500 Euro

Schulden für Schenken?

Geld aufnehmen zur Weihnachtszeit, um Geschenke zu finanzieren?


„Eines der charakteristischen Phänomene unserer Zeit scheint ein phasenweise ungezügeltes, zumindest aber unbesonnenes Kaufverhalten zu werden. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Ventil-Funktion für Probleme verschiedenster Art, vergleichbar den Drang- oder Impulshandlungen, wie sie schon bisher in den Lehrbüchern der Psychiatrie aufgeführt wurden.“


Diese einleitenden Zeilen habe ich eine Internetseite entnommen, die sich mit Psychosozialer Gesundheit beschäftig. Es stellten sich mir anschließend die Fragen: Unbesonnenes Kaufverhalten zur Weihnachtszeit, ist das wirklich so? Lassen wir uns so leicht verführen?


Täglich wollen uns die Firmen in der Vorweihnachtszeit mit marktschreierischen Werbefoldern, Internet-, Radio-, und Fernsehwerbung zum Kauf verführen. Sie geben Millionen Euros dafür aus, damit sie ihr Ziel - UNS, den Konsumenten - auch ja erreichen. Postbeamte stöhnen in der Vorweihnachtszeit unter der Last bunter Werbefolder, die manchmal noch am selben Tag in den Altpapiercontainern landen; z.B. bei Konsummuffeln und Umweltschützern. Es braucht ja eine Menge Bäume, damit diese Menge Postwurfsendungen die Haushalte erreichen. Aber auch jene, die ihr Smartphone oder das Internet für Kaufrecherche und Preisvergleiche verwenden, halten nicht viel von den bunten Bildern. Papier ist also zu einem kurzweiligen Werbemedium verkommen.


Manche Konsumenten lesen diese bunten Blätter sogar oder schauen sie kurz durch. „Ah, Bilder“, sagt meine Frau manchmal zu mir, wenn ich die Post hochgebracht habe; meint dabei in erster Linie aber die Supermarktprospekte, wo sie schlussendlich „vergleichende Werbung“ betreibt, um für uns zu sparen. Und genau das Sparen, scheinen manche von uns dieser Tage verlernt zu haben. Einigen Medienberichten zufolge gibt es Konsumenten, die sich vor Weihnachten sogar Geld bei ihrer Bank aufnehmen, um mit Geschenken – wahrscheinlich – konkurrenzfähig zu bleiben. Klotzen statt kleckern, ist ihr Zitat dafür.


Ob es Sinn macht, Bäume zu fällen und mit der so gewonnenen Zellulose bunte Prospekte zu drucken, die Konsumenten zum Kauf verführen, sie vielleicht sogar zur Bank treiben soll? Ob es Sinn macht, sich seine Kinder für entgangene Stunden während des Jahres unter dem Weihnachtsbaum zurückzukaufen?


Also ich weiß nicht, für mich bestimmt nicht! Für mich zählt seit einigen Jahren das Zitat: Weniger ist mehr.


Ich habe auf die harte Tour gelernt, dass Gier und Gefallsucht nur für den Augenblick Befriedigung bringen. Auf lange Sicht zahlt es sich aus, mit der Familie im Vorfeld über Weihnachten zu sprechen und sich abzustimmen. Es sind doch die Kinderaugen, die einen auf Wolke Sieben schweben lassen und wenn das Geschenk unpassend oder zu klein ist, in die Hölle verdammen. Mit etwas Geschick lässt sich letzteres vermeiden beziehungsweise in erträglichem Rahmen halten. Deshalb meine ich: Lieber relaxed und in trauter Gemeinsamkeit um den Weihnachtsbaum stehen und mit kleinen Geschenken in die Bescherung gehen, als in diesen Tagen eine Bank aufsuchen, um für Aufmerksamkeit unter dem Christbaum zu sorgen.

All jene, die lieber den zinsgepflasterten Weg einschlagen, werden Weihnachten wohl etwas länger feiern. Sie werden vermutlich noch Monate später so etwas wie eine Bescherung auf ihrem Konto haben.


Ich wünsche allen Freunden, Bekannten, Leserinnen und Lesern der Steirerbua-Seiten ein glückliches, besinnliches und vor allem sorgenfreies Weihnachtsfest!


Das Wort zum vierten Advent 2011! Gedruckt auf baumschonend elektronischem Papier