändert hat. Was ich erhielt, war ein mitleidiges, ich würde meinen, sarkastisches Lächeln einer Kollegin. Es ist schlimmer geworden, fügte sie noch an – dasselbe Lächeln. Mir war schon aufgefallen, dass sich der ganze Hype um Burnout etwas verflüchtigt hatte und die Medien sich nun auf die wichtigeren Dinge stürzen: Benzinpreis, Gemeindezusammenlegung, Pensionssystem, Korruptionsskandale und das Wetter.

 

Jetzt wird mir klar, wie der Hase läuft – ich will hier aber nicht den Osterhasen diffamieren, sondern habe gleich angefangen, den nötigen Weitblick einzusetzen: Was kann ich beitragen, dass der Druck in der heutigen Arbeitswelt minimiert wird? Geld an die Firmenbosse verschenken, damit sie mehr Arbeitskräfte einstellen können, oder ihre Arbeitskräfte leistungsgerecht entlohnen? Fehlanzeige! Wo kein Geld ist, kann keines verschenkt werden! Vielleicht sollte ich mal mit der Kirche darüber reden, die bekommen ja des Öfteren nicht unerhebliche Geldgeschenke.

 

Ich könnte mich mit einer Tafel in die Arkade (ein großes Einkaufszentrum in meiner Heimatstadt Liezen) setzen auf der geschrieben steht: „Liebe Kunden, seid nett zu euren Verkäufern! Die sind schon lange vor euch da, sind noch lange nach euch da, und werden entlohnt, als wären sie nie dagewesen.“

 

Na ja, vielleicht nicht so gut. Da würde ich wohl nicht lange sitzen und der Hausherr keine Freude mit mir haben. Aber es geht hier auch nicht um Freude, vielmehr um den Schutz der Mitarbeiter – Schaun mer mal – vielleicht fällt mir ja noch etwas ein. Irgendwie finde ich keinen Ansatz, weil es so viele gibt und sicher jeder Einzelne mit den Worten: nicht finanzierbar, abgewiesen würde. Mir schwebt da zum Beispiel vor, dass die EU nicht die Atomstromlobby unterstützt, sondern Firmenchefs, die für bessere, fairere Arbeitsbedingungen mit genügend Freizeit sorgen. Man könnte ja einen Fond gründen: Für weniger Belastung und mehr Gesundheit am Arbeitsplatz oder so ähnlich. Und wenn ein Firmenchef nicht mehr in Kopfzahlen oder Umsatz des Kopfes pro Quadratmeter rechnet, sondern zusätzlich jemanden einstellt, um das vorhandene Personal arbeitstechnisch zu entlasten – obwohl das nicht wirtschaftliches Denken ist – dann sollte er gefördert werden.

 

Ich weiß, dass das nur so ein Gedanke ist, und mir vielleicht der nötige Weitblick – und der richtige Durchblick fehlen. Ich brauche mich von der Hektik des Alltags und den Erwartungen der anderen nicht mehr anstecken lassen, kann mein Ding machen, nichts überstürzen, das Leben ganz gelassen auf mich zukommen lassen. Und warum? Weil es mich einmal so richtig ausgespuckt hat – mein Arbeitsleben, weil mir damals der nötige Weitblick – und der richtige Durchblick fehlte.

 

Vielleicht hat den Jemand anderer. Ein Jemand, den die Sorgen der Menschen nicht egal sind und für den nicht nur der rasche Profit und die Gewinnmaximierung zählen. Vielleicht ja Jemand, der so denkt wie ich, jedoch mehr Möglichkeiten hat ...

 

„Schaun mer mal!“